Aufsatz 
Beiträge zur Frage der rationelleren Gestaltung des Gesangunterrichtes an den Gymnasien : mit besonderer Berücksichtigung der hessischen Verhältnisse
Entstehung
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Besitz obligatorisch werden müsste, macht den Besitz eines eigentlichen Lehrbuches(s. o.) ent- behrlich. Auf diese Weise könnte eine grosse Anzahl Choräle gesungen werden, und zugleich wäre der idealen Seite genügt. Betreffs des Choralsingens, welches man auf höberen Schulen seltener trifft, sei noch folgendes bemerkt:

Gewöhnlich hängt der Gebrauch des Singens im Religionsunterricht von der Fähigkeit des unterrichtenden Lehrers ab. Selbst aber, wenn dieser imstande ist, den Choral zu intonieren, muss sehr oft die Gefahr nahe liegen, dem jugendlichen Organ Schaden zuzufügen. Denn da der Religions-

lehrer meist nicht so weit, als es erforderlich ist, über die Anforderungen des Gesangunterrichtes orientiert ist und auch seine Schüler in dieser Hinsicht nicht kennt, liegt die Gefahr nahe, den Schülern Gesang zuzumuten, den sie ohne Schaden zu nehmen nicht ausführen können. Soll das Singen absolut unentbehrlich sein, so liesse sich vielleicht irgend ein musikalischer Schüler finden, der die Intonation an Stelle des Lehrers übernimmt, und für dessen Ausbildung spezielle Sorge getragen werden könnte. Auch betreffs der Auswahl der einzelnen Choräle müsste eine Verständigung zwischen Gesanglehrer und Religionslehrer stattfinden(so weit die Choräle nicht durch die Kirchen- behörde vorgeschrieben sind).

Die Verwertung des Chorals und des Volksliedes als Typen musikalischer Komposition und Denkmäler geschichtlicher Entwickelung gehört erst auf eine höhere Stufe. Wie das Folgende zeigen wird, will unsere Abhandlung gerade auf den oberen Klassen, die nur zu wenig berücksichtigt werden, einen intensiveren Betrieb des musikalischen Unterrichtes herbeigeführt sehen, weshalb wir für die eingehendere Behandlung vorliegender Materie eine höhere Klasse annehmen, ganz abgesehen davon, dass der Quintaner auch bei eingehender Belehrung doch nur geringen Vorteil von einer ihm ziemlich ferne liegenden Materie haben würde. Auf der Unterstufe mag deshalb in der Behandlung dieser Materie nur eine unbewusste Vorbereitung für jene höheren Stufen erblickt werden. Charakteristisch für die bisherige Betreibung des Gesangunterrichtes, soweit sie sich aus Programmen ersehen lässt, ist der Umstand, dass nach ihnen die theoretische Behandlung des musikalischen Pensums meist da abschliesst, wo sie beginnen sollte. Gewöhnlich wird in VI IV das rein theoretische Pensum erledigt, während für III I nur der Chorgesang existiert.

Neben den Anknüpfungen an den Religionsunterricht eröffnet sich dem Gesanglehrer in Quinta- ein weites Feld zur IIlustration der Thatsachen der Geschichte, zur Erzeugung von typischen Bildern, zur Erweiterung der im deutschen ÜUnterrichte erarbeiteten Vorstellungen. Der hessische Lehrplan(§ 2, S. 5) verlangt, dass in V möglichst in Ubereinstimmung mit dem Geographieunter- richt eine Anzahl von Bildern aus der deutschen Geschichte bis zu Kaiser Wilhelm I. vorgeführt wird. Hierbei kann bisweilen eine enge Verbindung zwischen dem gegebenen Geschichtsbild und den Chorälen, die auch in der älteren Originalform gesungen werden müssen, geschaffen werden. So passen zu dem BildeLuther: Luthers Glaubens- und Heldenlied(Böhme 629); Gegen die Feinde der Kirche(Böhme 632 a); als Schlussbild(am Ende des dreissigjährigen Krieges): Nun danket alle Gott(Böhme 646).

Karl des Grossen Lebensbild wird veranschaulicht durch die altdeutsche Weise(15. Jahrh.) In seiner Pfalz zu Aachen(mit dem modernen Text von Schöberlein). Sollte von den Kreuz- fahrern die Rede sein, so passen Böhme 271 und 568, von Landsknechten Böhme 419. 420. Die Türkennot wird llustriert durch Böhme 397(aus der Zeit von 1520 40) und durchPrinz Eugen, der edle Ritter(1697), der Fall Magdeburgs(im Anschluss an das Lebensbild Philipps des Grossmütigen) durch Böhme 405.

Der grössere Teil dieser Lieder kann, von einigen Verbesserungen und Kürzungen abgesehen, nach dem Originaltext gesungen werden, ohne dass man dabei auf besondere sprachliche Schwierigkeiten stossen wird. Besondere Beachtung werden ferner bei der Auswahl der Geschichts- bilder Friedrich II., die Freiheitskriege und der Krieg 1870-71 erhalten. Hierbei können für die beiden ersten gesungen werden(nach dem Vorschlag von Löwe a. a. O. S. 86): Friedrich des Grossen Feldzug (1757), Ditfurth, Fränkische Volkslieder II, 214. Die Prager Schlacht, ibid. II, 215. 1809-12: Schlesische Volkslieder von Hoffmann v. Fallersleben und E. Richter No. 255. Ditfurth II, 233, 234, 240. Schles. Volkslieder 257, 258. Dazu kämen noch: Hans Joachim von Zieten, Zu Mantua in Banden, Es geht bei gedämpfter Trommelklang u. a. Unter einem Gesichtspunkt lassen sich vereinigen: Wer ist ein Mann? Was ist des Deutschen Vaterland, Deutsches