Aufsatz 
Ein altdeutsches Frühlingsfest. Eine kulturgeschichtliche Studie : 1. Teil
Entstehung
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er der fette, in Oeſterreich der feiſte, in Schwaben der ſchmotzige(von Schmotz gleich Fett), wo⸗ bei man ſich erinnere, daß in Indien Butter das älteſte, ſpäter das der Gottheit angenehmſte Opfer war, weil nach altindiſcher Anſchauung durch Umquirlung des Milchmeeres der Unſterblichkeitstrank amrita eutſtanden iſt, und die Segens⸗ und Schönheitsgöttin Eri den Wellen entſtieg.*) Nicht minder Aufſchluß gebend als die auf ein Opfer deutenden Namen ſind die Benennungen der gumpige in Schwaben(von gumpen, ſpringen, hüpfen), der gumpete, der unſinnige(in England fool) Pfinztag in Baiern, Weiberfaſtnacht am Rhein, die gleich Faſtnacht(von vasen, raſen, ſchwärmen, hüpfen) auf Tänze hinweiſen. Scheinbar finden dieſe Bezeichnungen keine Anwendung auf den erſten Theil des trieriſ en Gebrauches, weil dieKronik nichts davon meldet. Gleich⸗ wohl iſt es ſehr wahrſcheinlich, daß Tänze ſtattgefunden haben, denst die Berichte, welche über das Vorkommen desſelben Vorgangs oder ähnlicher Aufſchluß geben, treten hier ergänzend ein, beſonders aus jenen Gegenden, die vom Weltverkehre abliegen, und wo darum das Volk, auf ſich beſchränkt, unbeirrt in gewohnter Weiſe fortlebt und das Althergebrachte zäher und reiner bewahrt hat. Am wichtigſten ſind die Nachrichten aus nächſter Nähe, weil angenommen werden muß, daß die Gewohnheiten eines und desſelben Volksſtammes in weſentlichen Punkten identiſch ſind. Daher ſind wir berechtigt, die bei jenen üblichen Ceremonien, ſofern ſie nicht als unweſentliche und darum ſpätere Zuthaten ſich erweiſen, als zur urſprünglichen Form unſeres Brauches gehörende zu recla⸗ miren. Wird uns doch auch in dem Grunde, warum die Feierlichkeit in Trier ſchon im achtzehn⸗ ten Jahrhundert nur mehr nach Ablauf größerer Zeiträume vor ſich ging und zuletzt gänzlich unterblieb, zugleich die Urſache angegeben, weßhalb uns dic letzte Begehung derſelben gegen die anderer Feſte dieſer Art dürftig und unvollſtändig erſcheint. Es warenKriegs⸗ und andere Unruhen, wie die Kronik meldet, welche dem Moſelthale ſtark zuſetzten, während die kalten, un⸗ fruchtbaren Hochflächen der Eifel weniger zu leiden hatten. In der Eifel aber finden wir noch Tänze, Mahlzeiten und Geſänge mit der Feier verbunden, ſo in Daun, vergl. Schmitz 14 S. Im benachbarten Holland wurde der Tag mitgejuich en gejubel, rijendansen gefeiert. Vrgl. Wolf, Beitr. 75 S. u. f. Sebaſtian Frank ſagt in ſeinem Weltbuche an der Stelle, wo er vom Radſcheiben ſpricht:... haben darauf, ſo ſie vor Kelte mögen bleiben, den ganzen Tag einen guten Mut, mit vilerlei Kurzweil, Singen, Springen, Danzen, Geradigkeit und anderer Abenteuer. Siehe Grimm, Mythol. 594 S. In dieſen Worten Sebaſtian Franks haben wir einen Hinweis, weßhalb die Tänze im Freien ſich nach und nach verloren und durch die Masken⸗ bälle erſetzt wurden, welche auf fetten Donnerſtag die eigentliche Faſtnacht eröffneten. Tänze ſpielen ferner eine Hauptrolle bei den Feſten, welche die Metzgerzunft zur Faſtnachtszeit in Eger, Salzburg, Nürnberg, München begeht. Auch die Schäffler führen alle ſieben Jahre in München auf öffentlichem Markte einen ganz beſtimmten, eigenthümlichen Tanz auf. Bei dem indiſchen Frühlingsfeſte, Holi oder Holâkä genannt**), dem ſchönſten und heiterſten, traten öffentliche Tänzerinnen auf, die von den Portugieſen Bajaderen genannt wurden.Bei dieſer Gelegenheit bewarf man

*) Brgl. Kuhn 12, 25, 111, 161, 204 S. Wollheim da Fonſeca, Altindiſche Mythologie 25 S.

*n) Vrgl. Wollheim da Fonſeca. Altind. Mythol. 198 S. Unſerer Anſicht nach dürfte von der Bezeich⸗ nung des Feſtes Holi der bisher nicht zu erklärende Namen,(vergl. Kehrein, Volksſitte in Naſſau 145 S.) des Faſtnachtsfeuers am Rhein Hälefeuer abzuleiten ſein, ſowie der in Tirol übliche Name Holerpfannfeuer.