9 rührungspunkt zu erhalten, und ſich in einer neuen politiſchen Sympathie aneinander zu ſchließen. Sowle⸗ Bürger gegen Bürger, Herrſcher gegen ibre Unterthanen durch die Reformation in andere Verhältniſſe kamen, rückten durch ſie auch ganze Staaten in neue Stellungen gegen einander. Und ſo mußte es durch einen ſeltſamen Gang der Dinge die Kirch entrennung ſein, was die Staaten unter ſich zu einer engeren Vereinigung führte. Schrecklich zwar und verderblich war die erſte Wirkung, durch welche dieſe allgemeine politiſche Sympathie ſich verkündigte— ein dreißiglähriger verheerender Krieg, der von dem Innern des Böhmierkandes bis an die Mündung der Schelde, von den Ufern des Po bis an die Küſten der Oſtſee, Länder entvölkerte, Ernten zertrat, Städte und Dörfer in die Aſche legte; ein Krieg, in welchem viele tauſend Streiter ihren Untergang fanden, der den aufglimmenden Funken der Kultur in Deutſchland auf ein balbes Jahrhundert verlöſchte und die kaum auflebenden beſſeren Sitten der alten barbariſchen Wildheit zurückgab. Aber Europa ging unnnterdrückt und frei aus dieſem fürchterlichen Kriege, in welchem es ſich zum erſten Male als eine zuſammenhängende Staatengeſellſchaft erkannt hatte; und dieſe Theilnehmung der Staaten an einander, welche ſich in dieſem Kriege eigentlich erſt bildete, wäre allein ſchon Gewinn genug, den Weltbürger mit ſeinen Schrecken zu verſöhnen. Die Hand des Fleißes hat unvermerkt alle verderblichen Spuren dieſes Krieges wieder ausgelöſcht; aber die wohlthätigen Folgen, von denen er begleitet war, ſind geblieben. Eben dieſe allgemeine Staatenſympathie, welche den Stoß in Böhmen dem halben Europa mittheilte, bewacht jetzt den Frieden, der dieſem Kriege ein Ende machte. Sowie die Flamme der Verwüſtung aus dem Innern Böhmens, Mährens und Oeſterreichs einen Weg fand. Deutſchland, Frankreich, das halbe Europa zu entzünden, ſo wird die Fackel der Kultur von dieſen Staaten aus einen Weg ſich öffnen, jene Länder zu erleuchten. 4—
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Behandlung.
1. Seit dem Anfange— gehabt hätte. Die Form der Periode iſt 4u lateiniſch alſo vix quidquam(oder negativ: nihil fere) factum est, quod non.— Will man, weil die ganze Einleitung von dem Einfluſſe der Reformation handelt, dieß mehr hervorheben, ſo mache man den Nebenſatz zum Hauptſatze und beginne relativiſch: quaccunque evenerunt— omnia — oder omnia quaecunque.— Schwieriger iſt die Ueberſetzung der einzelnen Ausdrücke, aber nur für den Anfänger, der im Beſitze ſelbſt einer großen eopia vocabulorum oft den ganz nahe liegenden lateiniſchen Ausdruck nicht findet, weil ihm die Uebung fehlt, von dem Gelernten Gebrauch zu machen, und ſich ärgerlich vor den Kopf ſchlägt, wenn ihm das treffende, ganz bekannte lateiniſche Wort geſagt wird. Religionskrieg. Was iſt das für ein Krieg? bellum quod pro religionibus suscipitur et geritur(ſtatt pro auch religionum causa). In der politiſchen Welt Europens. Der Schüler muß von vorne herein gewöhnt werden, ſo hochtrabende Ausdrücke auf ihre eigentliche Bedeutung zurückzuführen. Soll„die politiſche Welt“ überſetzt werden, ſo liegt nahe res publicae oder publice. Es fragt ſich aber, ob die Ueberſetzung nöthig, ob der Ausdruck für den Gedanken nicht überflüſſig ſei. Wenn wir ſchreiben: ab initio belli pro religionibus in Germania suscepti et gesti— per totam Eu- ropam vix quidquam magni ac memoria digni factum est, quod— wird dann jemand unter magnum und dignum etwas Anderes als politiſche Ereigniſſe verſtehen, etwa Erdbeben oder Ueberſchwemmungen? Reformation— ohne Bedenken reformatio, das erſte Mal etwa noch mit dem Zuſatze sacrorum, aber ohne den Zuſatz quam vocant oder dgl., der oft lächer⸗ lich iſt, wie z. B. in einem lateiniſchen auf Gymnaſialunterricht bezüglichen Programme, wenn der Verf. immer ſchreibt: gymnasium, quod vocant. Wir ſchreiben Latein für die Gegenwart, nicht für die alten Römer, und wenn wir auch immer fragen müſſen: Würde ein alter Römer
unſer Latein wohl verſtehen? ſo iſt das nicht in dem Sinne zu nehmen, daß ein neuer tech⸗ 2
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