Aufsatz 
Darlegung und Prüfung der Kant'schen Kritik des ontologischen Beweises für's Dasein Gottes. Zur Begrüßung der 32. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner
Entstehung
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gedacht wird. Die Verbindung des Subjekts mit dem Prädikat durch die logische Copula ist also plötzlich zu einem Existenzial- satz geworden, ohne dass durch diese Position der Existenz Gottes ein neues Prädikat zu dem Gottesbegriff hinzukommt. Der Gegenstand ist eben nur in Bezighung auf den Begriff gesetzt. Es kommt also durch das ausserbegriffliche Sein auch kein neues Merkmal zu dem Begriff eines Dinges hinzu, wes- halb das Wirkliche nicht mehr enthält als das Mögliche, hun- dert wirkliche Thaler nicht mehr als hundert mögliche, denn sonst würde der Begriff nicht den ganzen Gegenstand aus- drücken. Der einzige Unterschied, welcher sich bei der Wirk- lichkeit ergiebt, ist der, dass alsdann zu dem analytischen Be- griff noch die Synthese des ausserbegrifflichen Seins hinzukommt, wodurch indessen der Begriff nicht vergrössert wird. Es wird also weder der vollkommenste Begriff durch die ausserbegriff- liche Existenz erweitert, noch einem Begriff, der alle Realitäten mit Ausnahme von einer besitzt, durch dieselbe die fehlende hinzugefügt, denn durch das Fehlen der Existenz für den Be- griff der höchsten Realität fehlt zwar nichts an dem Begriff derselben, wohl aber etwas an dem Verhältniss zu dem ganzen Zustand des Denkens, nämlich die Möglichkeit einer aposterio- rischen Erkenntniss.

Was nun zuerst die Behauptung Kants betrifft, dass jeder Existenzialsatz synthetisch sei, so ist Zz. B. der Satz: Der Gottesbegriff existirt kein synthetischer, denn zu dem Be- griff kommt kein neues Prädikat hinzu. Die anderen Existenzial- sätze können aber auch nicht synthetisch sein, wenn Kants Behauptung richtig ist, dass ein Begriff durch die Wirklichkeit, nicht vermehrt werde, denn der Satz, dass durch die Wirklich- keit etwas an dem Verhältniss zu dem ganzen Zustand des Denkens geändert werde, ist einerseits ganz unklar, andererseits