Aufsatz 
Über die Gewöhnung in Schulen / von Conrector Schmidtborn
Entstehung
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Wirkungen derſelben, darum wende ſich erſteren demnächſt und alsdann der letzteren die weitere Betrachtung zu.

Unter den Mitteln der Gewöhnung ſind vorerſt Einrichtungen anzuführen. Feſte Ordnung in allen täglich wiederkehrenden Vorgängen, abſichtliche Veranſtal⸗ tungen von mancherlei Art zum Vermehren des Eifers für regelmäßige Pflichter⸗ füllung bei allen Hausgenoſſen, zum Entfernen alles Gemeinen, Rohen und Schlechten aus dieſem Kreis und zum Bewirken eines liebevollen Verhaltens ſei⸗ ner Glieder in glücklichen wie in unglücklichen Lagen gegen einander gehören un⸗ ter andern zu denjenigen Einrichtungen, welche das Familienleben, wie es ſein ſoll, nicht allein wegen anderer Gründe, ſondern auch wegen der Gewöhnung der Kinder ans Gute trifft. Obgleich dieſe häuslichen Einrichtungen denen der Schule als Norm zu Grunde liegen, von ihr fortgeſetzt und verbeſſert werden ſollen, ſo können doch die der Schule denen des Hauſes wegen der inneren Verſchiedenheit beider in mancherlei Verhältniſſen niemals völlig ähnlich und noch weniger völlig gleich ſein. Die Schule hat die planmäßigſte Ausbildung aller Kräfte ihrer Zög⸗ linge zur Aufgabe. Gewöhnlich werden inzwiſchen von ihr die intellectuellen vorzugsweiſe beachtet. Im Haus dagegen iſt die religiös⸗ſittliche Bildung Haupt⸗ ſache. Bezieht ſich hiernach ein großer Theil der Schuleinrichtungen auf Ver⸗ ſtandesbildung und Vermehrung des Wiſſens, ſo können dieſe bei der Gewöhnung, die vorzugsweiſe für einen Theil der moraliſchen Erziehung erklärt worden iſt, nur mehr als indirect wirkende in Betracht kommen. Unter den Schuleinrichtungen verdienen hier folgende Erwähnung. Stunden⸗Plane, Negelmäßigkeit im Anfang, im Schluß der Schule, wie der einzelnen Stunden u. ſ. w. erzielen die Bewoh⸗ nung an ein ſtreng geordnetes Leben in derſelben, Geſetze, die jedoch auch ein ſelbſtſtändiges Mittel der Gewöhnung bilden, Beaufſichtigung der Schüler vor, nach dem Unterricht und in den Pauſen, ſtrenge aber einſichtsvolle Disciplin während der Lehrſtunde, mündliche oder ſchriſtliche Communication zwiſchen Schule und Haus nebſt genauer Controlle über das Betragen und den Umgang der Schüler außer dem Wohnhaus ſind darauf berechnet, Alles, was die Zwecke der Schule hemmt, zu entfernen, das Kind in eine Lage, in welcher ihm faſt keine Wahl, ob es das Rechte ergreifen oder nicht ergreifen will, übrig bleibt, zu ver⸗ ſetzen und durch ſtetes Wiederholen dieſes Ergreifens an dasſelbe zu gewöhnen. Auch Diarien, Conduitenbücher, Verſetzungen und Zeugmiff können, falls der Leh⸗ rer tiefere Kenntniß der Kindesſeele ſowie die größte C ewiſſenhaſtigkeit beſitzt und falls er gerade die Ehrliebe, die ſo leicht zum ausſchließlichen Motiv hierdurch ſich erhebt, nie in Chrgeiz ausarten läßt, zu den vortheilhaften Einrichtungen für die Gewoͤhnung an die Schultugenden gerechnet werden. Je näher dieſe Schulein⸗ richtungen mit denen des Hauſes verwandt ſind, deſto natürlicher und erfolgreicher ſind ſie. Sobald letztere die Grundzüge des Verfahrens den erſteren abgeben und ſobald der über Mittel und Ziel klare Geiſt des Erziehers ſie in rechter Weiſe nur nach den abweichenden Schulverhättniſſen modificirt, dann beſteht dieſe