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dazu her die Erkenntniſſe der Krone mit ihrer Zuſtimmung zu ſanctioniren, ſondern pflegten eine freie Mei⸗ nung zu bewahren und namentlich Standesgenoſſen da höchſtens mit Gefängniß und Verbannung zu beſtrafen, wo jeder Laie mit dem Tode hätte büßen müſſen.4) Wenn daher die Synode den Deſiderius ſeiner Würde entſetzte, ſo iſt Grund zu der Annahme vorhanden, daß er ſchwerer gefehlt habe, als mit einer Schmähung der Brunichilde geſchehen war. Was er in der Verbannung gethan, iſt uns unbekannt, indem wir nur wiſſen, daß er auf Antrieb des Biſchofs Aridius von Lyon und der Brunichilde von Theoderich geſteinigt worden ſei. An ſeinem Grabe geſchahen nachmals ſo viele Wunder, daß man glaubte, daß um ſeiner Hin⸗ richtung willen das Reich des Theoderich zerſtört worden ſei. 2)
Ueber das Verhältniß Brunichildens zu Columbans) ſetzt uns die vorhandene Biographie deſſelben in nähere Kenntniß. Jonas, der Verfaſſer der vita S. Columbani, lebte um 650 und ſtand der Zeit, welche er beſchrieb, ſo nahe, daß er ein wichtiger Gewährsmann wäre, wenn er nicht zu ſehr von der Abſicht geleitet würde, Columban von jedem Fehler rein zu waſchen und deſſen Verdienſt ſelbſt da hervorzuheben, wo es anderen als zweifelhaft erſcheint, und in dieſem Beſtreben ſein ungetrübtes Urtheil verlöre. Wer dem Jolumban zu nahe tritt, erſcheint ihm als ſchlecht und jedes Verbrechens fähig, und da Brunichilde das Unglück hatte, mit dem Heiligen in unangenehme Berührung zu kommen, ſo iſt es nicht zu verwundern, wenn Jonas in ihr eine zweite Jeſabel ſieht und, ohne lange nach einem Beweiſe zu fragen, alle Schuld auf ihr Haupt wälzt. Die ſchlechte Verfaſſung, in welcher ſich die Kirche Galliens befand, bewog den iriſchen Mönch Columban auf Aufforderung Gunthramms nach Frankreich zu gehen und dort mit allen Mitteln dem inneren Verfalle des Chriſtenthums entgegen zu treten. Er ſtiftete daher eine Kloſterregel, welche ihren Bekennern durch ihre Strenge und Enthaltſamkeit bald den Ruf der Heiligkeit verſchaffte und viele zur Nacheiferung veranlaßte. Dadurch aber, daß er in Nebendingen, wie in der Tonſur und Oſterberechnung, ſich mit der römiſchen Kirche nicht in Einklang zu ſetzen wußte, ſchadete er ſeinem Anſehen und kam in eine Differenz mit Gregor I. und Bonifacius IV., welche wahrſcheinlich ſeine Entfernung aus Frankreich bewirkte, weil der Papſt die fränkiſche Kirche von dem Stuhle Petri abhängig zu machen ſuchte und darum keine von der römiſchen Anſicht abweichenden Lehren dulden konnte. Anfangs von Theoderich geſchützt, hatte Columban den Koͤnig ſich entfremdet, weil er mit Recht an dem wüſten Leben deſſelben Anſtoß nahm und die Entfer⸗ nung der Nebenweiber verlangte. Theoderich war auch willig zu gehorchen:„da trat aber die alte Schlange zu ſeiner Großmutter Brunichilde, die eine zweite Jeſabel war, und regte ſie mit dem Stachel des Hoch⸗ muthes gegen den frommen Mann auf, weil ſie ſah, daß Theoderich ihm gehorſam ſei, und befürchtete, daß, wenn nach Verſtoßung der Kebsweiber eine Königin am Hofe befehle, ihre Macht und Ehre Abbruch erleide.“4) Als daher Columban eines Tages bei Brunichilde war, führte dieſe die Söhne Theoderichs zu ihm, damit er ſie ſegne, Columban aber weigerte ſich, um nicht das ſündige Verhältniß, aus dem ſie entſproſſen waren, anzuerkennen, und zog ſich die völlige Ungnade des Königs zu. Dieſer Umſtand wurde wahrſcheinlich von
¹) Man vergleiche das Benehmen der 45 zur Verurtheilung des Prätertatus nach Paris gerufenen Biſchöfe bei Greg. 5, 19; die milde Beſtrafung der Straßenraub treibenden Biſchöfe Salonius und Sagittarius 5, 21, die des Urſicinus 8, 20, des Hochverräthers Egidius 10, 19. u. a. m. ²) Fred. 32. Per quod credendum est, pro hoc malo gesto regnum Theuderici et filiorum suorum fuisse destructum. Vergl. Ionae vit. Col. 27. 1 ³) Man vergl.„Herzog, Realencyclopädie für proteſtantiſche Theologie“ s. v. Columban.— ⁴) Das Leben des h. Columban, überſetzt von Abel(in der Sammlung der Geſchichtſchreiber der deutſchen Vorzeit in deutſcher Bearbeitung herausgegeben von Pertz u. a.) c. 18. u. 19. Fred. 36. Mentem Brunichildis aviae, se- cunda ut erat Iezabelis, antiquus anguis adiit eamque contra virum Dei stimulatam superbiae aculeo ex- eitat, quia cerneret viro Dei Theudericum obedire. Verebatur enim, ne si abjectis concubinis reginam aulae praefecisset, dignitatis atque honoris sui modum amputasset. 3
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