hundert vor Chriſtus hinausragen; abgefaßt in der älteſten der indogermaniſchen Sprachen; entſtanden in einem Lande, das dem Urſitze unſeres Geſchlechtes, Baktrien, ſo nahe lag, daß die lebhafteſten Handels⸗ beziehungen zwiſchen beiden Ländern herrſchten: ſo daß wir wohl zu dem Schluſſe berechtigt ſind, daß jene Anſchauungen den Stempel der jungen Tage des Menſchengeſchlechtes an ſich tragen, die als gemeinſame Erinnerung der Urzeit bei der Trennung mitgenommen und pietätvoll bewahrt wurden.
Wir müſſen der Verſuchung widerſtehen, allen Spuren jener bildlichen Darſtellung der Sonne durch ein Rad bei allen Völkern des Orients und Occidents nachzugehen, möge es uns geſtattet ſein, an dieſer Stelle nur hinzuweiſen auf die Abbildung von Sonnengottheiten mit dem Rade auf dem Felſen von Behiſtun und den Denkmälern von Perſepolis, auf den Sonnendiskus der Chaldäer, auf die cel⸗ tiſchen Sonnenräder, bald auf Münzen, bald auf den Helmen galliſcher Krieger als averunkiſche Amulette angebracht, auf die vielen Göttergeſtalten mit dem Rade, welche, aus weißer Thonerde ge⸗ fertigt, in dem Departement de l'Allier jährlich gefunden werden und die Muſeen Frankreichs ſowie die dortigen Privatſammlungen füllen. Die Be⸗ ſprechung dieſer Funde hat ſich Henri Gaidoz!) zum Vorwurf genommen, und wir beſchränken uns daher hier darauf, auf dieſe Schrift zu verweiſen.
Näher dagegen liegen uns die Zeugniſſe aus der klaſſiſchen Litteratur der Griechen und Römer, in welchen dieſer bildliche Ausdruck für die Königin des Tages ſich vorfindet, denn auch bei ihnen, inſonderheit bei den Dichtern dieſer beiden Nationen wird die Sonne ihrer Geſtalt nach dargeſtellt als Rad oder Scheibe. Äſchylus ²) nennt ſie:„Aaεεοε jlov zirlos,“ derſelbe Ausdruck findet ſich bei Sophokles 3) und Euripides.) In den Frag⸗
¹) Le dieu gaulois du soleil et le symbolisme de la roue. Paris, Leroux, 1886. ²) Pers 496. ³) Antigone 416. ⁴) El. 465.
menten des Sophokles ¹) wird die Sonne genannt: -rοεσꝙ νυρκα⁴2ος. Hierbei iſt anzuführen, was Kuhn?) a. a. O. ſagt:„In den Veden heißt die Sonne Auge des Varuna, oder ſie wird wie bei uns als ein Rad aufgefaßt, und zwar heißt ein ſolches cakräâ n.(nom. cakram), in den Veden zuweilen auch m.(nom. cakrâs). Das Wort iſt von Bopps) vermutungsweiſe mit«u*log zuſammengeſtelltworden, wenn er ſagt:„ut videtur, gr. uxlos pro zixoos, attenuato æ in v.“ Ich halte dieſe Vermutung für vollſtändig ſicher, denn das Gegenüberſtehen eines 1 im Griechiſchen und eines r im Sanskrit gehört zu den nicht ſeltenen Erſcheinungen“ u. ſ. w. Als Feuerrad wird die Sonne bezeichnet bei Euri- pides4)*⁴εοαανςααemωsχyν und ähnlich bei Orpheuss) νοεςιινν⁵ε. Siehe auch die Stelle in den Thes⸗ mophoriazuſen des Ariſtophanes. 6) Dieſelbe An⸗ ſchauung von feurigen Rädern die im Blitz einher⸗ gerollt werden, liegt in der Stelle des Heſiod?): 0¹ ακέκmωνοσε rοεεοννιο-1εꝓ dα u‿ν q6ντει. Sophokless) redet von um die Wette laufenden Sonnenrädern:„dAA4, ⸗d„ rοα mQᷣιι 94 1 ποd Sr rooxods dνμμαννννοας llov 164.⁴5„. Bei Euripides?) rollt der Sonnen⸗ gott ſelbſt das Sonnenfeuer wie ein Rad: Q* 6 ⁵α τυοςσι οdOανονι τεμμνννιμιν ⁴νωeνπ u xονυνο 20Aſroοι⁵σισ εμιιειεμας ³ειραρι Hhu Hoœts In- TrO1ιvᷣ stlασσσ σꝓs κάα. Die alte Vorſtellung eines leuchtenden Rades hatte auch Anaximandros, indem er ſagt: xννα dακνισυινακαηειιιχιασmOνσονα rijs yis, douurslou roνoν τν dνννιe ανᷣ mIijciov xovra zoi*. m³*ον νο½. 10) Hierher gehört auch der Mythus von Ixion, auf deſſen Rad Kuhn 1¹¹) als einen Niederſchlag jener Vorſtellung von einem Sonnenrade hingewieſen hat, und der den Namen des Ixion aus der Sanskritwurzel
¹1) Fr. 668. ²) Die Herabkunft des Feuer⸗ und des Göttertranks p. 53. ³) gloss. sanscr. 1. v. 4) Phoen. 3. ⁵) hym 7, 11. ⁶) Thesm. 17.*) Theog. v. 690. ³) An- tigone v. 1019. ¹⁹) Phoeniss. init. ¹⁰) cf. Schwartz. Poetiſche Naturanſchauung 1,90. 11) Zeitſchrift für ver⸗ gleichende Sprachforſchung. I. 535.


