mit ähnlichen Feiern in Widerſpruch ſtehenden Züge und führte als ſolche das Setzen der Eiche, das Anfügen des Rades und das(nach Dr. Linde's Darſtellung gleichzeitige) Herabrollen beider ins Thal an. Hätte dem Verfaſſer jener Abhandlung der urſprüngliche Bericht der„trieriſchen Kronik“ vorgelegen, ſo wäre er nicht in der Lage geweſen, die angeführten Unklarheiten zu ver⸗ zeichnen, da die in derſelben enthaltene Erzählung des Hergangs der Feier, wie aus unſerer Mit⸗ theilung hervorgeht, dieſe Züge nicht kennt
Wir ſtimmen mit Herrn Kluge darin überein, daß der Johannisfeier ein Sühnopfer zu Grunde lag, fügen aber hinzu, daß man damit bezweckte, den mächtigen Gott der Lichtwelt ſich geneigt zu machen, ſeinen wirkſamen Schutz gegen die feindlichen Gewalten zu gewähren, deren Herrſchaft mit jenem Tage beginnt und die ſich anſchicken ihre ſchädlichen Einwirkungen auszu— üben. Der Verfaſſer des Aufſatzes iſt wohl deßhalb nicht hierauf gekommen, weil er auffallender Weiſe faſt gar keine Rückſicht auf die Zeit genommen hat, in welche jenes Feſt fiel, und ſo ſich der vielen Beweismittel begab, welche Sage, Märchen und Volksüberlieferung uns über dieſen Tag an die Hand geben. Daher erklärt ſich ſeine Bemerkung(S. 41)„es ſei nicht abzuſehen, wie der Blitz auch in den Beſitz der Heilkräfte und der Unglück abwehrenden Kraft komme.“ Vielleicht werden die folgenden Erwägungen hierüber einiges Licht verbreiten.
Die altheidniſche Naturanſchauung unſerer Vorfahren unterſchied zwei ſich feindlich gegen⸗ überſtehende, im Laufe eines Jahres abwechſelnd je einmal zur Herrſchaft gelangende Welten, die freundliche Lichtwelt und die finſtere Welt des Winters. Unmittelbar nach dem tiefſten Stande der Sonne, mitten in der Nacht der Winterſonnenwende,„der Mutternacht des Jahres“, wird die freundliche Lichtwelt geboren, wenn es auch noch wiederholter Kämpfe bedarf, bis ſie ihre Herrſchaft unangefochten auszuüben vermag. Sie ſinkt dahin und ſtirbt, wenn die Sonne ihren höchſten Stand in der Sommerſonnenwende erreicht hat. Dann beginnt die Herrſchaft des Ver⸗ derbens, und die freundliche, gütige Erdenmutter verwandelt ſich in die Kornmuhme, die ſchwarze Todesgöttin. Ein ewiger Kampf herrſcht zwiſchen Licht und Finſteruiß, Leben und Tod, zwiſchen dem Repräſentanten der holden Lichtwelt, dem Gotte Donar oder Thor mit ſeiner wuchtigen Waffe dem Miölnir d. i. Zermalmer und den Rieſen, Unholden, Hexen und Schrätlein. Am heftigſten entbrennt er an den beiden Sonnenwenden. Der Schätze hütende Drache oder die Schlange, das Symbol des Winters, deren Urbild der Drache Nidhöggr am Fuße der Welteſche Vggdrasil iſt, ſucht jedesmal die Wiederbelebung der erſtarrten Natur zu verhindern, damit der Fimbulwinter, die große Götterdämmerung, eintrete. Nur nach heißen Kämpfen mit dem Adler, dem Vogel des Blitzgottes,— der Adler iſt wieder nichts anderes als der Blitz— läßt der Drache ſich die Oeffnung der Erde abtrotzen und gibt ſeine Schäbe, die das Erdinnere lwährend des Winters⸗ birgt, frei. Nach einer andern Anſchauung kämpfen Reifrieſen, Froſt⸗ und Sturmrieſen mit dem Frühlingsgotte, deſſen zauberkräftige Waſfe den Sieg davon trägt und die gefangene Erdgöttin befreit. Jedoch nicht ſofort erlangt der Gott den Sieg, vorerſt wird die Wirkung ſeiner Waffe abgeleukt, wenn auch nicht aufgehoben; noch einmal triumphiren die Winterrieſen, und in Folge deſſen leidet die hervorgekeimte Saat durch Nachtfröſte. Oervandil, der Fruchtkeim, wird, wie der Mythus dieſen Vorgang ausdrückt, geblendet, die Jungfrauen, welche den aufſproßenden Pflanzenwuchs ſinnbilden, werden der Hände beraubt, überhaupt verſtümmelt. Das iſt die Reiſe


