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ständniss und eine richtige Beurtheilung der kant'’schen Kritik gewinnen können.
Unter ontologischem Beweis versteht man im Allgemeinen dasjenige logische Verfahren, welches durch Urtheile und Schlüsse aus der Existenz eines Begriffes die objektive Realität desselben nachzuweisen sucht.
Angebahnt wurde dieses Verfahren durch den Eleaten Xenophanes, welcher aus dem Wesen Gottes auf seine Einheit und Geistigkeit schloss. 1) Bei ihm ist- jedoch, wie bei dem Kirchenvater Augustin, ²) die Existenz Gottes noch als gegeben vorausgesetzt. Augustin nämlich sagt: Die Substanz Gottes ist nicht vergänglich, wenn dies wäre, gäbe es keinen Gott.
Anders verhält es sich mit dem Beweise, welchen Anselm Bischof von Canterbury in seinem Proslogium giebt. Nachdem Anselm schon auf kosmologischem Wege das Dasein Gottes nach- zuweisen versucht hatte, fühlt er sich beunruhigt in seinem Ge- wissen, weil er auf diese Weise das Dasein des Absoluten als abhängig vom Dasein des Relativen hingestellt habe. Er will deshalb aus dem Gottesbegriff in uns die Existenz Gottes durch folgenden Beweis erschliessen:
Domine Deus, qui das fidei intellectum, da mihi ut, quan- kum Scis eæpedire, intelligam duia es, sicut credimus et hoc es, quod credimus. Eit quidem credimus te esse bonum, quo majus bonum cogitari neguit. An ergo non est aliqua talis natara, guia dixit insipiens in corde suor? non est Deus? Sed certe ideem ipse insipiens quum dudit hoc ipsum duod dico- bonum, 7 majus nihil cogitari potest, intelligit utigue quod audit, et Tuod intelligit uligue in jus intellectu est, etiam si non intelligat illud esse. onvincitur ergo insipiens esse vel in intellectu
¹) Aristoteles Metaph. III. 2. 24.
2) August. Confess. VII. 4.


