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was es darum thun oder laſſen ſoll, dann erblicken wir entweder Unwiſſenheit, völlige Unentſchiedenheit, zufälliges Wählen des Erlaubten, oft auch des Uner⸗ erlaubten und können deshalb nicht umhin, ihm durch Vorſchrift ſein Handeln ganz beſtimmt vorzuzeichnen. Urtheile über die Moralität der Handlungen erwachſener Menſchen, namentlich ſolcher, die in der Geſchichte auftreten, ſcheut ſich jedes be⸗ ſcheidene Kind zu fällen, da ihm ſeine eigne Unvollkommenheit im bewußten Handeln, ſeine Unbekanntſchaft mit dem Leben nebſt ſeinen daraus erklärbaren Verhältniſſen und den dadurch bedingten Beweggründen zu Handlungen hierbei hemmend in den W treten. Sein Wollen und Thun aber ſogar nach bolchen ihm uſtern einzurichten, das kommt dem Kinde noch nicht in den Sinn. Das dunkle Gefühl für das Gute, der Abſcheu vor dem Schlechten und die vor, bei, wie nach der That ſich äußernde Stimme des Gewiſſens ſind wäh⸗
verläſſigen Regenten des Kindeswillens abzugeben vermögen, ſondern häufig den ſtärkeren Trieben des leiblichen Lebens unterliegen müſſen.— Das Selbſtbe⸗ wußtſein des Menſchen, befaſſend deutliche Einſicht in ſeine höhere Natur, in den Urgrund ihres Daſeins, in die durch beide bedingte Aufgabe ſeines Stre⸗ bens ſomit Erkenntniß desjenigen Handelns, das im Allgemeinen wie im Beſon⸗
hiervon gar nicht erwartet werden.
Das Kind in dieſem Zuſtand ſich ſelbſt überlaſſen heißt ſeine ſittliche Bil⸗ dung gering ſchätzen, ſie dem Zufall anheim ſtellen oder, richtiger geſagt, ſie auf⸗ geben, denn das Kind, deſſen Geiſteskräſte ſchwach und ganz unvollkommen ſind, das deßwegen von ihnen zur Selbſtbeſtimmung faſt keinen Gebrauch machen kann, ſieht ch genöthigt, den natürlichen und ſtarken Trieben ſeiner Natur zu folgen, ſich ihrer Herrichaft zu unterwerfen, folglich gewöhnlich gegen das innere Geſetz zu handeln, d. h. eine Richtung, welche es von ſeiner wahren Beſtimmung abführt und welche mit ihr in Wderſpruch ſteht, einzuſchlagen. Der Zufall oder das blinde Geſchick, welchem der Wahn huldigt, indem er meint, man möge das Kind ſeinem eignen Belieben ſo lange, bis es ſeine Schädlichkeit empfinde, nach⸗ gehen laſſen, bringt zwar zuweilen, meiſtens jedoch zu ſpät, nachdem die Seele, Unſchuld, Kraft und Richtung verloren hat, auf einen beſſeren Weg, den die Noth gezeigt hat, zurück; aber dieſe herbe Lehre gewährt niemals mehr dem Han⸗ deln dieſelbe Feſtigkeit und dieſelbe Gewandtheit, welche derjenige Menſch, deſſen Willen von ſahfen Kindheit an zu rechter Erweiſung angehalten worden iſt, durch wiederholte Uebung nothwendig erlangen muß. Wo demnach keine freie


