Aufsatz 
Ein altdeutsches Frühlingsfest. Eine kulturgeschichtliche Studie : 1. Teil
Entstehung
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mit Bänder und Blumen behangener Lorbeer- oder Zitronen⸗Baum: bei dieſem zog die Renterei dreimal vorbei, jedesmal ihren Tour durch die nahe hier gelegene Hintergaſſe nehmend. Bei jedemmaligen Vorbeireuten ſchoß jeder einzelne Reuter gegen dieſen Baum eine Piſtole loß. Auch bei dieſem Akte blieb die Wollenweber⸗Zunft unthätig, ohne daß man wußte, warum. Anf dieſer nämlichen Stelle hat der Anführer der Reuterey einige deutſche Verſe daher geſagt, unter wieder⸗ holtem Ausleeren eines mit weißem Moſelwein gefüllten ſilbernen Bechers. Umſonſt habe ich mir viele Mühe gegeben, dieſe deutſchen Reime aufzuſuchen. Endlich wurde die ganze Reuterey in einem hieſelbſt gelegenen Hauſe auf Koſten der Wollenweber⸗Zunft, mit Wein und einem zube⸗ reiteten Deſſert bewirthet, und dies war der letzte Akt der ganzen Feierlichkeit. In einer An⸗ merkung ſagt der Verfaſſer des Artikels:Ob dieſes feurige Rad jemals bis in die Moſel ge⸗ kommen ſei, das iſt mir wenig wahrſcheinlich: man ſagte mir ehedem, ein zeitlicher Kurfürſt von Trier habe der Metzger⸗ und der Wollenweber⸗Zunft in dieſem Falle ein Fuder Wein abfolgen laßen. Außerdem in der Anmerkung g.:So viel ich bemerkt habe, nannte man immer dieſe Strecke des Berges, Marrberg, und die Strecke bis nach Pallien, den Pulsberg. So wurde dieſe Feierlichkeit im Jahre 1779 zum letztenmal gehalten.

Zuvörderſt haben wir bei einem Verſuche zur Aufhellung dieſes dunkelen und ſchwer zu deutenden Brauches nothwendig vorher eine ſorgfältige und weite Umſchau zu halten, ob derſelbe auch anderswo vor ſich ging und noch geht, ob eventuell die Zeit überall dieſelbe iſt, und unter welchen Umſtänden er an andern Orten begangen wurde, weil auf dieſem Wege allein eine ent⸗ ſcheidende Erklärung zu ermöglichen iſt, ob wir es mit einem localen oder provinziellen oder mit einem Vorgange zu thun haben, der bei einer ganzen Reihe von Völkern gebräuchlich war. Auch muß unterſucht werden, ob zur Begehung dieſes Volksbrauches ein beſtimmter Termin üblich ge⸗ weſen nnd, wenn dies der Fall war, ob die Wahl dieſes beſtimmten Tages zufällig oder weſent⸗ lich iſt, ob er beſondere Namen führte, welche geeignet ſind, über den Charakter des Feſtes Licht zu verbreiten. Weil aber das Material, welches uns zum Verſtändniß dieſes Vorgangs die Wege bereiten ſoll, ſeit ungefähr fünfzig Jahren durch den Bienenfleiß und die emſige Rührigkeit ger⸗ maniſtiſcher Forſcher maſſenhaft aufgeſpeichert worden iſt, ſo empfiehlt es ſich von ſelbſt, die drei Abtheilungen des einſt jährlich wiederkehrenden Brauches, nämlich das Pflanzen und Herabwerfen des Baumes, das Herabrollen des Rades und die Vorgänge beim Kronenpfütz der größern Durch⸗ ſichtigkeit und Ueberſicht halber vorläufig ſeparirt zu betrachten, und dies um ſo mehr, als dieſer Faſtnachtsbrauch zu Trier in dieſer Vollſtändigkeit ein Unicum iſt, indem in andern Gegenden durchgängig nur der eine oder andere Theil dieſes Frühlingsfeſtes ſich findet.

Mit Abſicht nennen wir das ſoeben erwähnte Herkommen einen Faſtnachtsgebrauch, ob⸗ ſchon Jacob Grimm in ſeiner deutſchen Mythologie(pag. 587) die Feier auf das Johannisfeſt verlegt, der kurzen Erwähnung der Ceremonie, wie aus der Note a. a. O. erſichtlich iſt, folgend, die ein über dieſe Begebenheit zum mindeſten ſchlecht unterrichteter Schriftſteller in einem Aufſatz derMémoires des antiquaires de France(5,383 386) gibt. Auch Wolf folgt rückſichtlich der Feier Grimm und erſt Adalbert Kuhn gibt in ſeiner vortrefflichen Schrift:Die Herabkunft des Feuers und Göttertranks S. 96. das Datum richtig, weil ihm ein Aufſatz aus dem Anhange zu Hockers Geſchichten, Sagen und Legenden des Moſellandes von Dr. Lfinde vorlag. Es iſt klar erſichtlich, daß Dr. Linde dem Berichte derTrierer Kronik folgte, aber er verfuhr eigen⸗