Aufsatz 
Polykrates von Samos
Entstehung
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7. DerRing des Polykrates und die Auflösung des Bündnisses mit Amasis.

Mit besonderer Vorliebe, wie leicht begreiflich, verweilt der Vater der Geschichte bei dem angeblichen Briefwechsel zwischen Amasis und Polykrates 222). So rührend der ganze Hergang sich ausnehmen mag, so müssen wir doch bedauern, dass uns unser trefflicher Gewährsmann gerade diese Dinge mit einer so grossen Ausführlichkeit berichtet, von denen doch, wenn man alles Fabel- und Märchenhafte abstreift, fast nichts Geschichtliches übrig bleibt, während er uns über so vieles Andere, was wir gerne von ihm erfahren möchten, durchaus im Unklaren lässt. Wahr ist, dass auf das übermässige Glück des Polykrates ein jäher und völlig unerwarteter Sturz folgte; wahr auch, dass der König von Aegypten nicht bis zu seinem Tode der Ver- bündete des Tyrannen von Samos blieb. Die Ursache des Zerwürfnisses aber, das zwischen beiden Herrschern eintrat, hat uns weder Herodot durch seine ausführliche Darstellung, noch auch Diodor durch seine kurze Notiz ²22) genügend klar gemacht, so leicht es auch auf der anderen Seite in dem gegebenen Falle sein mag, aus den Zeitverhältnissen überhaupt den wahren Sachverhalt zu erkennen.

Die allbekannte Geschichte von dem Briefe des Amasis, der wunderbaren Wiederauffindung des Rings des Polykrates und der von Herodot daraus hergeleiteten Trennung der früher so engbefreundeten Männer, die unser Schiller in freier Weise zum Stoff seiner unsterblichen Ballade gemacht hat, kann hier füglich übergangen werden. Dieselbe hat bereits im Alterthume aus naheliegenden Gründen allgemeine Verbreitung gefunden ²²³). DerRing des Polykrates selbst aber verdient wohl schon um desswillen eine nähere Betrachtung, weil ihn auch der grosse Lessing in den antiquarischen Briefen ²²⁴) zum Gegenstande seiner ebenso gelehrten wie scharf- sinnigen Untersuchungen gemacht hat.

Herodot ²²5) spricht von einem in Gold gefassten, smaragdnen Siegelstein, der von dem berühmten samischen Künstler Theodoros, des Telekles S., verfertigt gewesen sei. Aehnliches berichten Strabo ²²⁰) und Pausanias ²27). Clemens von Alexandria ²²8) weiss sogar, dass Poly- krates auf seinem Siegel eine musische Lyra als Zeichen geführt habe. Damit scheint im Wider- spruch zu stehen, was Plinius ²²⁰) erzählt, der Stein des Polykrates sei ein Sardonyx gewesen, und derselbe sei ungeschnitten ²3⁰), ja, wie Lessing ²³¹) die Stelle versteht, sogar ungeschliffen gewesen.

G. d. A. II, p. 880. 2²²¹) Herod. III, 40 43. ²22²) Diodor. I, 95, 3 Dind. 2²3) Vgl. Strabo, XIV, p. 638 Cas.; Cicero de fin. V. 30; Valer. Max. VI, 9, ext. 5; Plin. n. h. XXXIII, 6. XXXVII. 2 T. V, p. 180 sq. p. 391 sq. ed. Bip.; Fronto, de b. Parth. II, p. 323 sqd. ed. Francof. ²²⁴) Lessing's sämmtl. Schriften, herausg. v. K. Lachmann, Berlin 1839. Bd. VIII, p. 63. 64 67. 76. 2²²⁵) Herod. III, 41: Gο̈ρν οιοσderos, αμααο⁴em³οναεέε̈ον εονισασαα Vgl. Stein zu d. St. 2²2²⁴) Strabo XIV, p. 638 Cas. ²2²7) Pausan. VIII, 14, 8 Bekker. ²²⁸) Clem. Alex. paedag. III, p. 289 Potter. Ob dies freilich auf den famosen Ring zu beziehen sei, hat schon Lessing a. a. O. p. 67 mit Recht in Zweifel gezogen. **o) Plin. n. h. XXXVII, 2. T. V, p. 392 ed. Bip. ²³) Plin. n. h. XXXVII, 4. T. V, p. 393 ed. Bip.:illibata intactaque(intacta inlibataque, cod. B. bei Sillig). ²³1) Lessing, a. a. O. p. 63. 4