Aufsatz 
Über den höchsten Zweck des grammatischen Unterrichts in der deutschen Sprache / vom Conrektor Schmidtborn
Entstehung
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wachſen oder die intenſive Vollkommenheit des Verſtandes als nothwen dige Folge nach ſich ziehen. Daß jedoch gerade dieſer Stoff, bedingt durch den höchſten Zweck des grammatiſchen Unterrichts, die Anwendung der entwickelnd erzeugenden Lehrform aus innerer Nothwendigkeit erfor⸗ dert, bedarf keines Erweiſes mehr. Er liegt ja im Menſchen, er iſt ihm zum Theil bekannt, zum Theil unbekannt, zum Theil hell, zum Theil dunkel und deswegen lediglich durch Aufforderung zur äußeren und inneren Anſchauung, durch Aufforderung zur ſelbſtthätigen Sprach⸗ und Selbſtbetrachtung, zum Vergleichen und Unterſcheiden und durch Unter ſtützung in dieſem Bemühen ins Reich der Klarheit zu erheben*).

Alles Mittheilen, Dociren und Vortragen im deutſchen Sprachun⸗ terricht ſteht ſonach in directem Widerſpruch mit dem Lehrſtoff wie mit dem zu erreichenden Ziel und dürfte darum eigentlich nur noch bei den⸗ jenigen Lehrern, deren höchſtes Streben auf das Erlernen der Formen, auf grammatiſche Terminologien und auf unverdauliche Definitionen zweck⸗ und erfolglos hingerichtet iſt, angetroffen werden? Das Vortragen des grammatiſchen Stoffs, ſelbſt wenn es ſtreng entwickelnd wäre(worin Schleiermacher Meiſter war), würde dennoch hier nicht zum Ziele füh⸗ ren, weil es nur mit ſicherem Erfolg bei dem im Denken geübten Ver⸗ ſtand, nicht aber beim Kindesgeiſt, der dem Vorgetragenen nicht zu fol⸗ gen und noch viel weniger es zu faſſen im Stande iſt, ſich anwenden läßt. Die entwickelnd⸗fragende Lehrform aber verhilft allein, der Natur der Sache nach, ganz leicht und ganz naturgemäß zum ſelbſtthätigen Be⸗ merken, Wahrnehmen, Betrachten und Erkennen der Sprache und ihres

*) Anmerk. 1. Seebode 1836, Bd. 18. pag. 272, Recenſ. uͤber Zerrenn. von Herm. Harleß:»Im Deutſchen holt man heraus, entfaltet, ordnet und kläͤrt auf, man faͤngt alſo auch mit dem bereitliegendſteu, am reichlichſt vorhandenen Material an; im Lateiniſchen pflanzt man ein, baut auf, baut weiter u. ſ. w.

Anmerk. 2. Peſtalozzi verlangt mit Recht:»Daß man Nichts dem Kinde als etwas Neues und Fremdes mittheile, was es entweder in fich ſelbſt vorfindet, oder von Bekanntem ausgehend, leicht erfaſſen kann, und rechnet daher auch die Regeln der Grammatik u. ſ. w.