Aufsatz 
Untersuchungen über das hessische Schulwesen zur Zeit Philipps des Grossmütigen / von Max Georg Schmidt
Entstehung
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hochnotigen und ganz nutzlichen kunste samt den Gelerten bei dem gemeinen man daruber in grolse verachtung und verhassung

komen.¹) Ahnliche Klagen über den Verfall der Wissenschaften und ihr geringes Ansehen, enthält Philipps Gnaden- und Freiheitsbrief ²) der Universität Marburg: das heilsame, bewertte, gottselige

unnd freve kunsten unnd Sprachenn, Studia. Faculteten in gegen- wertigen geschwinden und seltzamen Leuffen an meher Ortten bey den eynfeltigen unnd unverstaendigen Layen dermalſsen unnd so hoch inn unwerdt unnd sichtparlich abkommen gefallen unnd noch ohn ablassen teglich fallen thun, das man auch alle bewertte kunsten, bether und gelerten mit Wurtzell ausgerott unnd hinweg genommen gern sehen wolte.. Auch von Schmalkalden) heiſst es, daſs die Schulemehr einer Wüsteney als einer Schule aehnlich gewesen sei.

Diese bereits bestehenden, aber damals wohl recht verkommenen Schulen galt es nun in evangelischem Geiste zu reformieren und diese sowie die neu zu begründenden Schulen den besonderen Zwecken der Reformatoren dienstbar zu machen.

Der Landgraf nahm sich selbst dieser Aufgabe mit regem Eifer an; wenn auch seine eigene Bildung keine übermäſsig groſse*) war. so brachte er doch der Wissenschaft und ihren Vertretern vollste Hochachtung entgegen und zeigte auch dem Unterrichts- weden warmes Interesse. Wilhelm Busch erzählt in seiner Chronik. 5) dals Philipp häufiguff die schul gangen. sich an den tisch bey jungen Hern(Seinen 4 Söhnen) gesetzt und zugehört, was der Praezeptor Inen fürgelesen. sonderlich aber wan der Historicus Justinus interpretiret worden, hat es Ihm trefflich wohl gefallen.

Einen verständnisvollen und unermüdlichen Helfer fand Land- graf Philipp in Adam Krafft aus Fulda.(Crato auch Vegetius genannt) der in Erfurt studiert hatte und als Freund Luthers und Melanchthons bereits 1525 von Philipp zum Hofprediger ernannt worden war. Seit der Gründung der Universität bis zu seinem Tode 1558 war er theologischer Professor in Marburg und wurde zugleich als Superintendent und Visitator das Hauptwerkzeug des Landgrafen bei der Ausbreitung und Befestigung der Reformation in Hessen. Seiner aufopferungsvollen Tätigkeit ist es in erster Linie zu verdanken, dals eine planmäfsige Reform des ge

¹) Vergl. Vormbaum, die evangelischen Schulordnungen des 16. Jahrh. I. S. 33.

) Vergl. Hildebrand, Urkundensammlung S. 6.

3) Diehl., a. a. O. II. S. 37.

¹) Vergl. Fuchs, Philipp der Groſsmütige und die gelehrte Bildung seiner

Zeit in den Quartalblättern des histor. V. f. d. Groſshzgt. Hessen, 1889, S. 257. 5) Vergl. auch Weber a. a. O. S. 69 Anm. 323.