Aufsatz 
Untersuchungen über das hessische Schulwesen zur Zeit Philipps des Grossmütigen / von Max Georg Schmidt
Entstehung
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beanspruchen habe und sträubte sich heftig dagegen,das die schuler und andere sollten ihren Lauff unnd gang uff dem Blatz bei dem born und Kirchhoff. so sie allewege zur blich und andern gebrauch gehabt habe, vornemen. Erst nach langen Verhandlungen wurde eine Einigung herbeigeführt, indem die Wohnung der alten Stiftsdame durch eine Mauer von dem neuen Schulgebäude getrennt wurde.¹) Wo aber solche Klosterräumlichkeiten nicht vorhanden waren., scheint es um das Schulgebäude jämmerlich bestellt gewesen zu sein, da es wohl zumeist an den nötigen Mitteln zur Errichtung und Unterhaltung der Gebäude fehlte., selbst wenn der gute Wille dazu vorhanden war. Als im Jahre 1570 in Butzbach Visitation stattfand, wurde fest- gestellt²) das die schul bawfellig und zu so viel schul knaben allbereit zu klein sey; weil dan ein steinern Baw, die Capell oder Kerner genannt uf dem Kirchhoff stehet so der schuell. dienlich sein erachtett, so ist der vier Hern Keller bevohlen worden, das sie ettliche des Ratts auch Predicanten und schulmeister herzu erfordern solche besichtigen und berattschlagen, wie es mit wenigsten kosten zur schul angericht werden möge. Auch in Kassel beschwert man sich darüber¹)das der Hauffe in der schule zu gross ist und der underschiedliche fleiss uf die Kinder gehörig dermass nicht gescheen kan, sowie dals die Schule zu abgelegen sei, so dalsden cleynen Kindern der Schul- gangh uf die Freiheyt zu schwer unddie Kinder derhalben frosst leiden vnnd gefhar uffen Eiss unnd wan es Regenwetter ist, bestehen müssen. Aus Eschwege berichtete¹) der Salzgrebe Becker zu Sooden(vor der Übersiedelung der Schule in das Cyriax- stift) an den Landgrafen, er habe auf seinen Befehl die jetzige Schule besichtigt undvil junge Knaben in die zweihundert ge- funden, ist gar enge, das sie sich darin nit behalten konnen. Er empfiehlt deshalb als Schullokal, auf dem Cyriaxbergezwei alte wuste Closterbew, dem Einsturz nahe und zu Fruchtböden nicht mehr zu gebrauchen. Auf den Dörfern mag es hinsichtlich des Schulgebäudes noch schlimmer bestellt gewesen sein. Dals man dem wenigstens nicht gleichgültig gegenüberstand und daſs der gute Wille, nach Kräften zu bessern, vorhanden war, beweist die Verfügung?) dass die Superintendenten bei ihren Visitationenauch vnderweilen die Schul selbst besichtigen, in was standt die seyen. ¹) Vergl. Hochhuth, S. 108 f. ) Diehl, Urkundenbuch I, S. 494.

3) Urkunde bei Weber als Beilage I, S. 3. 4) Hochhuth, S. 112. ³) Landes-Ordnung, I, S. 421.