Aufsatz 
Untersuchungen über das hessische Schulwesen zur Zeit Philipps des Grossmütigen / von Max Georg Schmidt
Entstehung
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Freiheit unterschieden und in Marburg!) wird schon 1284 ein Geistlicher Konrad als magister scholarum erwähnt. Aulserdem scheint es, als ob hier die Kugelherren,²) d. h. die nach ihrer mantelkappenähnlichen Kopfbedeckung genanntenBrüder des ge- meinsamen Lebens, die durch ihr Interesse für Schulfragen sich verschiedentlich bekannt gemacht haben, eine Privatschule für die Söhne angesehener Bürger und Adliger unterhielten.

Alle diese Lehranstalten, ob Stifts- oder Stadtschulen*) waren ohne besonderen Unterschied unter Leitung von Klerikern stehende F'achschulen. Hier wurde das gewöhnliche Kirchenlatein mit etwas Trivium und Quadrivium(Lesen, Schreiben, Rechnen. Singen) getrieben oder man lehrte nur Lesen. Schreiben und etwas Religion alsgemeine deutsche Alphabet und Schreibschuel. Es wurde demnach in diesen Unterrichtsanstalten auf Charakterbildung und religiös-sittliche Erziehung überhaupt kein Wert gelegt, sondern man betrachtete die Schule nur als Mittel zum Zweck der Aus- übung eines bestimmten kirchlichen oder weltlichen Berufes. Manche dieser Schulen haben sich zeitweilig sogar einer hohen Blüte erfreut, z. B. die von Butzbach unter der Leitung eines so hervorragenden Mannes wie Gabriel Biel, oder die von Kassel) und die von Wetter, von der es heiſstdaſs diese Stadt so viel vortrefliche hoch- gelehrte Männer in allen Facultäten als sonst keine Stadt will sagen nicht allein in Hessen, sondern auch wohl in gantz Deutsch- land in so kurtzer Zeit aneinander gegeben hat' aber das hing doch meist von zufälligen Umständen, insbesondere von der Tüchtigkeit der jedesmaligen Lehrer ab. Gerade in der Reformationszeit scheint, es mit den hessischen Schulen übel bestellt gewesen zu sein; wenigstens berichtet der Chronist Lauze 1527 in seiner Chronik: die Jugend also ist verfuret worden, das irer wenig meher studiert haben und sich dafur gemeineglich zu anderen sitzenden Hand- werken begeben. Davon nu die studia allenthalben in Landen und Stetten gefallen und verloschen, die Schulen wuste gemacht und niemand seine Kinder mehr hat zur Schul halten wollen, auch die

¹) Vergl. Landau, Zeitschr. f. hess. Gesch., Band IV, Heft 3, S. 276. ) Vergl. Wintzer, Die Schule der Kugelherren in Marburg. Jahrg. XIII. Heft 3 der Kehrbachschen Mitteilungen.

3) Es kam uns nicht darauf an, in obigem ein vollstündiges Verzeichnis der vorreformatorischen Schulen Hessens zu geben, sondern wir wollten damit nur die reiche Fülle der schon damals vorhandenen Schulen andeuten.

) Winkelmann II. S. 287 berichtet, dafs i. J. 1528 vier Bürgersöhne aus Kassel, vierer Fürsten Canzlar gewesen als Ludwig Förster des Erzbischofs von Trier, Johann Förster des Lüneburgischen, Johann Menkel von Osnabrück und Georg Nuspicker Vicekanzlar von Hessen. ) Vergl. die oben erwähnte Chronik von Wetter. S. 78.