Aufsatz 
Polykrates von Samos
Entstehung
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dass man kaum glauben sollte, dass hier einst ein Hauptbrennpunkt des griechischen Lebens gewesen sei. Die kleinere ist das alte Delos, die grössere das alte Rhenea¹⁷⁹). Jetzt heisst jenedie kleine, diesedie grosse Delos ¹18⁰). Delos war nach dem Glauben der Griechen die Geburtsstätte der Artemis und des Apollo und trug desshalb eins der grössten Heiligthümer der griechischen Welt, den berühmten Tempel des delischen Apollo. Bei ihrer günstigen Lage und ihren sonstigen Vorzügen(der Canal zwischen den beiden Inseln bot eine gute und geräumige Rhede; die Westküste von Delos, sowie die Ost- und Südküste von Rhenea haben mehrere gute natürliche Häfen) ¹31), war die Insel in sehr früher Zeit schon ein Vereinigungspunkt aller Jonier, die hier zu bestimmten Zeiten zu Ehren des Apollo grossartige gymnische und musische Kampf- spiele veranstalteten und dabei zugleich ihre gemeinsamen Angelegenheiten beriethen. Es hatte also hier eine der ältesten griechischen Amphictyonieen ihren Sitz ¹82), an welcher auch die Athener frühzeitig sich betheiligten ¹⁸3).

Religiöser Sinn war bei den alten Griechen im Allgemeinen mehr vorhanden, als dies bei uns der Fall ist, die wir uns so gerne über die blinden Heiden erheben; Alles, was im häus- lichen und im öffentlichen Leben das Glück der Menschen begründet, glaubten sie der unmittel- baren Einwirkung göttlicher Mächte zu verdanken, die bei allen Unternehmungen, im Kleinen wie im Grossen, anzurufen und in ihrer Weise durch Opfer sich geneigt zu machen, sie niemals unterliessen. Kein Wunder also, wenn die griechischen Pyrannen den religiösen Traditionen des Volks stets ihre besondere Aufmerksamkeit zuwandten. So machte sich's Pisistratus, als er zum dritten Male die Herrschaft in Athen erlangt hatte, zur Aufgabe, die Missstände, die sich bei dem delischen Heiligthum vorfanden, zu beseitigen. Er liess die Gräber auf der Insel, da sie mit der Heiligkeit des Ortes sich nicht vertrugen, entfernen, soweit man von dem Apollotempel aus sie erblickte ¹84). Damit erwarb er sich den Dank der Athener, wie der gesammten Griechen, die in Apollo den Urquell alles Guten und Schönen verehrten.

Polykrates folgte dem Beispiele des athenischen Gewaltherrn; er überbot ihn noch an Huldigungen, die er dem delischen Gotte darbrachte. Dadurch, dass er diesem Rhenea zum Eigenthume gab, machte er es für die Folge möglich, alles Unreine aus der Nähe des Heilig- thumes zu entfernen. Hundert Jahre später, im Winter 42, wurde denn auch von den Athenern eine gründliche Reinigung der Insel vorgenommen. Sämmtliche Gräber wurden

30 sd. ¹7⁸) Piwei O. Piwc. Bursian, a. a. O. II, p. 451 A. 2. ¹80) Bursian, Geogr. v. Griechenland, II, p. 451 464. ¹3¹) Strabo X, p. 486 Cas. Bursian, a. a. O. II, p. 453. ¹s²) Homer. hymn. in Apoll. Del. V, 146 sqq. Thucyd, III, 104. Strabo X, p. 485 Cas. Boeckh, St. H. d. A. IIe, p. 81 sq. Vgl. I?, p. 540. K. Fr. Hermann, St. A. 4. Aufl.§. 12, 5. Schömann, Gr. Alterth. II?, p. 29 sq. p. 442. Preller, Gr. Mythol., I3, p. 210. 222. Vgl. p. 200. A. 1. Bursian, a. a. O. II, p. 453. Bergk, Gr. Literaturgesch. I, p. 754. ¹s8) Vgl. die Sage vom delischen Schiffe bei Plato, Phaedo, 1; Crito, 1 mit den Anmm. von Fischer zu beiden Stellen; Plut. Thes. 23; ferner die bei Athen. VI, p. 234 c. aus den Solon. Gesetzen er- wähnten Deliasten. Der uralte Zusammenhang von Athen und Delos geht auch aus der Sage von Erysichthon, dem S. des Cekrops, hervor, welcher zuerst aus religiösen Gründen von Attika aus nach Delos gefahren sein sollte. Vgl. Pausan I, 18, 5. 31, 2 Bekker; Athen. IX, p. 392 d. 184) Herod. I, 64;

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