Aufsatz 
Ein altdeutsches Frühlingsfest. Eine kulturgeschichtliche Studie : 1. Teil
Entstehung
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man das Herniederfahren des von der Hand des Gottes geſchleuderten Blitzſtrahles zur Erde durch das Fällen und Hinabſtürzen des höchſten Baumes, der zuweilen in Brand geſteckt wurde, nachahmte.

Da uns diesmal für die Abhandlung nur ein ſehr kuapper Raum zugemeſſen iſt, ſo müſſen wir für ein ſpäteres Programm den Nachweis aufſparen, daß das Herabrollen des Rades mit dem beſprochenen Sturz des Baumes und dem dreimaligen Umreiten des im Blumen⸗ und Bänderſchmuck prangenden Brunnens in Verbindung ſteht, jeder der drei Haupttheile der Feier⸗

lichkeit aber dem Zuſchauer eine andere Phaſe des neuverjüngten Naturlebens im Bilde vorführt.

Der Gott, welchen man durch dieſe das Opfer begleitende Darſtellung ſeiner im Spiegel der Sym⸗ bolik reflectirten Machtentfaltung zu verehren pflegte, war Phol, der bis auf wenige Spuren längſt verklungene Name eines Urgottes, deſſen einſt als formloſe Naturkraft aufgefaßtes Weſen in der Folgezeit ſich durch Perſonificirung ſeiner Eigenſchaften zerdehnte und einer concreteren Götterreihe Namen und Leben verlieh. Wenn weder Wolf noch Kuhn dem letzten Theile der Begebenheit irgendwelche hier in Betracht kommende Bedeutung beilegen zu müſſen glauben, ſo läßt ſich für dieſe befremdliche Erſcheinung vielleicht Folgendes als Urſache anführen. Weil nämlich die Er⸗ läuterungen, welche Dr. Linde ſeinem höchſt ungenauen Feſtberichte folgen läßt, als Grundlage für die Beurtheilung des Herkommens dienten, in dieſen aber ein Eingehen auf den unweſentlich ſcheinenden Schluß des Feſtes nicht einmal verſucht wurde, ſo mußte derſelbe um ſo mehr einem nicht an Ort und Stelle lebenden oder in Trier unbekannten Forſcher der Beachtung unwerth erſcheinen. Sodann konnte nur ein Einheimiſcher oder vollſtändig localkundiger Fremder wiſſen, daß der auf der Weberbachſtraße befindliche Kronenpfütz dem ehemaligen Zunfthauſe der Wollen⸗ weber gegenüber lag und, wie der Name des Brunnens beſagt, mit dem auf demſelben befindlichen Relief in engem Zuſammenhang ſtand.

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Nachſchrift.

Lebhaft bedanerten wir, daß erſt während des Druckes dieſer Arbeit uns die ebenſo fleißige als verdienſtliche Abhandlung von Herman Kluge:Die urſprüngliche Bedeutung und Geſtalt der Johannisfeſte und der damit verwandten Feiern. Programm des Gymnaſiums zu Mühlhauſen i. Thür. 187273 zukam. H. Kluge folgte bei der Erwähnung der trieriſchen Faſtnachtsfeier ebenfalls dem Berichte des Dr. Linde in dem Anhange zu Hockers: Geſchichten, Sagen und Legenden des Moſellandes. Die mangelhafte, den Originalbericht in weſentlichen Punkten ändernde Copie, welche Dr. Linde zur Stütze ſeiner vorgefaßten Meinung verfertigte, ſchuf Unklarheiten, die eine vollſtändige Ausbeute und Verwerthung des trieriſchen Brauches un⸗ möglich machten. Mit richtigem Takte erkannte H. Kluge aus dem Machwerke des Dr. Linde die