Aufsatz 
Ein altdeutsches Frühlingsfest. Eine kulturgeschichtliche Studie : 1. Teil
Entstehung
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trachtung in ihrer localen Abgeſchloſſenheit zuließ, als ein weiterer, umfaſſenderer Geſichtskreis noch nicht gewonnen war; erſt als in dem ſeit Beginn unſeres Säculums verfloſſenen Zeitraume allenthalben Sammlungen der Volksgebräuche und der ihnen zum Subſtrat dienenden Mythen aller Völker angeſtellt wurden, ſchärfte ſich überraſchend und faſt wunderbar der Blick des Forſchers, und erhellende Schlaglichter liefen ſelbſt über bisher tief dunkele Partien der ſo räthſelhaften Mythologie.

Wenn der mächtige Reiz, der jeden anweht, welcher ſich einmal mit Liebe in die ge⸗ heimnißvollen Runen vertieft hat, auch auf uns ſeine Wirkung nicht verfehlte und uns veranlaßte die noch wenig geübten Kräfte an der Aufhellung des vaterländiſchen Brauches zu verſuchen, ſo wirkte hierbei vorzüglich die Abſicht beſtimmend mit ein, das Intereſſe an dieſem vielfach commen⸗ tirten Brauche unſerer Vaterſtadt Trier auch fernerhin wach zu erhalten.

Wir laſſen den Bericht über das Feſt folgen, wie ihn dieTrieriſche Kronik*) aus der Feder des um die Geſchichte Triers und ſeiner Umgebung hochverdienten Appellations⸗Gerichts⸗ raths Müller enthält.

Am erſten Donnerstag in den Faſten(damals 18. Hornung) hat die Metzger⸗ und Wollenweber⸗Zunft der Stadt Trier auf dem ſogenannten St. Markus⸗Berge anderſeits der Moſel, nahe bei dem auf der Anhöhe ſtehenden ſteinernen Kreuze, einen Birkenbaum von ziem⸗ licher Höhe aufrichten laſſen, ohne dabei emige beſondere Feierlichkeiten zu beobachten. Am darauf folgenden Sonntag(21. Hornung) Morgens zwiſchen 8 und 9 Uhr, verſammelten ſich beide Zünfte auf dem Kornmarkte, die Metzger zu Pferde als Dragoner, und die Wollenweber als Grenadier zu Fuße, jedes Korps bewaffnet, und mit ſeiner eigenen Muſik begleitet. Von da ging der Zug über die Moſelbrücke, auf welcher die Wollenweber⸗Zunft zurückgeblieben iſt; die Metzger aber zur Stadt hinaus, bis zum Fuße des St. Markus⸗Berges, in der Gegend ungefähr, wo das beſchriebene ſteinerne Kreuz oben auf der Spitze des Berges ſteht, und auf welcher An⸗ höhe am vorhergehenden Donnerſtag die beſchriebene Birke aufgerichtet worden war, vorgerückt ſind; hier machte man Halt. Sogleich wurde dieſe Birke umgehauen, den Berg herabgeworfen, und darauf ein mit brennenden Materialien umwundenes und rundum angezündetes Wagenrad, unter wiederholtem Abfeuern kleiner Kanonen, welche auf dieſer Anhöhe geſtanden haben, den Berg herab gerollet. Dieſer herabgeſtürzten Feuersmaſſe iſt nun die Reuterey entgegengeſprengt, und hatte dieſelbe ſo lange mit anhaltenden Piſtolenſchüſſen begrüßet, bis dieſelbe an einem Orte liegen geblieben iſt; ſo, daß es den Anſchein eines feindlichen Vorpoſten⸗Gefechtes hatte. Nach dieſer Handlung zog ſich die Reuterei nochmal zur Stadt zurück, und vereinigten ſich beide Korps auf der Moſelbrücke, machten, in Begleitung ihrer Muſik, Beſuche in den Abteien und herrſchaft⸗ lichen Häuſern, wo ſie mit einem Glas Wein beehrt worden find. Demnach ginge der Zug in guter Ordnung auf die Weberbach: der in dieſer Straſſe befindliche, damals ganz mit Steinwerk aufgeführte ſogenannte Kronenpfütz*s*), war mit Blumen geziert: oben auf ſeiner Spitze ſtand ein

*)Trieriſche Kronik 1817. Zweiter Jahrgang, zweiter Band. Herausgegeben von J. A. Schröll. Trier bei M. Rodt. pag. 149 u. f.

**) Der Kronenpfütz war ein Brunnen, welcher in der Mite der Weberbachſtraße dem Zunfthauſe der Wollenweber gegenüber lag, aber vor vielen Jahren zur Erbreiterung der Straße abgeriſſen wurde. Sein Name Kronenpfütz hängt mit einem auf dem Zunfthauſe der Wollenweber befindzichen Relief zuſammen, das einen Baum in Zwieſelgeſtalt darſtellt, in deſſen Gabel eine Krone angebracht iſt; rechts von demſelben ſteht eine weibliche Figur mit einem Kruge, links ſind Weber um eine Kufe beſchäftigt.