Aufsatz 
Ein altdeutsches Frühlingsfest. Eine kulturgeschichtliche Studie : 2. Teil. Das Sonnenrad
Entstehung
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punire zuſammen, denn ſtrafen iſt gleichreinigen von Schuld. ¹) Weil aber die Feuer der Volks⸗ gebräuche in ihrem Urſprung auf heidniſche Opfer⸗ feuer zurückweiſen, und das Feuerin der chriſt⸗ lichen Vorſtellungsweiſe nur als indifferentes Ele⸗ ment erſcheint, dem der ſegnende oder verderbliche Charakter nur durch die in ihm wirkende Urſache beigelegt wird, ſo hat die chriſtliche Kirche das Feuer aus ihrem Cult und ihrer Symbolik ausge⸗ ſchloſſen und an deſſen Stelle das reinſte Element in der Natur das Licht als Sinnbild des geiſtigen Princips, des göttlichen Geiſtes, geſetzt, worin wohl auch der Grund zu ſuchen iſt, warum die Kirche auf den zweiten Februar, an welchem einſt das kleine Julfeſt begangen wurde, die Lichterweihe, dies luminum, Maria Reinigung verlegte. Die Entfernung alles deſſen, was dem Tode des Natur⸗ lebens als Schmutz, dem Bilde dürftigſter Armut, der Urſache ſo vielfachen Siechtums, anklebt, iſt die notwendige Vorbedingung und das Mittel der Frucht⸗ barkeit für Menſchen und Tiere.Das Alte ſinkt, es ändert ſich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen. Denn neben, oder beſſer nach den Sühnungsfeierlichkeiten iſt dem Monat die Be⸗ ziehung auf die Fruchtbarkeit eigen, welche beſonders durch die bei den Römern gefeierten Feſte spurcalien unſerer Faſtnacht ähnlich und die luper- calien zu tage tritt. Mit den spurcalien²) wird der noch in manchen Gegenden für den Februar übliche Name Sporkel(Sporkel, Spörkel, Spirkel heißt auf dem Weſterwald noch ziemlich allgemein der Februar. Kehrein, Volksſprache in Naſſau. s. v.) in Verbindung gebracht. Späterhin wurde der Monat, unter dieſem Namen perſonificiert, zu einer Göttin, von welcher jedoch nur wenig ſich erhalten hat, immerhin aber iſt es bemerkenswert, daß man derſelben in den Rheinlanden den Namen der Hei⸗ ligen mit dem Rade als Vorname beigelegt hat und ſie nach Simrocks) Spörkels Kathrin nannte, welche

¹) Weigand, Wörterbuch der Deutſchen Synonymen n. 700. ²) Handbuch der Deutſchen Mythologie p. 405. 3) Grimm, deutſche Mythologie p. 749.

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ihre 99 Röcke ſchüttele, das heißt, die Regengüſſe des Februar herabſende.

Nachdem die letzten Spuren der harten Dienſt⸗ barkeit bei der befreiten Erdenjungfrau beſeitigt ſind, nachdem ſie dem Brautbad entſtiegen, ſtrahlend im Glanze der Jugend und jenes holden Liebreizes, welchen Glück und Liebe, zu allen Zeiten magiſche Verſchönerungsmittel, verleihen, ſteht der Vermäh⸗ lung mit dem Frühlingsgotte nichts mehr im Wege. Die Zeit der Vermählung fällt in den Februar. Schon der griechiſche Name des ſiebenten, attiſchen Monats(Ende Januar und Anfang Februar) æανμαπ⁴αιαι deutet durch ſeine Etymologie an, daß in ihm die meiſten Ehen der Griechen geſchloſſen wurden, aber weit mehr noch geht die Bevorzugung dieſer Zeit zur Begehung von des Lebens ſchönſter Feier hervor aus den Nachrichten, welche über das Feſt der Anthesterien auf uns gekommen ſind. An dem Feſte der Antheſterien im Monat Februar wurde die Gemahlin des Archon Baſileus, die wie ihr Gemahl bei feierlichen gottesdienſtlichen Hand⸗ lungen das Land und die Stadt zu vertreten pflegte, dem Dionyſos förmlich vermählt, ohne Zweifel um dadurch die neue Vereinigung des großen Gottes alles vegetativen Segens mit dem Lande und der Stadt, welchen man ſich von dem Frühling verſprach, ſinnbildlich auszudrücken. Zu vergleichen iſt die Hochzeitsfeier des Dionyſos und der Ariadne auf Kreta und Naxos und das römiſche Märchen von der Buhlſchaft des Herkules mit der Flora oder Fauna oder Acca Larentia, auch die jährliche Vermählung des Dogen von Venedig mit dem Meere. ¹) Auf die Brautwahl weiſt auch der am 14. Februar in England und Schottland von den jungen Leuten feſtlich begangene Valentinstag hin. Während einſt durch gezogene Loſe jedem jungen Manne ein Liebchen zugeteilt wurde, zu deren Dienſt er das ganze Jahr verpflichtet war, welche Verpflichtung er der durch des Schickſalsfügung ihm Zugefallenen mit den Worten anzeigte:Ich

¹) Preller, Griechiſche Mythologie I, 528, u. fl. nebſt Anmerkung. 1