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3) Erweiterung der Musikgeschichte und der musikalischen Formenlehre vom Standpunkt der Kulturgeschichte und in Anknüpfung an die specielle Litteraturgeschichte.
a. Kirchenlied im Anschluss an den deutschen Unterricht.(Liederschatz der evangel. Kirche, Form der Gesänge, ästhetische Beurteilung, Kirchenlied und Volkslied, Komponisten.)
b. Volkslied. Wiederholung des Pensums früherer Klassen. Asthetische Würdigung. Erweiterung einzelner Kulturbilder. Besondere Beachtung ist dem Zeitalter der Reformation zu schenken im Anschluss an das unter a. behandelte Pensum.— Eine detaillierte Behandlung dieses Stoffes behalte ich mir für eine weitere Arbeit vor.—
Soldaten-, ¹) Marsch-, Zunft-, Wanderlieder. Einzelne Lieder, die bei einem denkwürdigen Greignisse gesungen wurden und so historischen Charakter haben(z. B. Böhme 400.— Schmalkaldischer Krieg— Schlacht bei Mühlberg).
c. Unsre Dichter in ihrem Verhältnis zur Musik. Dabei genauer Schiller, Goethe, ²) Schubert,
Schumann, Franz.— Einige Lieder(darunter auch Mendelssohn'sche) können in der Einzel- gesangstunde gesungen werden. Sie bilden eine willkommene Abwechselung.— Im Anschluss
an das Deutsche: Die Betonung des Neuhochdeutschen. Tonhöhe, Tonstärke. Hochton, Tiefton. Untersuchungen über das Verhältnis der sprachlichen zur musikalischen Betonung im Anschluss an recitativische Partien und die gesungenen Lieder. Hierbei können Bach und Händel ihre Erledigung finden. 3
d. Typen der Komposition. Uberblick über die Oper im Anschluss an die antike Tragödie. Die Bedeutung des Chores. Zusammenfassung der zerstreut erwähnten Bemerkungen über Recitativ, Liedform, Chorsatz zu einem UÜberblick über das Wesen des Oratoriums.
4) Elemente der Harmonielehre: Dreiklang, Septimenakkord, Orgelpunkt, Cadenzen. Anschluss an die Physik..
5) Kenntnis des Princips des Baues einiger neueren Instrumente im Anschluss an die Physik. Schwingende Zungen(IHoboe, Fagott der Orgel). Instrumente mit einfachem und doppeltem Rohrblatt, Windsäule(Flöte), schwingende Saiten(Violen), Schlaginstrumente. Orgel, im Anschluss an die im Physikunterricht behandelte Wasserorgel. Demonstrationen durch den Besuch einer Kirchenorgel oder nach einem guten Modell.— Monochord. Obertöne, Untertöne. Flageolettöne. Chladni'sche Klangfiguren. Longitudinalschwingungen(Blasinstrumente), Transversalschwingungen(Saiteninstru- mente). Es liegt auch in der Natur der Sache, dass der Schüler über den Bau des Instrumentes, welches er neun Jahre lang vor sich sieht(Klavier), nicht im Unklaren bleiben darf.
Wenn dies alles tüchtig durchgearbeitet sein wird, darf man hoffen, dass der Schüler so vorgebildet von der Schule entlassen wird, dass er auf einer gesunden Grundlage weiter bauend im Leben selbst immer mehr in das Verständnis der höchsten Kuust eindringen kann. Er hat dann nicht mehr zu befürchten, sich in ernstem Gespräche Blössen zu geben, die eines allseitig gebildeten Mannes unwürdig sind. Dann werden auch diejenigen immer seltener werden, die ein gewisses Wohlbehagen verspüren, wenn sie sich als„vollständige Ignoranten“ brüsten können.—
Der Chorgesang.
Liegt auch nach unsren Darlegungen der Schwerpunkt des Gesang-(Musik) Unterrichts in den Einzelstunden, und herrscht ferner in diesen die Homophonie, so wird es doch uns nicht beifallen, auf die Polyphonie in der Schule ganz zu verzichten. Der vierstimmige a capella-Gesang soll das Facit des Einzelunterrichts bilden. Er darf aber nicht die einzige Art der Musikübung auf der Schule sein. Wenn wir weiter beachten, dass ihm auf der Schule natürliche Grenzen gezogen sind, so ist es fasst ein glücklicher Umstand zu nennen, dass ihm eine verhältnismässig geringe Stundenzahl zu teil werden kann. Natürlich sind die Grenzen, insofern alle Schüler (oder, wo lokale Schwierigkeiten es verbieten, wenigstens die grössere Zahl) an ihm teilnehmen müssen, sobald sie durch ihre Leistungen in der Einzelstunde das Recht zum Eintritt erworben
1) Soldaten- und Kriegslieder aus fünf Jahrhunderten(1386— 1871) von Hans Ziegler. 2) Hierzu vgl. u. a.: Mus. Korrespond. der teutschen phil. Gesellsch. 1792 S. 209.— Briefwechsel zwischen Grethe und Schiller.— Samml. mus. Vorträge 18.— Friedländer, Goethejahrbuch 1896.


