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II. Im Anschluss an Lesestücke des Deutschen oder zur Vertiefung erarbeiteter Bilder:
1. Im Anschluss an die Thüringer Sagen(nach Montanus) die beiden Kulturbilderi):
a. Wie die Bewohner des Thüringer Landes zur Zeit der heiligen Elisabeth das Weihnachtsfest
feierten.. Zug nach der Kirche(Böhme, Altd. Ldb. 656), Gesang der Maria(Joseph, lieber Joseph mein, Böhme 521.²) Dann Böhme 524, Heimweg(Ach Tannebaum, B. 491).
b. Wie sie das Frühlingsfest feierten.
Auszug aus der Stadt. Gesang der Kinder(„Stab aus“) Böhme, Gesch. d. Tanzes II, 306.
Darstellung des Kampfes zwischen Winter und Sommer. Böhme, Ldb. 154, 1— 3. Auftreten des Sommerkönigs(„Der Mai tritt'rein mit Freuden“, Böhme 146, 1), Wechselgesang („Heut' ist ein freudenreicher Tag“, Böhme 272). Austreiben des Winters(Böhme, Gesch. d. Tanzes II, 10.)
Hier werden nur altdeutsche Volkslieder verwandt. Zur Ergänzung können aber auch Volkslieder in der heute vorliegenden Gestalt herangezogen werden, wobei sich öfters Gelegenheit bieten wird, dasselbe Lied bei verschiedenem Anlass zu verwenden.
2. Im Anschluss an geschichtliche Erzählungen: Heinrich I.(Dadelsen VI. Nr. 88.)„Herr Heinrich sass am Vogelherd“, an Barbarossa(Nr. 91)„Der alte Barbarossa“.
3. Die Jahreszeiten. Gedichte wie: Der Kampf des Winters und des Sommers(Hoffmann v. Fallersl.), Sehnsucht nach dem Frühling(ders.), Der frohe Wandersmann(Eichendorff), Wanderlust(Geibel), Sonnenaufgang im Mai(GClaudius), Sommerlied(Reinick), Einkehr (Uhland) u. S. w.:
dazu neben den unter 1. genannten die Lieder: Der Mai ist gekommen, Alle Vögel sind schon da, Goldne Abendsonne, Nachtigall, wie sangst Du so schön, Wem Gott will rechte Gunst
erweisen u. s. f. Altdeutsche: Böhme 142, Gesch. d. T. II, 10.
4. Die hohen Feste(Weihnachten, Ostern) im Anschluss an: Das Weihnachtsfest(Reinick), Gebet eines kleinen Knaben an den heiligen Christ(Arndt) u. a. Böhme, 511, 514, 515a (Es ist ein Ros entsprungen), 522. Desgl. Passionslieder und Osterlieder.(Auswahl in Praxis der Erziehungsschule VII, 2.).
5. Der Rhein als Mittelpunkt. Lesestücke: Der Rhein(Dadelsen VI, Nr. 129), Kaiser Wilhelm 1 (ibid. Nr. 104), Gedichte: Blücher am Rhein(Kopisch), Rheinweinlied(Claudius), Der Mäuse- turm(Kopisch). Lieder: Die Wacht am Rhein, Loreley, Zu Strassburg auf der Schanz, Sie sollen ihn nicht haben(Schumann).
6. Vaterländisches. Gedichte: Des Deutschen Vaterland(Arndt), Dem Vaterland(Hoffmann von Fallersleben), Mein Vaterland(Sturm) u. s. f. Lieder: Deutschland über alles, Die Wacht am Rhein, Heil dir im Siegerkranz, Es braust ein Ruf, Was blasen die Trompeten, Ich hatt; einen Kameraden, Reiters Morgenlied, Wohlauf Kameraden, Schlachtlied u. S. w.
7. Vielleicht bietet sich auch einmal Gelegenheit, ein einzelnes Stückchen aus der Naturgeschichte durch ein Lied zu illustrieren, z. B. der Kuckuck(Dadelsen 141)(Kuckuck rufts aus dem Wald), die Nachtigall(Nachtigall, wie sangst du so schön), die Schwalbe, der Hirsch(Es gingen drei Jäger) u. a.
Die Auswahl des reichen Stoffes wird immer etwas Subjektives bleiben. Auch muss es dem Lehrer überlassen sein, wie oft er auf die altdeutschen Lieder zurückgreift. Hier wird das Material der Klasse entscheiden. Jedenfalls aber muss der Lehrplan mit Beginn des Semesters gemeinsam durch den Lehrer des Deutschen und des Gesanges festgelegt werden.— Die Lieder selbst werden nunmehr nur nach Noten gesungen.(Der Text der altd. Lieder muss natürlich entsprechend ausgewählt werden, sofern der Inhalt dies verlangt.) Ist es auch klar, dass auf dieser Stufe ein eigentliches Singen nach Noten noch nicht vollständig erreicht werden kann, und wird auch immer noch das Vorspiel des Lehrers und die Nachahmung des Schäülers das eigentliche Lehrmittel sein, so darf doch nicht verkannt werden, dass auf diese Art das Gefühl für die Er- kenntnis der Intervalle und besonders auch der Rhythmik unmerklich gebildet wird.
¹) Nach Löwe, Die Stellung d. Gesangunterrichtes zur Asthetik und Kulturgeschichte, Jahrb. des Vereins für wiss. Päd. 26. Jahrg. S. 66. Vgl. Praxis der Erziehungsschule(herausg. von K. Just III, 1).
²) Ohne weitere Angabe ist immer das altd. Liederbuch gemeint. Neben Böhme lässt sich z. T. verwerten: 30 altdeutsche Volksmelodien mit grösstenteils neuen Texten von Wilh. Osterwald, bearb. von A. Saran.
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