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Liebe zur Heimat und zum angestammten Fürsten, auf religiösen und ästhetischen Gefühlen, auf dem Drange nach Wissen beruht fast die ganze Weltgeschichte. Ohne heftige Gemütserregung einzelner oder ganzer Völker ist wohl noch keine weltbewegende That vollbracht worden.
Auf die Bildung und Ordnung der Gefühle bezieht sich ein grosser Teil der erziehlichen Thätigkeit von Schule und Elternhaus. Sei mitleidig und mildthätig, rufen uns durch Wort und Beispiel die grossen Lehrer der Menschen zu, sei liebevoll gegen alle, selbst gegen deine Feinde, sei gerecht und wahrhaft fromm. Achte und ehre deine Eltern und Lehrer. Gehorche der geist- lichen und weltlichen Obrigkeit. Wandle rastlos und ohne Furcht in Reinheit des Herzens den vorgeschriebenen Weg der Pflicht. Sei nicht neidig, nicht geizig, nicht stolz, nicht zornig, nicht rachsüchtig. Halte deine Augen, dein Herz, deinen Gaumen im Zaume. Lass ab von der uner- sättlichen Begier nach irdischen Genüssen. Lerne entsagen, auf dass deine Leiden sich mindern. Sei heiter auch in der Armut, bescheiden auch im Glück. Vergiss dein eigenes Ich um anderer willen.
Auf den durch die Sinne uns zugeführten Empfindungen beruht fast unsere ganze Er- kenntnis. Materie ist als die dauernde Möglichkeit empfunden zu werden, Geist als die dauernde Möglichkeit zu empfinden definiert worden.(Mill.)
Es ist nun eine höchst interessante Frage, die merkwürdigerweise bisher mehr die Anthro- pologen, Physiologen und Archäologen wie die Sprachphilologen beschäftigt hat: Wie kommen beim Menschen die mannigfachen Gefühle zum Ausdruck? Durch Geberden, Mienen und andere Reflexe, durch Schreie, Worte und Thaten.
1. Ausdruck der Gefühle durch Geberden, Mienen und andere Reflexe.
Ist Temperament und Gefühl besonders lebhaft, gibt der Mensch sich so, wie er ist, ist er in der Beherrschung seiner Gefühle noch wenig geübt oder darauf nicht bedacht oder durch mangelnde Nervenkraft bezw. den Höhegrad der Empfindung daran gehindert, so lassen sich die mannigfachsten, teils unwillkürlichen, teils willkürlichen Ausdrucksformen der angegebenen Art, die individuell verschieden nüanciert sind, beobachten.*)
Dann glänzen die Augen vor Freude und funkeln vor Zorn, sie blitzen vor froher Lebens- lust, von langem Leiden blicken sie matt und trübe. Der Bescheidene und Demütige, aber auch der Schuldbewusste und Beschämte schlägt sie nieder. Der Wütende rollt sie in den Augenhöhlen. Neid und Missgunst blicken scheel. Wer sich unsicher fühlt, der Furchtsame und Misstrauische blickt scheu und verstohlen. Der Hochmütige blickt auf die anderen herab. Vor Erstaunen und Entsetzen werden die Augen weit geöffnet. Der Angstliche drückt sie im Dunkeln fest zu.
Die Gesichtsfarbe wechselt. Man errötet vor Scham und Verlegenheit, vor Freude und Zorn, vor Sehnsucht und Liebe. Das Herz klopft dabei merklich. Man erbleicht vor Schrecken, mancher wird erd- oder aschfahl vor Wut.
Man weint, wenn man sich unglücklich fühlt, vor Schmerz und Entrüstung, vor Reue und Verzweiflung, aber auch vor Freude, vor Rührung und Mitleid. Man lacht vor Lust, vor Hohn und Verachtung, vor Verlegenheit und Ingrimm.
Der Mürrische und Zornige, auch der Gramvolle und Nachdenkliche runzelt die Stirne. Dem Zornigen schwillt die Zornesader auf der Stirne. Tiefer Gram zieht die Augenbrauen schräg
*) Die hierher gehörigen Werke von Darwin, Bain, Wundt, Mantegazza, Sittl u. a. sind dem Verfasser nicht unbekannt. Über zahlreiche Reflexe sind eigene Bücher und Abhandlungen geschrieben worden. Die folgenden Beispiele, die fast jeder aus eigener Beobachtung kennt, reichen für unsere sprachwissenschaftlichen Zwecke aus.


