Aufsatz 
Beiträge zur Frage der rationelleren Gestaltung des Gesangunterrichtes an den Gymnasien : mit besonderer Berücksichtigung der hessischen Verhältnisse
Entstehung
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Mit Beginn des Winterhalbjahres übernahm Herr Assessor Dr. Schmidt den bisher von Herrn Bergheimer erteilten Gesangunterricht. Der zu gleicher Zeit erfolgte Ankauf eines Flügels ermöglichte den wünschenswerten, eingehenderen Betrieb dieses Unterrichtsfaches.

Im Sommerhalbjahre wurde der Vormittagsunterricht durchgeführt, im Winterhalbjahre war dies bei den hiesigen Verhältnissen bis jetzt leider noch nicht angängig.

Mit Genehmigung der vorgesetzten Behörde wurden die auf den Samstag vor den Herbstferien fallenden beiden Unterrichtsstunden auf den Nachmittag des vorhergehenden Tages verlegt, um so den entfernter wohnenden Schülern die Heimreise an einem Tage zu ermöglichen. Die bis jetzt noch wenig günstigen Eisenbahnverbindungen gestatten dies ebensowenig wie den Besuch unserer Anstalt vonseiten der Schüler aus Villingen, Hungen u. a. O.

Der Unterricht begann mit behördlicher Erlaubnis schon vom 15. Februar an wieder um 8 Uhr und soll in dem nächsten Winterhalbjahre bis zum 15. November um dieselbe Zeit anfangen.

Stenographischer Unterricht wurde von G. Wessel(1b) einer grösseren Anzahl von Schülern erteilt.

Am 3. März wohnte der Superintendent der Superintendentur Giessen, Herr Prälat Dr. Habicht, dem evange- lischen Religionsunterrichte in sämtlichen Klassen bei.

3. Reifeprüfungen. Am 10. August fand unter dem Vorsitze des Unterzeichneten die mündliche Reifeprüfung der oben aufgeführten sieben Abiturienten statt, die sie sämtlich bestanden.

Am 23. Oktober unterzog sich der stud. theol. Heinrich Beuer aus Freienseen mit Erfolg einer Prüfung im Hebräischen.

Am 21. Februar bestanden die oben angegebenen elf Abiturienten die mündliche Reifeprüfung, in der Herr Geh. Oberschulrat Soldan den Vorsitz führte. Zwei Oberprimaner konnten sich an der Prüfung nicht beteiligen, da sie noch nicht die vorgeschriebene Zeit die Prima besuchten

Am 23. März wird sich der stud. theol. Ernst Becker aus Nieder-Gemünden einer Ergänzungsprüfung im Lateinischen und Griechischen unterziehen.

4. Schulfeiern. Zum ersten Mal war es uns in diesem Schuljahre vergönnt, die öffentlichen Schulfeiern in den eigenen Räumen zu veranstalten. Der Zeichensaal des Neubaues wurde von den Herren Dr. Wetzell und Osswald unter Beihilfe des Unterzeichneten mit Wappenschildern, Kronen, Fahnenbündeln und-Draperien in den deutschen, hessischen, sächsischen und solms-laubachischen Farben geschmückt. Wir verfehlen nicht, den beiden genannten Herren auch hier dafür herzlich zu danken.

Die Geburtsfeste I. K. Hoheiten des Grossherzogs und der Grossherzogin sowie S. M. des Kaisers wurden an den Vorabenden mit Klaviervorträgen des Herrn Dr. Schmidt bezw. dieses und des Friedrich Wetzell(IIIa), mit Vorträgen der Schülerkapelle, mit Gesängen des Männerchors sowie des gemischten Chors und mit Deklamationen gefeiert. Die Festreden hielten der Unterzeichnete über die grosse Landgräfin uud Herr Dr. Keller über die religiöse Duldung der Hohenzollern. Beide Festlichkeiten hatten sich eines äusserst zahlreichen Besuches von seiten des gräflichen Hauses und der übrigen Bewohner von Laubach zu erfreuen.

Sr. Erlaucht dem Grafen Friedrich zu Solms-Laubach, dessen idealem Sinne unsere Anstalt ihre Entstehung verdankt, sprach am 22. November zu seinem fünfundzwanzigjährigen Regierungsjubiläum eine Abordnung, bestehend aus dem Unterzeichneten und den Herren Dr. Wetzell und Dr. Schmidt, die Glückwünsche des Gymnasiums aus. An dem ihm von der gesamten Bürgerschaft Laubachs dargebrachten Fackelzuge beteiligten sich sämtliche Schüler und das Lehrerkollegium. Bei der an demselben Abend stattfindenden geselligen Zusammenkunft der Schüler der vier oberen Klassen entwarf nach einem Hoch auf Kaiser und Grossherzog Herr Dr. Roeschen ein eingehend gezeichnetes Lebensbild des hohen Jubilars und brachte das Hoch auf ihn aus. Se. Erlaucht Graf Friedrich betonte in seiner Erwiderung den Wert der Ideale gegenüber dem heute stark hervortretenden Materialismus in warmen Worten, die einen nachhaltigen Eindruck insbesondere bei den jüngeren Zuhörern hinterliessen. Der Männerchor unter Leitung des Herrn Dr. Schmidt verschönerte die Feier durch eine Reihe von Gesängen.

Uber eine noch in der Vorbereitung begriffene Aufführung von Sophokles' Antigone, die ohne Kostüme mit der Mendelssohnschen Musik stattfinden soll, und um deren Zustandekommen sich die Herren Professor Dr. Mohr, Dr. Wetzell, Assessor Osswald und Dr. Schmidt mit dankenswertem Eifer bemühen, werden wir im nächsten Jahre berichten.

5. Gesundheitliches. Der Gesundheitszustand des Lehrerkollegiums war günstig. Von den Schülern mussten im Laufe des Monats Juli vierundzwanzig auf ärztliches Anraten hin wegen eines leichten Anfalls von Bindehaut- entzündung für kurze Zeit von den laufenden Arbeiten befreit werden.

Die auch aus gesundheitlichen Rücksichten angeordneten Spaziergänge wurden monatlich ausgeführt. Der Tagesausflug fand am 23. Juli statt.