der Unterſuchung ſtets den Ausdruck Pulsberg ge⸗ braucht haben, ſtatt des heute üblichen Marxberg. Die nordweſtliche Wand des trieriſchen Thales heißt jetzt allgemein Markusberg(im Volksmunde Marrberg) wegen einer auf demſelben befindlichen, dem heiligen Markus geweihten Kapelle. Jedoch nennt der gemeine Mann, wie ich mich perſönlich überzeugte, diejenige Strecke, welche mit der Marien⸗ ſäule ſbeginnt— von ihr ließ man das feurige Rad herabrollen— bis zum Vororte Pallien, das Kyriander ohne weiteres zu einem vicus Apollinis macht(Palagenna, Paligenna, Palegenna, Pal- genhe, Paliginne, Paligene)¹) mit dem Namen Pulsberg. Zur Zeit der Humaniſten hat man in Trier wie auch anderwärts ohne ſichere Gewähr, nur auf Lautähnlichkeit bauend, die Ortsnamen latiniſiert, aus einem Martinsberg machte man einen mons Martis, aus Bacharach Bacchi ara, aus Wittlich Vitelliacum. Dieſe Willkürlichkeiten hat beſonders der Trieriſche Stadtſyndikus Wilhelm Kyriander— mit ſeinem deutſchen Namen Hermann genannt— in ſeinen Annales 1576 der Nachwelt überliefert. Die Parteiſchrift, welche Kyriander gegen die Anſprüche der Erzbiſchöfe auf die Stadt Trier verfaßte, veranlaßte den Jeſuiten Chriſtoph Brower 1626 ſeine Antiquitates et Annales Trevirenses herauszugeben. In denſelben kommt folgende Stelle in Bezug auf den Pulsberg vor. ²) Sane Apollini in Gallia Beleni nomine eximius delatus honos, cuius apud Treviros nec obscura superesse volunt vestigia, in, monte occiduo civitati e regione unde olim solenne certae civium classi, rotam àrdentem, seu quam aliam inflammatam molem devolvere, ob memoriam triumphati olim Dei afflicti simulacri eiusdem de que summo praecipitati. Da Brower aus zum teil verlorenen Quellen geſchöpft hat, ſo ſind wir leider nicht mehr im ſtande, die Richtigkeit ſeiner Angabe zu prüfen. Die Erwähnung des Belenus wirft vielleicht Licht auf den Namen des dem Berge ſchräg gegenüberliegenden Stadtteils Britaunien.
¹) Mittelrheiniſches Vrdundenbuch von Beyer u. ſ. w. 2²) a. a. O. Tom. I p. 30 n. 13.
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Wenn auch nach St. Hieronymus ausdrücklicher Angabe die Trewerer keltiſch ſprachen, obgleich ſie nach Tacitus Angabe ambitiosi circa germanicam originem waren, ſo wollen wir die Bemerkung Kie- perts¹) in bezug hierauf nicht außer acht laſſen: „Wie fränkiſcher, lombardiſcher, normanniſcher Adel germaniſchen Götterdienſt und germaniſche Perſonen⸗ namen beibehielten, nachdem ſie längſt romaniſche Sprache angenommen hatten.“ Wichtiger iſt eine Stelle des Trithemius,²) in welcher er von dem ſpäteren Biſchof von Verdün dem heiligen Paulus erzählt, derſelbe habe ſich als Einſiedler auf einem Berge in der Nähe Triers niedergelaſſen, weshalb der Berg nach ihm Paulsberg genannt worden ſei. Hic primo eremiticam duxerat vitam cum aliis multis ender montem Gebennam in opposito urbis IT. Preverorum, qui exX eius nomine mons
Pauli modo appellatur, sed vulgus nominat eum Bulisberg. Wir beſtreiten, daß der hl. Paulus auf dem jetzt Pulsberg genannten Berge als Einſiedler gewohnt habe, denn der Ort war für ein Einſiedlerleben ganz ungeeignet aus folgenden Gründen: Abgeſehen von der allzu großen Nähe Triers lag am Fuße des Pulsberges der vicus Voclaniorum, deſſen cives den grade unter der Cultſtätte gelegenen großen Friedhof benutzten, wie aus einer aufgefundenen Inſchrift erhellt. In halber Höhe des Berges aber zog ſich die Römerſtraße von Trier nach Köln, in das Thal hinab, an welche ſich zum teil die Langmauer anlehnte, ein im Bataverkrieg errichteter limes Romanus. Allein die Urkunde gibt an in monte GCebenna, das iſt der Berg, an deſſen Fuße das oberhalb Trier gelegene Dorf Zewen liegt, wie Marxs) auch richtig angibt. Auch bliebe es im höchſten Grade auffallend, daß die dem Katharinenkloſter und Bri⸗ tannien benachbarte Kirche, welche dem Pulsberg faſt gegenüber liegt, den Apoſtel Paulus und nicht den hl. Einſiedler Paulus zum Patron hat. Nach einer Mitteilung meines verſtorbenen Vaters
¹) Lehrbuch der alten Geographie p. 525 und 26. ²) de viris illustr. ord. s. Bened IV cap. 323. ³) Ge⸗ ſchichte des Erzſtifts Trier III, 425.


