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Feier war, während in andern der Zeitpunkt vorzugsweiſe ins Auge gefaßt wurde, wann die ganze Natur im ſchönſten Blüthenflor prangte, der Lenz in ſeiner Vollendung daſtand, ſobald der ſiegreiche König Grünewald mit ſeinem Gefolge eingezogen war, und die große Hochzeitsfeier der Natur ſtattfand.
Die ganz gleiche Feier— abgeſehen von dem Pflanzen und Herabwerfen des Baumes ſo wie dem Vorgange beim Brunnen— am St. Johannistage, dem Ende des Lenzes, an welchem die Frühlingsſonne ſtirbt, ſtellen wir nicht auf gleiche Stufe mit dem Radſcheiben beim Beginne desſelben, ſondern ſind der Anſicht, daß die dieſem Brauche zu Grunde liegende Anſchauung eine Abwehr des fascinum, ein Sühnopfer zur Bewahrung vor Hexen und Unholden, vor Giftkräutern ſei, die nach der Volksanſicht alle in der Johannisnacht emporſprießen, ein Schutzmittel gegen die der Lichtwelt feindlichen Schrätleiu, welche die Menſchen⸗, Thier⸗ und Pflanzenwelt heimſuchen und zu zerſtören trachten. Die vollſtändige Erklärung dieſer Volksſitte wird auch die Johannisfeier in das rechte Licht ſetzen.
Chriſtlichem Einfluß verdanken wir indirekt die Erhaltung des Brauches, denn er unter⸗ legte ihm dadurch einen chriſtlichen Sinn, daß er das Herabrollen des Rades als den Sturz eines heidniſchen Götzen erklärte, und es an verwandte kirchliche Feſte anlehnte, Oſtern oder Pfingſten, oder es wegen der lärmenden Feierlichkeit vor den Beginn der Faſtenzeit verlegte. Daß unſer Brauch nicht den Sturz des Donnergottes bedeutet, und dies auch nicht die urſprüngliche Idee war, beweiſt der Umſtand, daß ſchon in einem vediſchen Liede das vom Berge rollende Rad vorkommt, der Baum aber hier das Holz iſt, womit in der Nabe des Rades ſo lange gedreht wurde, bis heiliges Feuer herausſprang. Das Holz hieß pramantha, welches Wort neben pramaàtha Raub auf die Bildung des Wortes Prometheus mit eingewirkt hat. Auch Pott weiſt einen Zeus Promantheus bei den Thuriern aus Lycophr. 537 S. nach. Vrgl. Kuhn 17 S. Das hier in Betracht kommende vediſche Lied lautet nach Kuhn(56 S.)„Mit dir vereint, Indu, riß Indra ſogleich mit Kraft das Rad der Sonne nieder, das über dem gewaltigen Gipcpfel ſtand, vor dem großen Schädiger ward das alles Leben Schaffende verborgeu.“
Läßt ſich auch vorderhand kein beſtimmter Jahrestag als Datum für die Ceremonie feſt⸗ ſetzen, ſo iſt der Wochentag„dagegen deſto treuer bewahrt, und die Nachrichten melden mit ſehr geringen Ausnahmen übereinſtimmend, daß der in Betracht kommende Tag der Donnerſtag iſt. Er war dem Donar, dem Gotte der Liebe, der Ehe, des Herdfeuers, des befruchtenden Gewitter⸗ regens, des Blitzſtrahls und der Todten geweiht. Von allen germaniſchen Gottheiten war er der beliebteſte, und die vielen Sitten und Gewohnheiten, die heute noch an dem ihm geweihten Tage im Schwange ſind, bezeugen es klar, daß das Volksbewußtſein ſeinen Lieblingsgott lange nicht vergeſſen konnte, und darum auch heute noch, wenn auch durchgängig unbewußt, manches vornimmt, was ſich auf ihn bezieht. Unter Donars, des Herden⸗ und Feldgottes, Schutz gedeiht Fleiſch und Korn, darum wird Donnerſtags Schweinefleiſch und ſtatt des trockenen Brodes das Erbſenzuge⸗ müſe aufgetiſcht, wie es eine handſchriftliche Chronik von Rheinfeld ausſagt. Als dort nämlich durch eine neue Spitalordnung der Wochentiſch geregelt wurde, ſetzte man für Donnerſtag als Imbiß feſt: Suppe, Fleiſch, Rüben und Kraut, Nachts Habermuß und Braten. Dieſelbe Koſt herrſcht heute noch beim Landvolk in der Schweiz. Für die Ulmer Metzger galt noch 1772 der


