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6. Polykrates' Kriege.
Wie weit Polykrates seine Pläne hinsichtlich des von ihm neu zu gründenden Inselreichs verwirklicht habe, darüber lässt sich nichts Sicheres ermitteln ¹⁰²). Auch über die einzelnen Kriege, die er theils zur Erweiterung seiner Herrschaft, theils zur Abwehr der Feinde führte, fliesst die Quelle der Ueberlieferung äusserst spärlich. Nur von einem grossen Zuge der Lesbier weiss Herodot zu erzählen, die mit ihrer gesammten Heeresmacht den Milesiern zu Hülfe gekommen seien. Sie wurden von Polykrates in einer Seeschlacht überwunden und geriethen grösstentheils in Gefangenschaft, in welcher sie zu harten Frohndiensten angehalten wurden. Der Tyrann zwang sie, bei der Verstärkung der Befestigungswerke von Samos mitzuwirken, indem er sie die ganze Stadtmauer mit einem Graben umziehen liess 13) Dass sich Milet damals gleichzeitig mit Polykrates im Krieg befand, ist allerdings höchst wahrscheinlich, wenn es auch aus den Worten Herodot's nicht bestimmt hervorgeht ¹4). Keinesfalls aber darf man mit Duncker und E. Curtius an eine Vernichtung der milesischen Macht durch Polykrates denken ¹³⁵).
Nicias 3; Boeckh, a. a. O. I2, pag. 300 sq.; II?, p. 96. ¹²) S. O. Cap. 5, A. 171— 174. ¹⁰³) Herod. III, 39. Vgl. Cap. 4 B., A. 156. ¹³⁴) Herod. III, 39:„1G0 uG Tdνσοα Sοννπιεέονντια Mνη⁵σόέοι⁶οιτ ¹⁸8) Duncker, Gesch. d. A. IV, p. 506. E. Curtius, Gr. Gesch. Is, p. 558. Vgl. G. Schmidt, de reb. publ. Miles., Gott. 1855, p. 40. Baehr zu Herod. III, 39. Auch das bekannte Sprüchwort:„rέέα νοτ 7Gαie½ cά¶ßExkwaXuod NTMA¹οιιά²—„Vor Zeiten waren mächtig die Milesier“(Publ. Syr. sent. 777:„Quondam fuere strenui Milesii“), das sich zuerst in den Fragmenten des Anakreon(Bergk, fr. 86; Schneidew. del., fr. 64) findet, dann von Aristophanes(Plut. v. 1002 und 1075 Bergk) wiederholt wird, hat man hierher- gezogen(Panofka r. S. p. 33). Ein Scholion zu Aristoph. Plut. v. 1002 erzählt, dass dem Polykrates, als er einen Krieg vorbereitet und das Orakel befragt habe, ob er die Milesier zu Verbündeten nehmen solle, von jenem der Bescheid geworden sei:„μμ*τ Nach einem zweiten Scholion zu ders. Stelle berichtete Demon in seinem Werke über die Sprüchwörter, dass den Kariern dies Orakel zu Theil geworden sei; und zwar würde sich die Sache nach Hemsterhuys(Aristoph. Plut., ed. nova, Lipsiae 1811, p. 352 sqd.) auf den von Herodot(V, 118— 120) erzählten Krieg der Karier gegen Darius beziehen, wo Herod. freilich von einer Orakelbefragung Nichts sagt. Ein drittes Scholion zu der Stelle nennt ausdrücklich den Krieg der Karier gegen Darius, S. des Hystaspes. Vgl. auch Diodor. fr. 1. X, 25, 1 Dind.: Kãοες τμι⁶¶ ν 2ταrιονονυννοι ννιτmσσην π̈αι sσιυιιαν⁵αeς, d: n0 4⁶ονντο Miνοσου σναμνιεemοοσ 5 dveᷣrlen: nd³α Qπ.“” Am deutlichsten erzählt Zenob. V, 80 (Corp. p. gr. I, p. 152), dass die Karier im Krieg mit Darius sich an das Orakel der Branchiden gewandt und den fraglichen Ausspruch erhalten hätten. Eine ganz allgemeine Erklärung von dem Sprüchworte gibt Aristot. bei Athen. XII, p. 523e. Vgl. Heitz, Aristot. fragm. p. 278. Auch aus Apostol. XIII, 85(C. p. gr. II, p. 598) ist für unseren Zweck Nichts zu entnehmen. Vgl. die Anmm. von Leutsch zu Zenob. und Apostol. Ganz abweichend ist die Angabe des Scholiasten zu Aristoph. Plut. v. 1075. Schon Hemsterhuys(a. a. 0. p. 357 sq.) bemerkt mit Recht, dass man die Entstehung des Sprüchworts wohl nur desshalb auf die Zeit des Polykrates zurückgeführt habe, weil man die Lebenszeit des Anakreon, bei dem der Vers zuerst vorkommt, falsch angesetzt, d. h. angenommen habe, dass derselbe zur Zeit des Darius Hyst. nicht mehr am Leben gewesen sei. In diesem Irrthum war auch Zenob. befangen, wie aus den letzten Worten desselben hervorgeht. Anakreon lebte sehr lange; nach Lucian. Macrob. 25 wurde er 85 Jahre alt. Barnes setzt seinen Tod erst Ol. LXXVI= 47 ⅜.


