— 11—
auf der Schule zwar gestattet, deren gründliche Pflege aber, weil der Schule unmöglich, der Bildungs- zeit nach Beendigung der Schule überlassen bleibe. Man täusche sich doch nicht! Einen schwierigeren Bach’'schen oder Händel'schen Chor wirklich zu verstehen, erfordert für den Durchschnittsmenschen ein gereifteres Alter als das unsrer Gymnasiasten. Diese aber mechanisch auf einige Chöre jener Meister zu drillen, hiesse dasselbe, wie einem Tertianer einige Kapitel aus Plato beizubringen. Bleiben wir daher bezüglich unserer Chorübungen bei dem Einfachen, dem Denkkreise der Schüler Entsprechenden, und überlassen wir das übrige der der Schulzeit folgenden Weiterbildung. Damit ist nicht gesagt, dass der Schüler im Unklaren bleiben solle über unsre grossen Meister. Auch bei ihnen findet sich manches, was schon auf der Schule herangezogen werden kann. Nur dagegen wollen wir uns verwahren, dass aus falscher Eitelkeit mit einer Auswahl von Schülern Ziele erstrebt werden, deren Berechtigung schlechterdings nicht anerkannt werden kann, sofern der musikalische Unterricht für alle da ist.
l. Kursus
umfassend Vorschulklasse I. VE-IIIa(II b) bezw. bis zum Mutationskursus.
Vorschulklasse I.
Auf dieser Stufe sollte die praktische Musik, dem Naturell des jüngeren Schülers ent- sprechend, vorwiegen. Kleine Lieder[Kinderlieder(von Reinecke, Taubert, Julius Hey), altdeutsche nach Böhme, Altd. Liederbuch(z. B. Nr. 493, 505, 512) und Böhme, Kinderlied,(a. v. St.), neuere Volkslieder(nach Böhme, Volkstümliche Lieder der Deutschen im 18. und 19. Jahrhundert u. a.)], zuerst nach dem Gehör, gegen Ende des Schuljahres vielleicht auch im Anschluss an die Noten gesungen, bilden den Unterrichtsstoff. So gering diese Forderung scheinen mag, so schwerwiegend ist sie trotzdem. Hier muss die Grundlage für gute Mundstellung, richtigen Gebrauch der Zunge, Aussprache, Atem- holen, Verwendung des Luftstromes, Behandlung der Register u. s. w., hier muss der Grund zu gutem, lauten Sprechen ohne Anstrengung d. h. mit richtiger Penat⸗une der Stimmmittel gelegt werden, hier kann also der häufigen Klage des„Leisesprechens- wirksam begegnet werden. Dieser Unterricht ist vielleicht der schwierigste dund einflussreichste des gesamten Pensums und erfordert viel Zeit.
Die Wechselbezichung zu dem deutschen Unterricht besteht darin, dass eine Anzahl Gedichte memoriert und gesungen wird. Welchen Wert die doppelte Behandlung eines Gedichtes im Deutschen und im Gesangunterricht haben muss, bedarf keiner weiteren Erläiuterungen. Die Festsetzung des diesbezüglichen Kanons richtet sich nach dem Deutschen und muss an jeder Schule speziell eingerichtet werden. Es empfehlen sich Lieder, die der jugendlichen Fassungskraft und dem jugendlichen Denkkreise entsprechen, die aber einerseits nicht nur unterhaltend, sondern auch belehrend, anderer- seits auch ausserhalb der Schule verwendbar sind. Bei der überreichen Menge guter Lieder sollte man nicht zu hartnäckig an einigen ziemlich„abgedroschenen“ Liedern hängen. Die oben genannten Sammlungen bieten reichhaltiges Material.
Die Erlernung der musikalischen Elemente erfolgt aus den durchgenommenen Liedern. Der Schüler muss die Begriffe finden: Höhe, Tiefe, Takt, Anfang, Schluss, forte, piano, crescendo, decrescendo(natürlich auf dieser Stufe noch keine Fremdwörter) u. s. W. Mit dem dritten Tertial beginnt die methodische Unterweisung in der Erlernung des Notensystems und der Rhythmik. Die Frage, ob Ziffernmethode oder eigentliche Notenschrift im Anfangsunterricht zu verwenden seien, ist oft behandelt worden. Neuerdings neigt man wieder mehr zur Ziffernmethode. Allerdings entspräche diese auch unseren Vorschlägen und würde sich logisch an die Begriffe Höhe und Tiefe anschliessen, aber die Hauptsache, das Gefühl für den Abstand der Töne zu bilden, muss bei beiden Methoden durchgearbeitet werden, ohne weder von der einen, noch der andern wesentliche Vorteile zu erhalten. Der Hauptmangel bei Anwendung der Ziffernmethode bleibt immer der, dass später die Umbildung in die eigentliche Notenschrift vorgenommen werden muss. Daher wäre wohl von ihrer Anwendung ganz abzusehen.
Die Konstruktion der Dur-Tonleiter und damit das Verständnis für die Bildung der andern(s. folgende Klasse) muss dem Schüler klar werden. C dur wird, wenn auch in dieser Tonart nicht alle Lieder gesungen werden können, der im Mittelpunkt stehende Lehrgegenstand sein.
2
Vorschul- klasse.
Ziffern- methode.


