— 18—
Im Anschluss an den naturwissenschaftlichen Unterricht(im Wintersemester) Belehrung über den menschlichen Kehlkopf mit besonderer Berücksichtigung des Singens. Hierbei empfiehlt sich die Anschaffung eines Modells wie z. B. des Apparats zur plastischen Darstellung der Lautbildung in den menschlichen Stimm- und Sprachorganen von Aug. Böhm-Köhler.(Preis in vierfacher Vergrösserung für Schulen M. 100). Der Apparat besteht aus drei Hauptteilen(Kehlkopf, Rachen- raum, Mundraum) und 22 Nebenteilen: grossem Kopfteil mit abnehmbaren Backen und Mund, halben Oberkiefern mit hartem Gaumen, drei Gaumen mit Gaumsegeln und Zäpfchen, Rachenwand, neun Zungen, drei Kehlköpfen und einem Messing-Drahtwinkel, der den Tonstrom darstellen soll.— Gesangshygieine mit Rücksicht auf die bald eintretende Mutation. Erklärung ihres Wesens, soweit man dies Schülern klar machen kann, und Vorschriften über das Verhalten in jener Zeit.
In der Musiktheorie: Erweiterung der Kenntnis der musikalischen Termini. Verbindung der Dreiklänge. Ausgedehnte UÜbungen auf dem Papier und im Kopf. Der Septimenakkord. Die Moll- Tonleiter harmonisch und melodisch. Belehrung über das Wesen des Kanons(im Anschluss an die praktische Musik früherer Klassen). Einige ästhetische Betrachtungen.
Die Kenntnisse in der Rhythmik werden erneuert bei der Einführung in die Ovidlektüre.
II. Der Mutationskursus
vereinigt alle kurz vor der Mutation, in ihr und kurz nach ihr befindlichen Schüler. Er umfasst eigentlich die Klassen IIIa, IIb, IIa, jedoch singen diejenigen Schüler der IIIa, die noch nicht. mutiert haben mit IIIb und ebenso die der IIa, die vollständig mutiert haben mit I.
Gesangliche UÜbungen sind der Natur der Sache nach hier ganz ausgeschlossen. Aber ist es deshalb nötig, den Unterricht auszusetzen? Ganz und gar nicht! Hier bietet sich dem Lehrer ein willkommenes Feld für seine theoretischen Unterweisungen, hier kann er manches ausführ- licher behandeln, wozu ihm vielleicht in einer früheren Klasse die Zeit mangelte. Da in diesem Kurs alle Mutierenden vereinigt werden, muss der Lehrer einen sich über drei Jahre erstreckenden Lehrplan entwerfen, so dass schliesslich jeder Schüler in IIa das ganze Pensum, wenngleich auch von verschiedenen Punkten ausgehend, kennen gelernt hat. Vor allem käme in Betracht, dass der Schüler mit den wichtigsten Abschnitten der Musikgeschichte bekannt gemacht wird, besonders der klassischen Entwickelungsperiode. Aber Bach, Händel, Haydn, Mozart, Beethoven, Schumann sollen nicht blosse Namen bleiben, der Lehrer müsste auch dafür sorgen, dass der Schüler diese Meister und ihre Werke liebgewinnt, sich keine Gelegenheit entgehen lässt, der letzteren Bekannt- schaft zu machen und ihre Kenntnis als ebenso wichtig, wie die der poetischen Litteratur auf- zufassen.(Vortragsabende durch Lehrer und Schüler, richtige Auswahl der Gesamtchöre, Er- leichterung des Konzertbesuches für Schüler, Kontrolle der häuslichen Musik.)
Diese musikgeschichtlichen Belehrungen dürften sich wohl über drei Jahre sich einander ergünzend hinstrecken. Zeitweilig unterbrochen werden sie durch theoretische Ubungen. (Verbinden der Akkorde und zusammenfassende Repetitionen— Wesen der Kadenz. Schluss.) Erweiterung der Kenntnis der Dynamik und Rhythmik. Ausgedehntere aesthetische Betrachtungen.
Eine besondere Pfléege gestattet diese Stufe dem Musikdiktat. Mit ihm allein kann ein grosser Teil der zur Verfügung stehenden Zeit(wöchentlich eine Stunde) ausgefüllt werden. In ausgedehnterem Masse empfehlen sich ferner Transpositionsübungen..
Will man die abstrakte Theorie, die naturgemäss bei dem Schüler weniger Interesse findet als die praktische UÜbung, zeitweise unterbrechen, so bietet sich neben der Repetition des anatomischen Pensums der IIIb und neben den musikgeschichtlichen Exkursen Gelegenheit, die im täglichen Verkehr vorkommenden Instrumente einer Besprechung zu unterziehen. Nicht ausgeschlossen sollen hierbei sein die weniger„konzertfähigen“ aber weitverbreiteten Instrumente wie Lither, Harmonika, Pfeife u. s. w. Selbst die Erklärung einer Okarina oder eines Trumscheites u. ä. wird dankbare Hörer finden. Kurz all' die Dinge, die der Schüler täglich sieht oder hört, können hier ein für allemal erledigt werden..


