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länder auf einem Wagen carroccio*) eine große Fahne mit ſich; der Bannerherr, dem ſie anver⸗ traut war, hieß gonfalonieri. Die Silbe gon hängt mit gund Krieg zuſammen.
Der Baum iſt das Symbol des Donnergottes, der als Merkurſtab, Hammer, Blitz, Wünſchelruthe, Miſtel erſcheint. Bei den übrigen Frühlingsfeiern, bei welchen der Baum eine Rolle ſpielt, wird häufig erwähnt, daß man ihn bis an die Spitze abäſtete, ſodann anzündete und von der Höhe herabwarf. In Trier ward der Baum nicht angezündet, ſondern einfach von der Bergkuppe herabgeſtürzt; an andern Orten ſcheint ſchon das Fällen des höchſten Baumes als ge⸗ nügend angeſehen worden zu ſein, um den aus der Wolke zur Erde niederfahrenden Blitz zu verſinnbildlichen. Daß Wolken und Berge bei Indern und Germanen in der Mythologie iden⸗ tiſche Begriffe ſind, hat Kuhn, Mannh. Zeitſchrift für Mythol. III. 368 S. nachgewieſen. Die Memoiren der celtiſchen Academie III. 209 klären uns darüber auf, warum man den höchſten Baum ausſuchte, indem ſie an der angeführten Stelle folgendes mittheilen:„... aujourd'huy méme dans nos forêts les boisiers appellent le plus beau chène l'arbre de dieu.“ Die Götter der Germanen werden als Pfähle oder Balken dargeſtellt, die nach Erlangung größerer Kunſtfertigkeit ſich in Hermen verwandeln, wie die gefundenen Thorbilder beweiſen. Vergl. die Abbildungen zu Mone, Geſchichte des Heidenthums im nördlichen Europa. Intereſſant iſt es, daß der hl. Petrus, der chriſtianiſirte Donar, der Patron der trieriſchen Kathedrale iſt und auf dem trieriſchen Wappen in goldener Figur prangt, während der Grund roth iſt, wogegen das Wappen des Churfürſtenthums ein rothes Kreuz, den rothen Hammer Donars, im weißen Felde zeigt. Weiß und roth ſind uralte Farben; weiß hat mehr einen milden, weiblichen Ton, während das. energiſchere, kräftigere Roth dem männlichen Charakter eignet und hier auf Donar mit dem rothen Barte deutet. Zum Beweiſe des Geſagten möge hier aus Weinhold's Altnordiſchem Leben 207 S. folgende Stelle Platz finden:„Wie Entdeckungen in deutſchem Boden lehrten, liebte man nament⸗ lich roth und weiß; und dieſer Anſtrich iſt auch für den Norden durch eine Stelle in Brynhilds Todtenfahrt 9 bezeugt. Weiße Schilde führten die kymbriſchen Reiter, auch werden ſie in nordiſchen Liedern und Geſchichten nicht ſelten erwähnt. Der weiße Schild hat übrigens im Beſonderen die Bedeutung eines Friedensſchildes; den weißen Schild im Kampf erheben, hieß um Waffenruhe bitten. Dagegen iſt der rothe Schild das Anzeichen des Krieges. Deßhalb war roth auch über⸗ wiegend die Farbe der Schilde in den kriegsluſtigen Zeiten des Nordens, und als die Wappen aufkamen, iſt roth gewöhnlich die Tinctur des Schildes, gold aber die Farbe der Figur.“
Faſſen wir das Geſagte, als Ergebniß des erſten Theiles unſerer Beſprechung der Feier⸗ lichkeit zuſammen, ſo ergibt ſich, daß auf dem Lande am Donnerſtage vor Faſtnacht, der ſogenannten Weiberfaſtnacht, in den Städten meiſtens acht Tage ſpäter von der Wollenweber⸗ und Metzger⸗ zunft, als Prieſtercollegien des Donnergottes und der Erdgöttin, Opfer zur Erflehung eines frucht⸗ baren Jahres beſonders einer reichen Weinernte dargebracht wurden, die in Thieropfern und Hülſenfrüchten beſtanden und mit Tänzen und reichlichen Opfermahlzeiten verbunden waren. Da⸗ bei ſtellte man das, was nach der Anſicht der Alten Fruchtbarkeit bewirkte, ſinnbildlich dar, indem
*) Ein ſolcher ecarroceio, ſilberner Fahnenwagen, erſcheint auch an der Tafel der Gralsritter und bietet jedem Gaſte dar, wonach dieſer die Hand ausſtrecken will. Rochholz, 2 Bd. 74. S.


