ſich einander, wie heut in Italien mit confetti, mit einem rothen Pulver, welches Phalgus hieß, und die Bekannten pflegten ſich gegenſeitig zu necken und mit allerlei harmloſen Späßen zu foppen.“ Vrgl. Wollheim da Fonſeca. a. a. O. Tänze aber, beſonders Reigentänze ſind den Frühlings⸗ gebräuchen ebenſo charakteriſtiſch, wie pantomimiſche und dramatiſche Tänze ein weſentlicher Be⸗ ſtandtheil der Brautwerbung, Verlobung, Heirath, überhaupt der Phaſen des Liebeslebens waren. In dem Alterthume wie noch heute bei uncultivirten Völkern hat der Tanz eine religiöſe Bedeu⸗ tung, indem er theils zur Verherrlichung des Gottes, theils zur Sühne begangener Frevel diente. Der den Frühlingsreigen zu Grunde liegende Tanz iſt der indiſche Tandawa, der in einem raſen⸗ den Wirbeln und Umdrehen zu Ehren des Gottes Siwa beſtand. Durch ihn, der nichts anders iſt als der Tanz des pramantha, hat Siwa die Welt erſchaffen.
Man könnte uns einwenden, daß die Heranziehung und Verbindung des Namens Weiber⸗ faſtnacht zu dem in Rede ſtehenden Brauche nicht zutreffend ſei, da in der Erzählung des ganzen Vorganges von Frauen nirgends die Rede iſt. Es findet dieſes jedoch ſeine Erklärung darin, daß die Weber die Frauen in dem Prieſteramte der Erdgöttin ſeit jener Zeit ablöſten, als ſie die Beſchäftigung des Webens und der Tuchfabrikation übernahmen, wodurch auch in die Augen ſpringt, warum dieſe Gewerbtreibenden im Mittelalter trotz ihres Reichthums beim Volke ver⸗ haßt waren. Es widerſtrebte nämlich dem Gefühle des Volkes für Manneswürde, daß dieſelben einer Beſchäftigung ſich widmeten, die den Frauen eigenthümlich zukam. Dies hat ſich bis auf den heutigen Tag in den unter dem Volke umgehenden Bemerkungen ſowie in den in Volksliedern nieder⸗ gelegten Anſichten über die Schneider⸗ und Leinweberzunft erhalten. Schon im Alterthum nehmen die Walker, fullones, an dem Hauptfeſte der Minerva den quinquatrus Theil, weil ſie als Ur⸗ heberin der künſtlichen Wollarbeit galt. Aus Rodulfi Chronicon St. Trudonis erfahren wir, daß ein Bauer bei Inden(Cornelimünſter) um 1153 ein Schiff baute und mit Rädern verſah,*) vor welches die Weber gegen ihren Willen geſpannt wurden,„obgleich“, wie Simrock M. S. 400 bemerkt„ſie doch eigentlich für die Prieſter der Göttin(Iſis) gelten ſollten, weshalb ſie ein Pfand von Allen zu nehmen berechtigt waren. Dieſe Prieſterſchaft erſcheint ſchon bei der römiſchen, ja bei der ägyptiſchen Iſis....“ Die Metzger ſind die Opferprieſter des Gottes Donar, wie die oben erwähnten Feſte derſelben beweiſen. Den Mittelpunkt derſelben bildet entweder das Schwingen einer großen Fahne, die das Bild eines rothen Ochſen in weißem Felde führt, oder das Herum⸗ führen eines fetten Ochſen unter Vorantragung desſelben Banners in der Stadt, wie es bis auf unſere Zeit noch alljährlich in Paris am mardi gras geſchieht. Die Fahne iſt nichts anderes als das am Baume aufgehängte Vlies, die vom Blitzſtrahl durchbohrte Gewitterwolke, wovon alles Gedeihen in der Natur bedingt iſt. An die Stelle des Rades iſt das Vlies getreten; das himmliſche Vorbild übernahm die Rolle der irdiſchen Nachahmung; der Vorgang bleibt in ſeinem tieferen Grunde derſelbe, es iſt die Erzeugung der heiligen Flamme, die Gedeihen und Frucht⸗ barkeit bewirkt. Das iſt nach unſerer Anſicht die Bedeutung und Herkunft der Fahnen. Im Kampfe der lombardiſchen Städte gegen die Macht der hohenſtaufiſchen Kaiſer führten die Mai⸗
*)„Von dieſem Schiffswagen ſcheint unſer car-naval entſprungen“ Simrock, M. 400 S.


