axan Auge, Achſe, Rad herleitet und ihn als Achſe⸗ oder Radträger erklärt. ¹) Preller ²) bemerkt in be⸗ treff dieſes Mythus:„uUrſprünglich bedeutete dieſer auf das geflügelte Rad geflochtene und im Wirbel durch die Luft getriebene Ixion vielleicht nur das Rad der Sonne, welches von Indien bis Deutſch⸗ land den Sagen und Gebräuchen der Völker be⸗ kannt iſt, in welchem Falle erſt dieſes mißver⸗ ſtandene Bild der Vorzeit zu dem Glauben an Frevel und Buße geführt hat.3) Auch Panofka 4) dachte bei dem Mythus des Ixion an das Sonnenrad. Ein anderes mit dem Rade verwandtes Sonnen⸗ ſymbol iſt der Diskus, ſo daß auch der Mythus des Hyakinthos hierher zu ziehen iſt.„Hyakinthos war der verklärte Liebling des Amykläiſchen Apoll, welcher ihn der Sage nach beim Spiele mit ſeinem Diskos getötet hatte, worauf die Erde aus ſeinem Blute die nach ihm benannte Blume von düſterer Farbe und Bedeutung entſtehen ließ; eins jener ſchwermütigen, früh zum Volksgeſang gewordenen Sinnbilder der vergänglichen Luſt des Jugendreizes und des Frühlings, deſſen Blüten unter den Strahlen der Sonne, auf welche der Diskos deutet, und in der Glut des Hundsoſterns ſchnell dahinſtirbt. 5) Auch der Gott Uranus wurde mit einem Rade in der Hand abgebildet.
Auffällig möchte es erſcheinen, daß, obgleich die Bezeichnung der Sonne als Rad dem Altertum ſo geläufig war, uns kein Bild oder Statue er⸗ halten iſt, welches uns den Sonnengott mit dem Rade als Attribut darſtellt. Vielleicht liegt die Erklärung hierfür darin, daß dieſes Attribut auf die Hypoſtaſen der Sonne einerſeits die Tyche und Fortuna andererſeits auf die Nemeſis übergegangen iſt. Einen Jupiter mit dem Rade dagegen hat uns ein im Regierungsbezirk Trier aufgefundener und im Provincial⸗Muſeum in Trier
¹) cf. Kuhn, Herabkunft p. 69 Anm. ²) Griech. Myth. 1, 13. 3) Siehe die Belege a. a. O. ⁴) Zufluchtsgott⸗ heiten, Abhandlungen der Berl. Academie 1853. 5) Preller, Griech. Myth. 1, 197. cf. auch II, 72 und 314 Schwartz, Poetiſche Naturanſchauung I, 97 und 99.
aufgeſteller Altar bewahrt. ¹1) In den Gräbern von Mykenä ſind von Schliemann zwei kleine Räder gefunden worden, welche wohl wie die in deutſchen Gräbern gefundenen Nüſſe, Armſpangen, Ringe, Schuhe einen Hinweis auf ein zukünftiges Leben enthielten. 2) Nach Servius ³) erlangte Prometheus das Feuer, welches er dem Menſchengeſchlechte auf die Erde brachte, mit Hilfe der Minerva, adhibita facula ad rotam Solis. Des Sonnenrades er⸗ wähnt auch Lucrez, 4) His neque tum solis rota cerni lumine largo Altivolans poterat, und Statius 5) nennt die Sonne Phoebi rota.
Wenden wir nun auch unſern Blick der vater⸗ ländiſchen Litteratur und den Volksgebräuchen zu, um auch bei ihnen nach Anklängen an die gemein⸗ ſame Bezeichnung des leuchtenden Tagesgeſtirns zu ſuchen, wie ſie einſt in den Urſitzen der Menſch⸗ heit üblich war. Nicht zu rechtfertigen wäre es, wollten wir die wildkühnen und erhabenen Lieder, welche bei den uns ſtammverwandten Skandinaviern bis auf den heutigen Tag erhalten ſind, unberück⸗ ſichtigt laſſen. Denn die Lieder, in denen die Alter⸗ mutter— dies iſt die überſetzung des ſinnigen Namens Edda, den man der altnordiſchen Bibel gegeben,— ihren Kindern, Enkeln und Enkelkindern von der Vergangenheit Kunde gibt, fanden, weil in ihrem innerſten Kern echt deutſch, auch in den Herzen unſerer Vorfahren den begeiſtertſten Wieder⸗ hall, wenn ſie von den Sängern angeſtimmt wurden, bis die Statuta Bonifacii und das Capitulare von 789 ſie verboten, um durch Hinwegräumung der heidniſchen Erinnerungen dem vordringenden Chriſtentum ſchnelleren Eingang zu verſchaffen. Der Vergleich mit einem Rade ſtimmt trefflich zu dem ungekünſtelten Naturlaut, dem wir allenthalben be⸗ ſonders in der ältern von Sämund geſammelten Edda begegnen. In derſelben 6) kommt der Aus⸗ druck fragrahvel, das ſchöne lichte Rad für Sonne
1) cf. Dr. Hettner, Weſtdeutſche Monatsſchrift, Bd. III 1884 no 1. p. 27— 30. ²) cf. Was Kuhn, Herabkunft, p. 70 über die Feuerzeugung ſagt. ³) V Eclog. 6, 42. 4) V, 432. ⁵) Silvae I, 17. 6) Sämund 50a.


