worden.“ ¹) Eor iſt wie Ziu der aus einem an⸗ fänglichen Liebesgott potenzierte Kriegsgott. Der Liebespfeil, die Siegesrune und das Brautſchwert, die er zu dritt führt, weiſen ihm ſeine erotiſche Rolle an. 2) Aus dieſem Grunde hat wohl auch die Ares-Statue der Villa Ludoviſi einen Eros neben ſich. Geſchmückt wie der Frühlingsgott im Kampfe mit den Winterrieſen zog man in die Schlacht. „Nun ſchmücket die Roſſe bunt zum Streit, nun ſtoßt in die Trompeten. ³)“ Mit wallendem Feder⸗ buſch auf dem blinkenden Helme ſtürzte der Ritter ſich in die Schlacht, in feſtlichen Gewändern geht Conſtantin XI, geht Zriny in den Tod, mit Adler⸗ federn auf dem Haupte und bemaltem Antlitz be⸗ ſchreitet der Indianer den Kriegspfad. Sieg iſt den Menſchen beſchieden, wenn ſie Gott ähnlich, wenn ſie wie der mit dem jungen Grün der neuerwachten Erde herrlich geſchmückte Frühlingsgott ausziehen gegen den häßlichen, ſchmuckloſen Winter. Schmuck iſt ein Amulett gegen Niederlage und Tod. Schmuck und Liebe ergänzen ſich. Iris, die im Schmucke der ſieben Farben des Regenbogens prangende Göttin, galt wegen ihres Schmuckes für verliebter Natur. 4) Bevor wir nun die eigentliche Hochzeitsfeier der Natur und die Rolle, welche dabei das Rad ſpielt, beſprechen, müſſen wir vorerſt noch einiges voraus⸗ ſchicken.
In die Frühlingsfeier nach den Schneeſtürmen der rauhen Winterszeit ragen erhabene Erinnerungen hinein, die nie beim Menſchengeſchlechte wegen ihres im höchſten Grade ehrwürdigen Alters, wegen ihrer Achtung gebietenden Wichtigkeit als Ausgangspunkt aller Menſchengeſchichte ihres tiefen Eindrucks ver⸗ luſtig gehen, weil ſie uns teils die Rätſel unſeres eigenen Daſeins und der ganzen ſichtbaren Schöpfung löſen, oder die Erde nach einer Weltkataſtrophe vor unſern Augen entſühnt aus den Fluten emportauchen laſſen.„Alle Völker hatten gemeinſame Sagen aus
¹) ef. Neue Jahrbücher für Phil. u. Päd. von Fleckeiſen und Maſius 1875 4. u. 5tes Heft p. 293 ff. ²) Rochholz, Deutſcher Glaube und Brauch, 2,20. ³) Schlachtlied von Marſchner. ⁴) Preller, Griechiſche Mythologie I, 390.
den älteſten Zeiten, wohin namentlich die beiden wichtigſten Momente des Entſtehungsbewußtſeins, nämlich die Schöpfungs⸗ und die Flutſage gehören.“ ¹) Als nämlich die formloſen Maſſen des chaotiſchen Urwaſſers, durch den über ihnen ſchwebenden Eros bebrütet und mit zeugender Kraft erfüllt, in auf⸗ brauſende Gärung und heftig wallende Bewegung gerieten, von welcher beeinflußt die kosmiſchen Grund⸗ ſtoffe ſich von den irdiſchen loslöſten; als dann auf unſerem Planeten durch Zerſetzung und Ent⸗ miſchung der widerſtreitenden Bildungselemente ſich die zahlloſen, mannigfaltig wechſelnden Formen der Geſteinswelt und bei ununterbrochener Umwandlung in immer fortſchreitender Vervollkommnung die höher und feiner organiſierten Naturweſen ſich losrangen: da war der große Weltenfrühling angebrochen, an welchem das in den Uratomen ſchlummernde Leben durch die ſchaffende Gewalt des göttlichen Geiſtes geweckt und zu wunderbaren Gebilden geſtaltet wurde. Im Vergleich mit der goldenen Jugendfriſche dieſes Weltfrühlingstages iſt der alljährlich wiederkehrende Lenz nur ein verblaßtes und ſtark verjüngtes Ab⸗ bild ſeines in unvergänglichem Glanze ſtrahlenden Prototyps, aber immerhin geeignet, uns die Allmacht des hehren Weltenſchöpfers ins Gedächtnis zurück⸗ zurufen. Noch ein zweites Weltereignis ſpiegelt ſich in jeder Frühlingsfeier ab. Während die mit unüberſehbaren Waſſermaſſen überſchwemmte Erde, auf welcher die aus den geöffneten Himmelsſchleuſen niederrauſchenden Platzregen ſich wie undurchdring⸗ liche Dunſtſchleier lagern, ohne dem Himmelslichte zu geſtatten, ſeinem leuchtenden Schimmer über die endloſe Waſſerwüſte zu werfen, und alles irdiſche Leben das in der kaſtenartigen Arche keine ſchützende Zuflucht gefunden, vernichtet iſt, ein Bild der troſt⸗ loſen Totenſtarre des Naturlebens im Winter dar⸗ bietet: atmet unſer Herz erleichtert auf, ſobald durch das Zerreißen der Wetterwolken der Himmel wieder helle wird, und der lang entbehrten Sonne Antlitz die Blätter des Oelbaums durch ihre Strahlenwärme
¹) Wollheim da Fonseca, Altindiſche Mythologie p. 2.


