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Herodot bemerkt zunächst ausdrücklich ³⁰⁶), Orötes sei von Polykrates weder thätlich, noch mit Worten jemals gekränkt worden. Alsdann gibt er für seine Handlungsweise zweierlei Gründe an. Die Meisten, sagt er ³⁰¹), behaupten, Orötes sei von Mitrobates, dem Statthalter von Phrygien, der Untüchtigkeit geziehen worden, da er dem Könige von Persien die Insel Samos noch nicht gewonnen habe, über die doch einer der daselbst Ansässigen mit wenig Bewaffneten sich zum Tyrannen emporgeschwungen habe. Hierauf habe Orötes beschlossen, den Polykrates um jeden Preis zu vernichten. Andere dagegen, fährt Herodot fort 3⁰²) erzählen, Polykrates habe den Herold des Orötes, der in irgend einer Angelegenheit nach Samos gekommen sei, sei's absichtlich, sei's zufällig, weder eines Blickes, noch einer Antwort gewürdigt. Wir können hier gleich die Angabe Diodor's ³⁰) hinzunehmen, wonach einige Lydier vor Orötes mit vielen Schätzen nach Samos sich geflüchtet und den Polykrates um Schutz angefleht hätten. Dieser habe sie anfänglich wohlwollend aufgenommen, bald darauf aber insgesammt umbringen lassen und sich ihrer Schätze bemächtigt.
Die Neueren nehmen meistens an, dass Gründe politischer Art den Orötes zu seiner That bewogen hätten ³⁰). Doch lässt sich so die raffinirte Grausamkeit, mit der er gegen sein Opfer wüthete, und die das Mass des Zulässigen selbst nach persischen Begriffen weit über- schritt, keineswegs erklären. Nicht genug mit der Kreuzigung; er wendet vorher eine so schreckliche Art der Hinrichtung an, dass Herodot aus sittlichem Abscheu sie nicht einmal nennen mag. Dies stempelt die That zu einem Act der brutalsten Rache, und wir müssen daher mit Grote annehmen, dass Orötes seit längerer Zeit einen unversöhnlichen Hass gegen Polykrates im Herzen nährte, der vielleicht noch gesteigert wurde durch derartige Anreizungen, wie die des Mitrobates, oder durch Kränkungen, wie die, welche Polykrates dem Herold des Orötes und dadurch mittelbar ihm selber zugefügt haben sollte. Auch aus der Notiz bei Diodor scheint hervorzugehen, dass ein feindliches Verhältniss zwischen Polykrates und Orötes obwaltete; sonst würde wohl der Erstere die lydischen Flüchtlinge nicht so bereitwillig bei sich aufgenommen haben, er müsste denn von Anfang an die gewinnsüchtige Absicht gehabt haben, die er später an den Tag legte. 3
Neben der Befriedigung seiner Rachsucht mag dann Orötes auch noch derartige politische Zwecke im Auge gehabt haben, wie sie von Plass, Duncker und E. Cartius ³⁰) angenommen
³00) Herod. III, 120. ³⁰¹) Herod. III, 120. 3³⁰²) Herod. III, 121. ³⁰³) Diodor. fr. l. X, 15, 4 Dind. 3⁰ 4⁴) Plass(Tyr. I, p. 247) meint, Orötes habe sich um den Perserkönig verdient machen wollen durch Eroberung einer Provinz und durch Beseitigung der Gefahren, von denen die Küsten Klein- asiens stets bedroht waren, so lange die Herrschaft des Polykrates bestand. Aehnlich Duncker, IV, p. 518. E. Curtius,(Gr. G. Is, p. 565 sq.) meint, Orötes habe den Auftrag gehabt, das Werk des Harpagus zu vollenden. Statt dass er denselben ausgeführt, habe er sehen müssen, wie sich eine neue Joniermacht gebildet habe, durch die bereits eroberte Küstenstriche und Inseln wieder ver- loren gegangen seien. Im Gegensatze dazu behauptet Grote(G. v. Gr. II, p. 515), Orötes müsse einen unversöhnlichen Hass gegen Polykr. gefasst haben, dessen wahrer Grund nicht bekannt sei. Die Absicht, die Insel Samos anzugreifen, habe er nicht gehabt. ³³⁵) Vgl. A. 304 u. Veegens, de P.,


