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naſialcurſus, wenn auch in allen früheren darauf hinzuarbeiten¹) iſt. Der Schüler muß außer einem tüchtigen Vorrathe an Wörtern und richtigen Redensarten Kenntniß der grammatiſchen Regeln beſitzen und in ihrer Anwendung ſo ſicher ſein, daß grobe Verſtöße nur der Unacht⸗ ſamkeit, nicht aber der Unwiſſenheit zuzuſchreiben ſind, wenn er auch immer und immer wieder
auf die Grammatik verwieſen werden muß. Von literariſchen Hilfsmitteln wünſche ich außer den im Gymnaſium geleſenen Klaſſikern und einer größeren lateiniſchen Grammatik in ſeinen Händen: ein größeres lat.⸗deutſches Wörterbuch(als deutſch⸗lateiniſches genügt das von Hei⸗ nichen, Leipzig 1866); Ferd. Schultz, lat. Synonymik ꝛc. Paderborn, neueſte Aufl.; und etwa noch Ernſt Berger, lat. Styliſtik ꝛc. Celle. Bei dem Lehrer ſetze ich Kenntniß der Sache, Liebe zur Sache und unabläſſigen Fleiß voraus, freilich drei Eigenſchaften, die ſich nicht immer zuſammen finden. Bezüglich der Methode ſchließe ich mich dem an, was Nägelsbach in der Vorrede zur erſten Ausgabe ſeiner Stiliſtik bemerkt hat. Wenn ich hier noch, im Intereſſe des Gymnaſialunterrichts, den Wunſch ausſpreche, daß auch auf unſeren Univerſitäten in den philologiſchen Seminarien die lateiniſchen Stilübungen größere Berückſichtigung finden möchten, ſo thue ich das auf Grund der Erfahrung, daß oft ſehr tüchtige Candidaten der Philologie auf dem in Rede ſtehenden Gebiete den an ſie geſtellten Anforderungen nicht genügen.
1„Seit ²) dem Anfange des Religionskrieges in Deutſchland bis zum Münſteriſchen Frieden iſt in der politiſchen Welt Europa's kaum etwas Großes und Merkwürdiges geſchehen, woran die Reformation nicht den vornehmſten 2 Antheil gehabt hätte. Alle Weltbegebenheiten, welche ſich in dieſem Zeitraume ereignen, ſchließen ſich an die Glaubens⸗ verbeſſerung an, wo ſie nicht urſprünglich daraus herfloſſen, und jeder noch ſo große und noch ſo kleine Staat hat mehr oder weniger, mittelbarer oder unmittelbarer, den Einfluß derſelben empfunden. 3 Beinahe der ganze Gebrauch, den das ſpaniſche Haus von ſeinen ungeheuren politiſchen Kräften machte, war 4 gegen die neuen Meinungen oder ihre Bekenner gerichtet. Durch die Reformation wurde der Bürgerkrieg entzündet, welcher Frankreich unter vier ſtürmiſchen Regierungen in ſeinen Grundfeſten erſchütterte, ausländiſche Waffen in das Herz dieſes Königreichs zog, und es ein halbes Jahrhundert lang zu einem Schauplatze der traurigſten Zerrüttung 5 machte. Die Reformation machte den Niederländern das ſpaniſche Joch unerträglich und weckte bei dieſem Volke das 6 Verlangen und den Muth. dieſes Joch zu zerbrechen, ſowie ſie ihm größtentheils auch die Kräfte dazu gab. Alles Böſe, welches Philipp der Zweite gegen die Königin von England beſchloß, war Rache, die er dafür nahm, daß ſie ſeine proteſtantiſchen Unterthanen gegen ihn in Schutz genommen und ſich an die Spitze einer Religionspartei 7 geſtellt hatte, die er zu vertilgen ſtrebte. Die Treunung in der Kirche hatte in Deutſchland eine fortdauernde politiſche Trennung zur Folge, welche dieſes Land zwar länger als ein Jahrhundert der Verwirrung dahingab, aber auch zu⸗ 8 gleich gegen politiſche Unterdrückung einen bleibenden Damm aufthürmte. Die Reformation war es größtentheils, was die nordiſchen Mächte, Dänemark und Schweden, zuerſt in das Staatsſyſtem von Europa zog, weil ſich der proteſtantiſche Staatenbund durch ihren Beitritt verſtärkte, und weil dieſer Bund ihnen ſelbſt unentbehrlich ward. 9 Staaten, die vorher kaum für einander vorhanden geweſen, fingen an, durch die Reformation einen wichtigen Be⸗
1) Ueber dieſes„Daraufhinarbeiten“ ließe ſich Vieles ſagen. Die Grammatiken, die lateiniſchen Uebungs⸗ bücher, Methode des Lehrers bei der Lectüre ꝛc. müßten in Betracht kommen. Wenn Weidner a. a. O. S. 4 ſagt:„Nägelsbach's Stiliſtik muß daher jeder Lehrer, auch der Lehrer in der Serta, ſtudiren und immer in der Hand haben“, ſo iſt mir das noch lange nicht genug.
2) Wie ich zu ſpät, um ein anderes Stück zu wählen, geſehen, hat Ferd. Hand in: Praktiſches Handbuch für Uebungen im lat Stil. Jena 1838. S. 180 ff. dasſelbe Stück, aber zu einem anderen Zwecke und in anderer Weiſe behandelt. 3 9. 4 4 4


