Aufsatz 
Polykrates von Samos
Entstehung
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Lessing's Ansicht, dass der Stein des Rings ungeschnitten gewesen sei, und dass dem Theodoros nur die Fassung desselben angehöre, ist unter den Neueren namentlich von O. Müller ²³²) festgehalten worden. Urlichs ²⁵³), der besonders gründlich über die Sache handelt, meint, dass der Sardonyx, den Plinius selbst in Rom gesehen hatte(im Tempel der Concordia, wo er an einem Füllhorne als Verzierung angebracht war) 2⁵4), und der ihm als der Stein des Polykrates bezeichnet worden war, nicht zu dem berühmten Ringe des Polykrates gehört haben könne ²⁸⁵). Dieser müsse, der übereinstimmenden Ueberlieferung der Alten gemäss, einen geschnittenen Stein gehabt haben und könne, wenn man seine Existenz überhaupt annehme, recht wohl ein Werk des jüngeren Theodoros, des Telekles S., gewesen sein. Ganz neuerdings hat auch Rumpf ²³⁶) sich für einen geschnittenen Stein und zugleich dafür ausgesprochen, dass nicht bloss die Fassung des Rings, sondern auch der Schnitt der Gemme ein Werk des Theodoros gewesen sein könne, obwohl er, wie Brunn ²³⁷), nur einen Theodoros anerkennen will.

Herodot erzählt uns ²³⁸), dass Amasis, der sich überzeugt habe, dass man einen Menschen seinem Schicksale nicht entreissen könne, und dass Polykrates kein gutes Ende haben werde, dem Letzteren die Freundschaft gekündigt habe, damit er nicht, wenn das Unheil über denselben hereingebrochen sei, seinen Freund zu betrauern habe. Ganz ähnlich ist der Grund, densAmasis bei Diodor ²⁸*) für die Auflösung des Freundschaftsbündnisses angibt. Er schreibt nämlich an Polykrates, er wolle nicht selbst in plötzlichen Kummer versetzt werden; denn er wisse gewiss, dass seinem bisherigen Freunde das Verderben nahe sei. Nur leitet Diodor in vernünftigerer Weise, als Herodot, die Ahnung des Amasis nicht von dem übermässigen Glücke des Polykrates her, sondern von der masslosen Gewaltthätigkeit desselben gegen Unterthanen und Fremde, der auch die wohlgemeinten Warnungen des ägyptischen Königs kein Ziel setzen konnten. Es unterliegt keinem Zweifel, dass der wahre Grund des Bruchs zwischen den beiden Machthabern in der veränderten Politik des Polykrates zu suchen ist ²4⁰). Dieser hatte bis zur Kriegsrüstung des Kambyses gegen Aegypten durch engen Anschluss an die letztgenannte Macht seine eigene

232) O. Müller(Handb. der Archäol. d. K. 3. Aufl.§. 97, 2 A. p. 81) schreibt mit Bestimmtheit dem Theo- doros nur die Fassung des Steins zu, lässt es aber unentschieden, ob der Stein überhaupt geschnitten gewesen sei. 2²⁸³) Urlichs im Rhein. Mus. 1854. Bd. X, p. 24 sq. ²³⁵⁴) Plin. n. h. XXXVII, 2. T. V., p. 392 ed. Bip.:ostenduntque Romae, si credimus, in Concordiae delubro, cornu aureo Augusti dono inclusam, wo Urlichs der Lesart des cod. B. bei Sillig: Augustae den Vorzug gibt. ²³⁵) Schon längst hatte Larcher die Vermuthung ausgesprochen, dass der Stein, den Plinius erwähnt, und der, von dem Herodot redet, verschiedene gewesen seien, wenn auch beide dem Polykrates angehörig. Vgl. Baehr zu Herod. III, 41. Bd. II2, p. 87. ²³⁸) Verhandlungen der 14. Versammlung mittelrhein. Gymn. L. in J. J. B. 1874. Bd. CX, H. 7, p. 347. Sonst stehen auf O0. Müller's Seite Lhardy zu Herod. III, 41 und Duncker, Gesch. d. A. IV, p. 507 sq. Für einen geschnittenen Stein dagegen sprechen sich aus Thiersch, Epochen der bildenden Kunst unter den Griechen, 2. Aufl., p. 181; Creuzer, zur Gemmenkunde etc., p. 134; Baehr zu Herod. III, 41. Bd. II, p. 86 sq.; Stein und Abicht zu Herod. III, 41; E. Curtius, Gr. Gesch. Is, p. 560. ²³²⁷) Brunn, Gesch. d. gr. Künstler, p. 30 sqq. 238) Herod. III, 43. ²³⁸³) Diodor. I, 95, 3 Dind. 24⁰) Vgl. Duncker, Gesch. d. A. IV, p. 513 515;