Aufsatz 
Die Frankenkönigin Brunichilde
Entstehung
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zum blinden Werkzeuge der Kirche hergeben wollte, hat auf ihren Ruf einen höchſt nachtheiligen Einfluß aus⸗ geübt und denſelben ſchon den Zeitgenoſſen in dem ungünſtigſten Lichte gezeigt. Unter dem blauen Himmel Griechenlands aber würde ein Charakter, wie der ihrige, ein würdiges Object des Dramas abgegeben haben, und ihr trauriges Schickſal und beklagenswerthes Ende hätten, in die Formen der Tragödie eingekleidet, willkommenen Stoff geboten, um die über alles Irdiſche herrſchende Gewalt des unabwendbaren Fatums vor die Augen der Menſchen zu führen. Doch in unſerem Vaterlande walteten weniger günſtige Verhältniſſe; die Rohheit der Zeit, die beſtändigen Kämpfe erſtickten poetiſche Regungen, und als fortſchreitende Geſittung der Dichtung günſtigeren Boden geebnet: da waren die Heroen des Volkes verſchollen oder durch entſtellende Tra⸗ dition in ſolcher Weiſe ihrer Große entkleidet, daß ſie wenig geeignet ſchienen, die Aufmerkſamkeit der Zuſchauer zu feſſeln oder deren tragiſches Mitgefühl zu erregen. So iſt auch Brunichildens Name im Munde der Sängervergeſſen und in ewige Nacht getaucht,¹) in der Geſchichte aber lebt er fort, würdig eher des Mit⸗ leids als des Abſcheus der Nachwelt.

¹) NachWirth, deutſche Geſchichte, I. p. 453, hätte dieſe Zeit des Gräuels den Stoff zu einem Theile des Nibelungen⸗ liedes geliefert. Siegfried wäre der auſtraſiſche Koͤnig Sigibert und Kriemhilde deſſen Gemahlin Brunichilde.

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