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dem Königsſohne des Märchens vom Aſchenputtel, die Möglichkeit gegeben, in die Unterwelt hinabzu⸗ ſteigen und um der Erlöſten Hand zu werben. Denn ſtrenge wurde nach den älteſten Beſtimmungen der Volksrechte die Verletzung des Unterſchiedes der Stände beim Eingehen der Ehe mit einer Uneben⸗ bürtigen geſtraft. Ein Titel¹) des ſaliſchen Geſetzes lautet:„Wenn ein Freier ſich offen mit der Sklavin eines andern vermählt, ſo ſinkt er mit ſeinem Weibe in bleibende Knechtſchaft“, er hat ſich nach Anſicht des Geſetzgebers auf ſolche Weiſe entehrt, daß er nie mehr frei gekauft werden kann. Selbſt der Freie, welcher eine Litin heiratete, mußte 30 Gold⸗ ſchillinge bezahlen, das Wergeld einer erſchlagenen Hörigen. ²)
Noch aber entbehrt die aus der langen Haft Befreite des bräutlichen Schmucks, noch iſt ihr Ge⸗ wand von ſchmutzig grauer Aſchenfarbe nicht würdig der zu ſo hoher Ehre Auserkorenen. Das im heid⸗ niſchen Altertum übliche Brautbad mußte vorher die entſtellenden Flecken des Winterſchmutzes die Un⸗ ſauberkeit, welche ihr von den niedrigen Arbeiten am Herde noch anhaftet, hinwegnehmen. Ihr mangelt noch am Tage der Ablöſung ihrer Mundſchaft der Mahlſchatz; farbenprächtige Kleider ziemen der edlen Dulderin, weil ſie, eine zweite Gudrun, durch keine Erniedrigung die Reinheit ihrer ſchönen Seele be⸗ flecken ließ. Dieſe Reinigung erfolgt im Monat Februar. Die Frühlingsregen nehmen alles hinweg, was der Erde in der rauhen Jahreszeit jenen er⸗ müdend eintönigen, ſchmutzig grauen Farbenton ver⸗ lieh, der keine frohe Stimmung aufkommen ließ. Aus dieſem Grunde führt der Monat auch den Namen Hornung, entweder ſo viel wie Schmutz⸗ Kotmonat, oder aber weil in ihm die Hirſche neues Gehörn aufſetzen. Die Strahlen der Sonne zeigen ſich wieder in dem Vorfrühling, der nach der Trübe der winterlichen Nebeltage keinem Februar fehlt, denn der Hirſch iſt das Symbol der täglich unter
den Berg gehenden Sonne.³) Schon bei den Rö⸗
¹) Titel 25,3. ²) Lex Salica, Tit. 35,6. ³) Sim⸗ rock, Handbuch der Deutſchen Mythologie p. 326 u. 374.
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mern wurde in dieſem Monat am Reinigungs⸗ und Sühnfeſte Februalia die Stadt und die einzelnen Häuſer mit einem Harzfeuer gereinigt, alle Befleckung des alten Jahres, des Winters, mußte, als dem Totenreiche angehörig, beſeitigt werden, bevor die Leben weckende und fördernde Zeit des lichten Gottes mit ſeiner beſeligenden Herrſchaft eintreten konnte. Deshalb feierte man gleichfalls im Februar als Winterabſchluß ein Begraben der unfreundlichen Jahreszeit die Feralien, ¹) denen in deutſchen Volks⸗ gebräuchen das Todaustragen²) entſprach. Nach Varros) heißt februare: pura facere, purgare et lustrare, und noch in den lateiniſchen Urkunden des Mittelalters wird der Februar mensis Plutonis oder purgatorius4) genannt; auch Weibermond, alter Weibermond, Sporkelmaent, Hartmaent(a du- ritia et asperitate frigoris dieſes Monats, nach Haltaus, Calendarium medii aevi, praecipue germanicum) kommen vor. In den deutſchen Volks⸗ gebräuchen ſpiegelt ſich dieſer dem Monat als weſent⸗ licher Charakter anhaftende Reinigungsproceß in den an verſchiedenen Orten während desſelben lo⸗ dernden Feuern wieder, welche bald dem Verbrennen der Winterhexe bald des Winterrieſen gelten. Statt des letztern wurde der Name des Verräters Chriſti bei dem Judasbrennen ſubſtituiert, weil der Volks⸗ mund aus dem nicht mehr verſtandenen iötunn (gleich Winterrieſe) Judas machte. Alle dieſe Feuer wurden am Sonntag quadragesima angezündet, welcher von denſelben den Namen Scheiben⸗ Funken⸗ Schofſonntag dominica brandonum erhalten hat. Feuer iſt das eigentliche Reinigungselement, welches im Schmelztiegel das Gold von dem ihm anklebenden Schlacken befreit und die Welt einſt dadurch vom Böſen reinigte, daß es, vom Himmel fallend, die Rotte Korah, Nadab und Abihu, Sodom, Gomorrha und Babel vertilgte. Darauf deutet ſchon die Wurzel des Wortes v(f) iur, die skr. pu lautet, das nach Potts) reinigen bedeutet, es hängt mit purus und
¹) Ov. fact. 2, 567. ²) Simrock, Handbuch der deutſchen
Mythologie 559. ³) bei Non. 114, 20. ⁴) Leiſt, Urkunden⸗ lehre p. 218. ⁵) Etymologiſche Forſchungen I, 216.


