14
Das Sein aber ist kein reales Prädikat, sondern nur die Setzung eines Dings oder seiner Prädikate an sich. Im logischen Ge- brauch setzt es den Prädikatsbegriff nur in Beziehung zum Subjektsbegriſf. Da nun in dem Satz: Gott ist allmächtig— die Allmacht schon zu dem Begriff gehört, so kann ich einfach sagen: Gott ist; auf diese Weise habe ich den Begriff Gott mit allen seinen Prädikaten also auch der Allmacht in meinem Denken gesetzt. Der Begriff aber drückt nur die Möglichkeit aus, und indem ich in meinem Denken die objektive Realität mitdenke, wird mein Begriff nicht verändert, denn sonst bliebe sich derselbe nicht selbst gleich; es enthält also das Wirkliche nicht mehr als das nur Mögliche, hundert wirkliche Thaler enthalten nicht das Mindeste mehr als hundert mögliche, denn sonst wäre der Begriff nicht dem Gegenstand entsprechend. Existirt also das Sein im Begriff und in der Wirklichkeit, so kommt die Wirklichkeit noch zu meinem Begriff synthetisch hinzu, wodurch jedoch der Begriff nicht verändert wird, sondern nur das Verhältniss des Dings zu meinem ganzen Zustand des Denkens, weil nämlich alsdann das Ding auch aposteriorisch erkannt werden kann. Bei sinnlichen Dingen ist eine Ver- wechslung der begrifflichen Existenz mit der realen nicht denk- bar, da wir durch letztere eine mögliche Erfahrung mehr be- kommen und hierdurch also das Verhältniss des Dings zu meinem ganzen Zustand des Denkens geändert werden kann. Durch die Existenz wird nun ein Ding als im Zusammenhang der gesammten Erfahrung enthalten gedacht. Wollen wir also die Existenz nur durch die reine Kategorie denken, so können wir natürlich kein Merkmal angeben, welches dem Begriff mehr als die blose Möglichkeit giebt. Wir müssen also, um einem Be- griff die Existenz zu ertheilen, aus demselben herausgehen, und dies geschieht nach empirischen Gesetzen durch den Zusammen-


