. heidniſchen Natnranſchauung und ihre ſcheinbaren Abweichungen unweſentlich ſind. Alle angeführten Stellen erwähnen das Ausſuchen des ſchönſten Baumes theils durch junge Leute, theils— und das iſt am häufigſten der Fall und ſcheint, wie der noch im Volksmund lebende Name des Tages beweiſt, das Urſprüngliche geweſen zu ſein,— von Weibern. Der Donnerstag nämlich, an welchem meiſtentheils dieſer Brauch vor ſich ging, heißt neben„fetter Donnerstag“ auch„Weiberfaſtnacht.“ Auffallender Weiſe variirt das Datum dieſer Feier in Trier um acht Tage mit dem, an welchem der Brauch ſowohl in nächſter Nähe der Eifel als auch in den übrigen Gegenden Deutſchlands gefeiert wurde; zudem ergibt ſich; daß der Theil der Handlung, den wir den erſten nannten, auf fetten Donnerſtag fällt und außer in Trier in gar keiner Beziehung ſtand zu dem am erſten Sonntage in den Faſten ſtattfindenden Herabrollen des Rades. Daß er aber damit verbunden geweſen iſt, wird der zweite Theil dieſer Arbeit beweiſen. Der Termin für das Herabrollen des Rades iſt am Rhein und in Franken überall derſelbe, der ſogenannte„Funken-, Todten⸗-, Schof⸗ ſonntag“, der Sonntag Quadrageſimä; denn daß ein Rad auch noch an andern Tagen des Jahres von den Bergen gerollt wurde, ändert an der Thatſache nichts und kann hier nicht in Betracht kommen, weil das Rad allen feierlichen Gelegenheiten, bei welchen Opferflammen zum Himmel aufloderten, charakteriſtiſch iſt, gewiſſermaßen der Ausgangspunkt des ganzen Opfers, die Gewin⸗ nung der noch unentweihten Flamme, die allein zu Culthandlungen dienlich war. In ſeiner tiefern Bedeutung eignet das Rad freilich vorzugsweiſe dem Frühlingsfeſte. Der Sonntag Quadra⸗ geſimä gehört aber im Erzbisthum Mailand noch zum Carneval, und es iſt wahrſcheinlich, daß derſelbe vordem überall bis zu dieſem Sonntage ausgedehnt wurde. Vrgl. Cantu: Allgemeine Geſchichte des Mittelalters 2 Bd. 722 S. Die Abhaltung jener Frühlingsfeſte aber, ſoweit ſie noch lebendig im Volksandenken fortleben und deßhalb nach Ablauf beſtimmter Zeiträume auch in unſerer Zeit noch hier und da begangen werden, fällt auf keinen beſtimmten, unverrückbaren Termin, ſondern wechſelt in den verſchiedenen Fändern und muß gemäß der klimatiſchen Unter⸗ ſchiede wechſeln, wenn anders der durch ſie ausgedrückte Gedanke wahr und überzeugend hervor⸗ treten ſoll. Simrock ſagt in dieſer Beziehung(Mythologie 554 S.)„Kein feſtes Datum hat auch das Vorrecht der Frauen, an einem gewiſſen Tage einen Baum im Gemeindewald zu hauen und das dafür erlöſte Geld gemeinſchaftlich zu vertrinken. In der ganzen Eifel geſchah dies zur Weiberfaſtnacht, bekanntlich haben an dieſem Tage die Frauen das Regiment. In Weilheim bei Tübingen hatte der Weibertrunk, der von dem verkauften Baume beſtritten ward, alle Jahre im Frühling um die Zeit ſtatt, wo man die Eichen fällt und abhaut, Meier 379. In Dornhau in Schwaben durfte jede Frau am Aſchermittwoch einen Schoppen Wein trinken, den die Gemeinde bezahlen mußte. Es hieß, an dieſem Tage ſeien die Weiber Meiſter. Das kommt aber daher, in uralten Zeiten ſoll einmal eine Gräfin durch Dornhan gefahren ſein, und weil ſich da die Weiber an ihren Wagen ſpannten und ihn zogen, ſo hat ſie zu Gunſten der Weiber dieſe An⸗ ordnung getroffen und der Gemeinde die Verpflichtung anferlegt. Meier 377... Im Uebrigen vergleicht ſich die Seite 407 gemeinte Sage bei Sommer 149, wo eine Königin Eliſabeth oder eine Gräfin von Mansfeld ein ähnliches Feſt auf Himmelfahrtstag geſtiftet haben ſoll. Nach Memminger(Wolf. B. 190. Meier 424) war es eine Gräfin Anna von Helfenſtein, welche es anordnete, daß jährlich am Johannistage ein Eimer Wein unter die Jugend vertheilt wurde.
Aufsatz
Ein altdeutsches Frühlingsfest. Eine kulturgeschichtliche Studie : 1. Teil
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