Aufsatz 
Polykrates von Samos
Entstehung
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Den Zurückkehrenden zog Polykrates selbst mit dem Reste seiner Trieren entgegen, erlitt jedoch eine Niederlage und konnte nicht hindern, dass die Aufständischen auf der Insel landeten. Hier wurden sie zu Lande von dem Tyrannen besiegt und wandten sich nun mit ihren Schiffen nach Sparta ²53). Eine andere Nachricht, dass Polykrates auch zu Lande geschlagen worden sei, verwirft schon Herodot ²54) aus hinreichend triftigen Gründen, wobei er jedoch zugleich bemerkt, dass der Tyrann zu den äussersten Massregeln seine Zuflucht genommen habe: die Weiber und Kinder der in der Stadt befindlichen Samier hatte er in die Schiffshäuser einge- sperrt, wo er sie, im Falle dass ein Verrath versucht werden sollte, insgesammt zu Jverbrennen drohte.

In Sparta ²55) hielten die Abgeordneten der Vertriebenen, als sie das erste Mal vor der Behörde ²⁵6) auftraten, eine lange Rede, die aber, eben weil sie so lang war, ihren Zweck ver- fehlte 257). Als sie zum zweiten Male auftraten, diesmal wohl vor der Volksversammlung, bedienten sie sich eines drastischeren Mittels, indem sie einen leeren Brodsack mitbrachten und Nichts weiter sagten, als:Der Sack braucht Mehl 258). Auch jetzt wieder fanden die Spartaner'das Be- nehmen der Samier ungehörig; sie erklärten es für eine taktlose Aufdringlichkeit 255). Nichts- destoweniger beschlossen sie ihnen die erbetene Unterstützung zu gewähren. Der augenblick- lichen Noth der Fremdlinge wurde von Seiten des spartanischen Staats auf eine höchst eigen- thümliche Weise abgeholfen, indem die sämmtlichen Einwohner sammt ihren Sklaven und ihrem Vieh einen Tag fasten mussten und das hierdurch Erübrigte den Samiern übergeben wurde 2²⁶⁰).

Dafür, dass die Spartaner das Gesuch der hülfeflehenden Samier gewährten, gibt Herodot 2²⁰¹) zwei verschiedene Gründe an, von denen er den einen von Samiern, den anderen von Spar- tanern erfahren hatte. Nach der Aussage Jener hätten sich die Spartaner dankbar erweisen wollen für eine ihnen früher gegen die Messenier geleistete Hülfe; nach der Aussage Dieser dagegen hätten sie den Zug nicht zur Unterstützung der Verbannten unternommen, sondern um sich zu rächen für frühere, von den Samiern verübte Räubereien ²6²). Plutarch ²⁰³) verwirft die Angaben des Herodot, insbesondere diejenige, welche er Spartanern in den Mund legt, und be-

I. X, 15, 4 Dind. Erzählte, und die Art, wie Orötes den Polykr. ins Netz lockt, bei Herod. III, 122 125, mit E. Curtius, Gr. G. I6, p. 565. ²8) Herod. III, 45. ²⁵⁴) Herod. 1. J. 255) Herod. III, 46. ²56) Herod. I. 1.Sn 1% dορ᷑νταςες Vermuthlich sind darunter die Ephoren zu verstehen. Vgl. Stein und Abicht zu Herod. 1. 1.; K. Fr. Hermann, Gr. St. A. 4. Auffl.§. 44, 12; Schömann, G. A. IB, p. 255; Duncker, G. d. A. IV, p. 435. Vgl. p. 370. 373 sq.; E. Curtius, Gr. G. I3, p. 198 sq. ²⁵⁷) Die bekannte Antwort der Spartaner s. bei Herod. III, 46; Plut. apophth. lac. Cleom. Anax. 7 u. var. 1, T. I, p. 274 u. 286 Didot. ²⁵⁸) Herod. I. I. Sext. Empir. adv. math. II, 23 erzählt etwas Aehnliches von den Chiern; warum aber Stein(zu Herod. I. I.) darin den wirklichen Anlass und wahren Sinn der Anekdote finden will, sehe ich nicht ein. ²⁵⁵) Stein zu Herod. I. I. 260) Aristot. Oecon. II, 2, 9 (Anonym. Oec. X, p. 19 Göttling). Boeckh, St. H. d. A. Lo, p. 766. Dieselbe Massregel wurde nach Plut. de adulat. et amico. c. 22 zu Gunsten der Smyrnäer von den Spartanern angewandt. Boeckh, a. a. O. A. c. Zzweifelt, ob dieselbe wiederholt worden, oder ob die eine der beiden Angaben unrichtig sei. ²⁶³¹) Herod. III, 47. ²¹³²) S. oben, Cap. 5, A. 162 u. 163. 263) Plut. de malign. Herod.