Aufsatz 
Ein altdeutsches Frühlingsfest. Eine kulturgeschichtliche Studie : 2. Teil. Das Sonnenrad
Entstehung
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ließ ſämtliche Schüler und die eben anweſenden Lehrer auf dem Turnplatz hinter dem Gymnaſium zuſammentreten und verlas die Depeſche, die einen großen Jubel hervorrief. Brauſende Hochrufe auf Se. Majeſtät ſchallten weithin über Berg und Thal.

Die Pfingſtferien dauerten vom 28. Mai bis zum 5. Juni.

Am 29. Juni ſtarb in ſeiner Heimat Zehnhauſen der Obertertianer Sturm, ein braver und talentvoller Schüler, der ſchon ſeit längerer Zeit kränkelte und deshalb nach Haus entlaſſen war. Eine Deputation von 10 ehemaligen Mitſchülern unter der Leitung des Herrn Oberlehrers Schmitz, der früher Ordinarius des Verſtorbenen war, erwies demſelben bei der Beerdigung die letzten Ehren.

Herr Dr. Marx wurde Ende Juni bis zum 8. Juli zu einer 12tägigen Übung zum Heer eingezogen. Die Vertretung wurde hauptſächlich durch den Kandidaten Martin übernommen.

Die Herbſtferien dauerten vom 15. Auguſt bis zum 19. September. Es traten 13 Schüler neu ein. Herr Prof. Breuer mußte gleich im Anfang 3 Tage lang vertreten werden, da er an der in Wiesbaden abgehaltenen Verſamlung der deutſchen Naturforſcher und Arzte ſich beteiligte.

Am 30. September erlag ein braver Schüler, der Unterſecundaner Kaiſer in ſeiner Heimat Wirzenborn einem Gehirnleiden. Seine Mitſchüler gaben ihm in Begleitung ihres Ordinarius Dr. Marp bei ſeiner Beerdigung das letzte Geleit.

An dem ſtenographiſchen Kurſus(Neu⸗Stolzeſches Syſtem), welchen Herr Oberlehrer Schmitz leitete, betheiligten ſich 48 Schüler.

Die Oſtern 1887 entlaſſenen Abiturienten haben für das Schulzimmer der Oberprima eine ſchöne Abbildung des Kölner Domes geſchenkt.

Am 7. Juli wurden von den oberen und mittlern Klaſſen die herkömmlichen Turnzüge gemacht. Die Prima fuhr mit der Eiſenbahn nach Neuwied und wanderte ſofort vom Bahnhof nach dem Fürſtlich Wiediſchen Luſtſchloſſe Monrepos, von wo ſich eine herrliche Ausſicht über das Rheinthal bietet. Dann ging es auf Waldwegen nach Leutesdorf am Rhein, wo nach Andernach übergeſetzt wurde. Hier wurde das Mittagsmahl eingenommen. Am Nachmittag wanderte die Klaſſe weiter nach Weißenthurm, ließ ſich von da wiederum nach Neuwied überſetzen. Die Secunda fuhr früh morgens auf Leiterwagen durch den Montabaurer Wald nach Ehrenbreitſtein und ging dann nach Coblenz hinüber; von da ging es nach Boppard und dann nach Bornhofen; von Camp wurde die Rückfahrt mit der Eiſenbahn gemacht. Die Tertia kam gleichzeitig mit der Prima nach Neuwied und wandte ſich von da nordwärts zum Beſuch des Siebengebirges, wo der Drachenfels erſtiegen wurde. Abends trafen ſämtliche Klaſſen in Neuwied zuſammen und kehrten gemeinſchaftlich nach Haus zurück. Die untern Klaſſen machten an demſelben Tage gemeinſchaftlich einen weiten Spaziergang in den Wald. Schönes Wetter begünſtigte die Wanderfahrten.

Der Geſundheitszuſtand war im allgemeinen bei Lehrern und Schülern befriedigend; nur machte ſich auch in dieſem Jahre die Strenge des Winters in unliebſamer Weiſe bei manchen Schülern bemerklich.

Das Gymnaſium hat im laufenden Jahre für ſeine naturhiſtoriſche Samlung außerordentlich reiche Beiträge durch einen früheren Schüler desſelben, Herrn Prof. Dr. Führer(aus Limburg a. d. Lahn), Direktor des brittiſchen Nationalmuſeums in Luknow(Oſtindien) erhalten. Eine äußerſt wertvolle Samlung oſtindiſcher Schmetterlinge(jetzt noch ca. 800 Stück), Vögel und anderer Thiere (darunter auch eine Rieſenſchildkröte) langte beim Herrn Prof. Breuer im Juni 1887 an. Dem⸗ ſelben war die Sendung zur Verfügung geſtellt; ſelbſtredend überwies er indeß dieſelbe dem Gym⸗ naſium, an welches eben ja Herr Führer gedacht hatte. Die Schmetterlinge wurden unter der Leitung des Herrn Oberſtlieutenant a. D. Saalmüller im Senkenbergiſchen Inſtitut zu Frank⸗