Aufsatz 
Untersuchungen über das hessische Schulwesen zur Zeit Philipps des Grossmütigen / von Max Georg Schmidt
Entstehung
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Philipps des Groſsmütigen auch nicht entfernt von so bleibender Bedeutung für das ganze Land wurde wie die Gründung der alma mater, so hat sie doch auf das geistige Leben in Hessen einen aufserordentlich wirksamen und nachhaltigen Einfluls geübt und damit eine lebhaftere und innigere Teilnahme des Volkes an dem grolsen weltbewegenden Kampfe begründet.

In den meisten gröſseren Orten des damaligen Landgrafentums bestanden schon in vorreformatorischer Zeit Unterrichtsanstalten, die hier wie auch sonst in deutschen Landen, entweder im Anschluſs an ein Kloster oder Stift vom katholischen Klerus geleitet wurden. oder die seitens der Stadtverwaltungen ins Leben gerufen waren. So bestand seit 1419 in Darmstadt eine Kaplanschule¹), in Zwingenberg*) wird 1504 eine Schule urkundlich erwähnt, und auch in Schotten und Homburg gab es bereits vor der Refor- mation Schulen. ² In Alsfeld und Grünberg gab es schon im 14. und 15. Jahrhundert eine Stifts- und eine Stadtschule, ¹) in Butzbach? wirkte 1382 ein Kindermeister, und in der Schule zu Nidda lernte ums Jahr 1508 Erasmus Alberus den Donat lesen. Das Stift Wetterö besals schon ums Jahr 1460 eine blühende Gelehrtenschule, in Frankenberg wurden Euricius Cordus und Eobanus Hessusin allerlei art guter künste und sonderlich der kuͤnst versse zu dichten trewlich underwiessen,) in Allendorf und Eschweges) war zeitweise Petrus Nigidius tätig, und auch in St. Goar und Schmalkalden, in Battenberg und Bieden- kopf bestanden die Schulen?) schon in frühem Mittelalter. Auch die Schulen von Rauschenberg und Kirchhain sind vorrefor- matorisch, ¹⁰) in Kassel¹¹) werden ums Jahr 1470 in den Kämmerei- rechnungen die drei Schulen in der Alt- und Neustadt und auf der

¹) Stiftungsurkunde bei Diehl, die Schulordnungen des Groſsherzogtums Hessen. I. S. 481 ff..

2) Diehl, a. a. O. II. S. 6.

4) Vergl. Diehl II. S. 393.

) Vergl. Glaser, Beiträge zur Geschichte der Stadt Grünberg, S. 135 f. und W. G. Soldau, Zur Geschichte der Stadt Alsfeld, Progr. des Gieſsener Gymnasiums. 1862. S. 9.

5) Vergl. Diehl, Zur Geschichte der Butzbacher Lateinschule.

6) Plitt, Nachrichten von der oberhessischen Stadt Wetter und den daraus stammenden Gelehrten. Frankfurt, 1769.

) Vergl. Lauzes Chronik. II. 3. S. 282.

8) Vergl. Hochhuth, Erinnerungen an die Vorzeit uud Gegenwart der Stadt Eschwege.

) Vergl. Geisthirt, Acta Schmalcaldica in Supplemente zur Zeitschrift d. V. f. Henneberg. Geschichte und Landeskunde, sowie Gerlach Walthers, ersten ev. luth. Predigers zu Biedenkopf etc. Lebenslauf. S. 781 ff.

¹10) Diehl, a. a. O. I. S. 36.

¹¹) Weber, Geschichte der städtischen Gelehrtenschule zu Kassel, S. 9.