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Meere und doppelt so weit in östlicher Richtung vom Imbrasusflusse entfernt ³²⁰). Die riesigen Dimensionen des alten Baues werden von den Neueren verschieden angegeben ³²¹).
Die Ueberreste der Wasserleitung des Eupalinus, welche schon Tournefort gefunden zu haben glaubte, Pococke vergebens zu finden sich bemühte, und worüber auch Ross ³²²) nichts Bestimmtes anzugeben weiss, sind von Guérin deutlich erkannt und untersucht worden. Er hat durch vierwöchige Ausgrabungen festgestellt, dass die jetzt sogenannte Quelle des h. Johannes, welche auf der Nordseite des Kastro liegt, diejenige war, von welcher das Wasser durch die
Leitung und den Tunnel des Eupalinus nach der Stadt Samos geführt wurde. Der nach Herodot
150 Orgyien= 900 Fuss hohe Berg, durch welchen der 7 Stadien lange Durchstich gemacht war, ist also der eben genannte Kastro, an dessen südlichen Abhang die Stadt sich anlehnte. Er ist in Wirklichkeit freilich etwas niedriger(248 M.), als Herodot angibt. Was Tournefort fand, sind Ueberreste einer römischen Wasserleitung, durch die in der späteren Zeit das Wasser aus einer viel grösseren Entfernung zur Stadt geführt wurde, woraus Guérin zugleich den Schluss zieht, dass die Wasserleitung des Eupalinus bereits zur Römerzeit ausser Gebrauch gewesen sei ³²³).
Die Ueberreste des grossen Hafendammes, welcher sich von dem westlichsten der beiden Vorgebirge, die die Hafenbucht von Samos abschliessen ³²⁴), in südöstlicher Richtung ins Meer hineinzog, sind bei ruhiger See noch jetzt deutlich unter dem Wasser zu sehen ³²⁵). Sie erheben sich bis zu der Höhe von 2 M. unter dem Niveau des Meeres. Hinsichtlich der Länge des Dammes findet Guérin die Angabe des Herodot(über 2 Stadien) sehr genau; die 120 Fuss Höhe dagegen hält er für übertrieben, da das Meer an dieser Stelle heutzutage höchstens 60 Fuss tief ist. Allerdings hat sich, wie Guérin selbst angibt, die Ausdehnung und Tiefe des Hafenbeckens im Laufe der Zeit sehr verringert, so dass jetzt nur kleine Handelsschiffe, und auch diese nur mit Mühe und Gefahr, in den Hafen von Tigani einlaufen können; allein darin scheint Guérin Recht zu haben, dass eine so beträchtliche Abnahme der Tiefe des Wassers, wie sie stattgefunden haben müsste, wenn der Damm wirklich ehemals die Höhe von 120 Fuss gehabt hätte, nicht denkbar sei 326). Ein zweiter, kleinerer Damm, dessen Ueberreste noch deutlicher sichtbar sind,
r. S, p. 5. 51. 57 sq. 60 sqq. 105; Duncker, G. d. A. IV, p. 104 sq.; E. Curtius, Gr. G. I6, p. 562; Urlichs im Rh. Mus. 1854, Bd. X, p. 2 sqq. ³²³⁵) Guérin, a. a. O. p. 215. ³³¹)„ Pococke: 470 189“; Jonian antiquities: 344 166; O. Müller, Hdb. d. A. 3. Ausg.§. 80, I, 3:346= 189 Guérin, der umfassende Ausgrabungen anzustellen begonnen hatte, wurde an der Fortsetzung derselben durch unangenehme Zwischenfälle verhindert.(Guérin, a. a. O., p. 215— 225 u. p. 319— 324). Vgl. auch Ross, Inselr. II, p. 142 sq. ³²) Ross, a. a. O., II, p. 151. ³²³) Guérin, a. a. O., p. 305— 319. ³²4) S. oben, Cap. 4 B. ²³²³³) Vgl. Guérin, a. a. O. p. 203— 205; Ross, a. a. O, II, p. 148. ²³²⁶) Will man also nicht einen Irrthum oder eine Uebertreibung von Seiten Herodot's selbst annehmen, was Beides bei einem so gewissenhaften Berichterstatter, der mit den Dingen auf Samos eine ganz besonders genaue Bekanntschaft verräth, gewagt scheinen möchte, so bleibt Nichts übrig, als zu vermuthen, dass die Zahl eizooe(), welche sämmtliche Handschrr. bieten, auf einer Textverderbniss beruhe. Ist ja doch auch die Lesart: α hoποσι οορνεκν, welche die neuesten Herausgeber(Krüger, Abicht, Stein) mit Recht in den Text aufgenommen haben, nur Conjectur von Eltz(Jahn's Ibb. Suppl. Bd. IX, p. 129) statt des sprachlich unmöglichen zæra e. ö, welches sämmtl. Handschrr.


