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Donnerſtag als feſtgeſetzter Schlachttag. Außerdem war er Gerichtstag, Hochzeitstag, Markt⸗ und Kirchweihtag, Geſellſchafts⸗ und Schulferientag. Die Beziehung des Donnerſtags auf Donar iſt auch der Grund des dies academicus. Siehe die Belege bei Rochholz: Deutſcher Glaube und Brauch, 2ter Bd. 28, 44, 47, 61 und 63 S.
Sind der Beziehungen des Donnerſtags auf Donar ſchon viele, ſo iſt dies in noch viel höherem Grade mit dem Donnerſtage der Fall, an welchem der Gebrauch zum weitaus größeren Theile vor ſich ging, dem fetten Donnerſtage, der Weiberfaſtnacht. Daß an jenem Tage dem Frühlings⸗Götterpaare Thieropfer, Rinder und Schweine, und Hülſenfrüͤchte, vorzugsweiſe Erbſen⸗ brei, weil die Erbſe die älteſte Culturpflanze in Deutſchland iſt, dargebracht wurden, iſt eine unter Mythologen viel verbreitete, durch mancherlei Beobachtungen geſtützte, ſehr wahrſcheinliche Annahme. Sind doch jene Gerichte ſelbſt nach der Bekehrung zum Chriſtenthum lange Zeit in ganz Deutſch⸗ land der feſtſtehende Inhalt des Speiſezettels der Weiberfaſtnacht geweſen; erinnern doch die großen„Seefahrtsmahlzeiten“ der Schiffergilde in Bremen und der Stahlbrüder in der alten Hanſeſtadt Riga an Opfermahlzeiten, und die jüngſt verheiratheten Frauen, welche zum erſten Male an dem Weibertrunke in der Eifel theilnahmen, mußten einen Einſtand bezahlen, um die Aufnahme in die ehemalige Opfergemeinſchaft zu erlangen. Auch mancherlei Backwerk von ganz beftimmter, unabänderlicher Form wird in dem größten Theile unſeres Vaterlandes am fetten Donnerſtag aufgetragen, dem ebenſo wie den Martinshörnern, der Pferdegeſtalt des oſtfrieſiſchen nüjarskaukjes, den donnerkeilförmigen Kröppeln, die auf Donar ſich beziehen, den Kuchen, die in Thiergeſtalt in den Zwölften gebacken werden,— simulacra de conspersa farina nennt ſie das erſte deutſche Nationalcouncil— alte Opfermahlzeiten zu Grunde liegen. Vrgl. Simrock Mythol. 553. S. Die Benennung des nur um dieſe Zeit in Trier üblichen Backwerks iſt Faſtenbretzeln.†*) Die bohnen⸗ oder nierenförmige Geſtalt dieſer Faſtenbretzel ſcheint nicht zufällig zu ſein, ſondern in enger Beziehung zu dem Feſte zu ſtehen, welches das Erwachen der Natur verſinnbildlicht. Denn wenn wir auch davon abſehen wollen, daß den alten Aegyptern und Puthagoräern der Genuß der Bohnen(welche in Aegypten ful heißen, Ausland 702 S. 1871) verboten war, ſo muß hier doch bedeutend ins Gewicht fallen, daß dieſe Bretzelform,— ganz genau mit dem Backwerk übereinſtimmend,— auf Abbildungen des mexicaniſchen Lebensbaumes Tonacaquahuitl,(d. i. Baum von unſerm Fleiſche) ſchon vorkommt, wie ſie in Centralamerika häufig gefunden werden. Dadurch gewinnt es den Anſchein, als ob nach der Anſicht der Alten die Nieren ein bei der generatio thätiges Organ ſeien.**) Eben ſo liegt in den charakteriſtiſchen Namen, welche der Volksmund dem Donnerſtage vor Faſtnacht in den verſchiedenen Gegenden Deutſchlands gibt, ein deutlicher Hinweis auf eine einſtmalige Opferfeier, die mit einem Mahle verbunden war. Da es heute noch in der bairiſchen Rheinpfalz heißt, auf fetten Donnerſtag müſſe man neun Teller Suppe eſſen, ſo mußte man, wie es ſcheint, bei dem ehemaligen Opferſchmauſe ein Uebriges thun. So erklären ſich auch die Namen, welche noch für dieſen Tag gang und gäbe ſind. Am Rhein und in Belgien heißt
*) Bretzel aus dem mittel lat. bracellus von brachium Arm, wegen der„verſchlungenen Armen ähn⸗ lichen Form dieſes Weizengebäcks.“ Weigand, Worterbuch der deutſchen Synonymen. 2232 n.
**) Vrgl. die Abbildung bei Stephans, Reiſeerlebniſſe in Centralamerika, deutſch von Höpfner. Denkm. zu Palengne Cafa Nr. 2. Brgl. Squier, Nicaragua. S. 493 d. Ueberſ.


