einander, aber nicht wie zwei Gladiatoren auf Leben und Tod, ſondern wie zwei edle Ringer in der Paläſtra, die ihre Kräfte üben wollen und, wer auch Sieger bleibt, neidlos einander die Hände reichen.
Im Jahre 1829 ¹) erſchien von Nägelsbach unter Mitwirkung von C. L. Roth das erſte Heft der Uebungen des lateiniſchen Stils, 1841 Seyffert's Palaestra Ciceroniana ²), 1846 Nägelsbach's Lateiniſche Stiliſtik für Deutſche ³), 1855 Seyffert's Scholae Latinae4), 1856 G. Wichert's lat. Stillehre ꝛc.(Königsberg). Die wiederholten Auflagen dieſer Bücher, die ſich wechſelſeitig ergänzen und unterſtützen, ſind wohl doch ein Beweis, welches Gewicht auf die lateiniſchen Stilübungen gelegt wird. Wir koͤnnen dieſe in der That auch gar nicht entbehren, wenn unſere Schüler noch wirklich nicht bloß Latein lernen, ſondern auch wieder zu größerer Selbſtthätigkeit gebracht werden ſollen. Nicht bloß in letzterer Be⸗ ziehung ſchlage ich die Ueberſetzungen aus dem Deutſchen ins Lateiniſche höher an, als die freien lateiniſchen Aufſätze ⁵5), und würde die Bedeutung der erſteren in wiſſenſchaftlicher, mora⸗ liſcher und äſthetiſcher Hinſicht beſonders nachweiſen, wenn ich nicht vieles wiederholen müßte, was Andere, namentlich auch Nägelsbach und Seyffert über den Gegenſtand geſagt haben). Ich ziehe daher vor, an einem Beiſpiele zu zeigen, wie ich dieſe Uebungen auf ihrer letzten Stufe zu behandeln pflege, und wähle dazu die Einleitung in den dreißigjährigen Krieg von Schiller. Ehe ich aber beginne, nur noch einige Bemerkungen.
Die eigentlichen lateiniſchen Stilübungen gehören in die beiden letzten Jahre des Gym⸗
1) 4. Aufl. Leipzig 1858. 2) 3. Aufl. Berlin 1865.
3) 4. Aufl. Nürnberg 1865, die ſich übrigens, beiläuſig bemerkt,(arithmetiſch) nicht zur dritten verhält, wie 4 zu 3, keinen beſſeren Druck und ſchlechteres Papier hat.
4) 2. bericht. Aufl. Leipzig 1865.
5) Seyffert hat durch ſeine Scholae Lat. die Sache ſehr leicht gemacht. Ich erinnere mich noch ſehr wohl aus meiner Gymnaſialzeit(unter Friedemann), wie ich mich abgemüht habe, um in den lateiniſchen Aufſätzen die richtigen Uebergänge, Schlußformeln ꝛc. zu finden. Das Suchen und Finden hat bei ſelchen Dingen doch auch ſeinen Nutzen, und das„thue dich um!“ iſt beſſer, als ein Thudichum(leberfetzung des Sophokles). Ich weiß wohl, daß bei der Maturitätsprüfung(in Preußen) auch ein lateiniſcher Aufſatz verlangt wird; ſieht man aber die in den Programmen mitgetheilten Themata an, ſo darf man wohl zweifeln, ob durch den lat. Aufſatz die wirkliche Kenntniß und Fertigkeit in der lat. Sprache ermittelt werden könne. Der Schüler bewegt ſich eben nur in den ihm geläufigen und(nach Seyffert) leicht zu erlernenden Formen. Anders iſt es, wenn ein auf die verſchiedenen in Be⸗ tracht kommenden Punkte berechnetes deutſches Stück zum Ueberſetzen gegeben wird; da heißt es, wie ja Seyffert ſelbſt in der Vorr. zu ſeiner Pal. Cic. ſagt: hie Rhodus, hic salta! Das gleichfalls verlangte lateiniſche Extem⸗ porale kann in einer ſolchen Ueberſetzung beſtehen, wodurch dann der lat. Aufſatz die rechte Ergänzung erhält. Vgl. Dr. L. Wieſe, das höhere Schulweſen ꝛc. S. 496 die Anmerkung. 3
Auf die Ueberſetzung aus dem Deutſchen ins Lateiniſche lege ich einen ſo großen Werth, daß ich ſie auch bet der Prüfung der Candidaten des höheren Schulamts immer angewandt ſehen möchte. Nach§. 13 des Reglements vom 12. Dec. 1866 ſind die Prüfungs⸗Commiſſionen nur befugt, eine ſolche Arbeit unter Clauſur fertigen zu laſſen.
6) Zuletzt, ſo viel ich weiß, A. Weidner, Beiträge zu lat. Stilübungen ꝛc. Duisburg 1865. Vorrede, n viſſenſchaftlicher Beziehung ſind die lat. Stilübungen auch von allgemeinerer Bedeutung. Um nur Eins hervorzuheben: wie viele Stellen der Claſſiker haben nicht Nägelsbach und Andere gerade durch die Vergleichung des Lateiniſchen und Deutſchen glücklich verbe ſſert oder von dem Verdacht der Verderbniß befreit?
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