Aufsatz 
Polykrates von Samos
Entstehung
Einzelbild herunterladen

40

da sie nur 1 M. unter der Oberfläche des Wassers liegen, zog sich von der Nordseite der Hafenbucht, und zwar von der Stelle aus, wo die östliche Ringmauer das Meer erreichte, in die See hinein, so dass hierdurch nach Guérin's Ansicht ein kleineres, inneres Becken von dem grösseren Hafen abgegrenzt wurde ³²⁷).

So wenig sich ermitteln lässt, welchen Antheil Polykrates selbst an diesen grossartigen Schöpfungen gehabt habe, ebensowenig ist dies, wie wir oben gesehen haben, bei der gewaltigen Ringmauer möglich, die inf einem Umkreis von 8 Km. die ganze Stadt umschloss. Die Be- festigung der Astypaläa freilich muss der Hauptsache nach als sein Werk betrachtet werden. Die prachtvolle Herrenburg, die er sich innerhalb der Mauern dieser kleinen Akropole erbaut hatte, fiel dem Fremden, der sich dem Hafen von Samos näherte, vor allem Anderen in die Augen und erfüllte ihn mit ehrfurchtsvoller Bewunderung 3²8).

Eine Anlage ganz anderer Art war die berüchtigte samische Laura, in welcher die nicht minder berüchtigten samischen Blumen sich befanden ³²⁰⁵). Mit solchen Einrichtungen wurde dem üppigen und wollüstigen Leben der Samier in einer Weise Vorschub geleistet, wie dies sonst nur in orientalischen Städten, z. B. in Sardes, der Fall war. Polykrates, dem auch diese Anlage zugeschrieben wird 330), soll dabei die ähnlichen Einrichtungen in Sardes sich zum Muster genommen haben; denn hier gab es schon früher einen αꝓνꝑ ωzug, und die dες Arde waren weithin bekannt. Jene Laura war ein eigenes Stadtviertel 3³1), in welchem theils alle möglichen Dinge zu finden waren, wie sie der verwöhnte Geschmack der Orientalen begehrte, theils besonders auch schöne Mädchen und Knaben(denn diese sind unter den samischen Blumen zu verstehen) 3³²) in grosser Anzahl zusammen wohnten. Durch die Begünstigung des üppigen Lebens der Samier scheint Polykrates, welcher selbst der Knabenliebe übermässig ergeben war und dabei an seinem Freunde, dem Dichter Anakreon, einen Rivalen fand 333), sSeine Herr-

haben. ³²⁷) Guérin, a. a. O., p. 204 sq. ²²s⁸) E. Curtius, Gr. G. I8, p. 561. Vgl. oben, Cap. 4 B. ²²s) Clearch. bei Athen. XII, p. 540 f.; Plut. prov. Alex. I, 61(C. p. gr. I, p. 330). Vgl. Macar. VII, 55; VIII, 2(C. p. gr. II, p. 207. 214). ³s¹) Clearch. I. l. ³³¹) Plut. prov. Alex. I, 61: Gενπτ. Bei Athen. 1. I. hat Meineke für orevh zis mit Coraés: ερꝙ νια geschrieben(S. Anall. crit. ad Athen. p. 248), wonach ein einzelnes Haus zu verstehen wäre. Toup(curae noviss. in Suid., p. 248) hatte vor- geschlagen auch bei Athen,, wie bei Plut., orevwni zu lesen. Dass die 2ιυοα kein einzelnes Gebäude, sondern eine Gasse oder ein Stadtviertel war, wird durch den sonstigen Gebrauch des Wortes selbst, wie auch durch die Zusammenstellung desselben mit dem dαeν Huæn von Sardes wahrscheinlich gemacht.(Vgl. übrigens über die sonstige Bedeutung von d.. Plato, Phaedr. p. 257 D mit den Anmm. von Stallbaum u. Zenob. II, 92(C. p. gr. I, p. 55). ³³⁴2*) Clearch. bei Athen. XII, p. 541 a. ²ss) Alexis bei Athen. XII, p. 540 e. Dem Smerdis, einem geliebten thracischen Knaben, den er reich beschenkt hatte, liess Pol. das Haar abscheeren, weil derselbe auch dem Anakreon, der ihn in seinen Gedichten feierte, seine Gunst zuwandte. Bergk, Anacr. proll. p. 12 und zu fr. 45. 46. Aelian. v. h. IX, 11; Alexis bei Athen. I. l. Ueber Smerdis vgl. ferner Anacr. fr. 6 Bergk; Maxim. Tyr. XXXII, p. 439; XXIV, p. 297; XXVI, p. 309; XXXV, p. 411. ed. ſmaj. Davis.; Simon. epigr. 98 Schneidew. del. Andere Knaben, die von Beiden geliebt wurden, sind: Bathyllus(Max. Tyr. an den beiden ersten Stellen; Horat. epod. XIV, 9. 10; Apulej. flor. II, 15, p. 17 Kr: eine Statue des B., von Polykr. geweiht, stand im Heräum) und Kleobulus(Anacr. fr. 2. 3 Bergk; Max. Tyr.