3. Polykrates gelangt zur Alleinherrschaft.
Auf welche Weise Polykrates der Herrschaft über Samos sich bemächtigte, darüber sind die Angaben Herodot's sehr unzureichend. Wir erfahren nur, dass er sich gegen die bestehende Regierung auflehnte?⁷), und dass er, was höchst unwahrscheinlich, mit nur 15 Hopliten seinen Handstreich ausführte ²⁵). Genauer erzählt Polyän ⁹⁹), dass Polykrates bei einem Feste zu Ehren der Hera, wobei die männlichen Festgenossen in Waffen zu erscheinen und diese erst vor dem Opfer niederzulegen pflegten ¹⁰⁰), seinen Plan zur Ausführung gebracht habe. Seine Brüder, Pantagnotos ¹⁰¹)„8 und Syloson, die selbst an dem Festzuge zu dém ausserhalb der Stadt gelegenen Tempel der Göttin ¹⁰²) theilnahmen, fielen mit ihrem Anhange über die Anderen, als diese ihre Waffen abgelegt hatten, her und machten sie nieder. Inzwischen hatte Polykrates mit den übrigen Theilhabern seines Anschlags die wichtigsten Punkte der Stadt Samos besetzt und nahm nun seine Brüder mit ihren Genossen, welche mit den Waffen der Erschlagenen herbeieilten, auf. Er befestigte darauf den ältesten Theil der Stadt, die überaus günstig gelegene Burghöhe der Astypaläa, und behauptete sich, verstärkt durch die ihm von Lygdamis, dem Tyrannen von Naxos, zugesandten Hülfstruppen, im Besitze der Tyrannis. Uebrigens hatte Polykrates, der unstreitig aus vornehmem Hause war und an Reichthum Alle übertraf, seinen Plan lange vorher im Stillen betrieben, ehe er zur Ausführung desselben schritt. Durch Freigebigkeit und Leut- seligkeit hatte er die Menge günstig für sich zu stimmen gewusst, indem er Jedem von seinem Reichthum den ausgiebigsten Gebrauch zu machen gestattete ¹⁰³).
Anfangs theilte Polykrates die Herrschaft über die Insel mit seinen beiden Brüdern, Pan- tagnotos und Syloson ¹⁰4). Diesen überliess er die untere Stadt zur selbständigen Verwaltung, während er selbst sich die Astypaläa vorbehielt. Die Dreitheilung erstreckte sich natürlich auch auf die übrige Insel ¹65). In kurzer Zeit aber hatte der herrschsüchtige Mann seiner beiden
p. 550. 555. Grote-Meissner, Gesch. Gr. II, p. 486. 511. ⁹⁷) Herod. III, 39: 5 àνανε☛ ᷣςμν εłeœkcvæσ αmς. 2s) Herod. III, 120. Die geringe Zahlg der Bewaffneten haben die Ausleger verschieden zu deuten versucht. Abicht zu d. St. hält dieselbe für eine starke Uebertreibung, wenn sie nicht auf einer Verderbniss des Textes beruhe. ³⁹) Polyaen, strateg. I, 23, 2. ¹⁰⁰) Vgl. Asius bei Athen. XII, p. 525 f. Preller, Gr. Mythol. I6, p. 135 A. 4 u. p. 129 sq. ¹⁰¹)„ Polyaen I. I. und Euseb.(chron. Ol. LXII, 1) nennen ihn Pantagnostos. ¹⁰²²) Der Heratempel lag im Westen der Stadt, links von der Mündung des Imbrasusflusses, und war nach Apulejus(flor. II, 15 p. 17 Kr.) 20 Stadien von jener entfernt. Guérin schätzt die Entfernung auf 5 ½ Km.= g. 30 St.(a. a. O. p. 187). Vgl. Strabo XIV, p. 637 Cas. Ross, a. a. O. p. 142 sq. Guérin, p. 169 sqq. 186 sqq. 215 sqd. 319 sqq. S. unten, C. 10. ¹⁰³½) Vgl. Alexis bei Athen. XII, p. 540 e. ¹⁰⁴) Herod. III, 39. Er nennt den Syloson vε.τεεοοο E. Curtius, Gr. G. Is, p. 557 nimmt dem Alter nach folgende Reihenfolge an: Pantagn., Polycr., Syl. Stein(zu Herod. III, 41) und Duncker(G. d. A. IV, p. 503) betrachten Polykr. als den Erstgebornen. Euseb.(chron. OlI. LXII, 1): Polycr., Sylus und Pantagn. ¹⁰⁸) Die Worte bei Herod. I. l.:„rοιm ϑeσςςνοεο m1mꝛ n646ν 10191 Ge⁶ε³ε Hæνναννυ̃ νυοοννπνν εeue“ sind nicht klar und haben daher vielfach Anstoss erregt. Stein nimmt hinter 761 eine Lücke an und vermuthet, dass œσν o.&uæ zu ergänzen sei. Er fasst also swveue im Sinne von„regieren“ auf. So auch die Didot'sche Uebersetzung: administra-


