31
ein helles Licht in der Seele des Lehrlings angezündet hat*). Wo man im Unterricht, dem Stoffe entſprechend, ſo verfährt, da kann die Foͤrde⸗ rung der intellectuellen Entwicklung, die ſich zu dieſem Verfahren wie die Wirkung zur Urſache verhält, nicht ausbleiben. Alle einzelnen Denk⸗ erweiſungen, welche der fragend entwickelnde Unterricht zum Selbſtfinden des Stoffs in Bewegung ſetzt und fortwährend darin erhält, müſſen durch dieſe häufigen Uebungen, außer denen es ja kein anderes Mittel gibt, an Leichtigkeit, Gewandtheit und Sicherheit im Begreifen und Urtheilen
*) Anmerk. 1. Allen Fragen, welche zur Wiederholung des Erlernten die⸗ nen, nebſt denen, welche wohl gar dem Lehrer die Antwort in den Mund legen, mangelt jede Geiſt bildende Kraft!— Iſt das richtige Stellen der Fragen eine ganz gleichgiltige Sache?—? Soll auf oͤffentlichen Pruͤfun⸗ gen vorgetragen und docirt oder examinirend gefragt werden?— 2—
Anmerk. 2. Von der Herrſchaft des Lehrers uͤber den Stoff, von ſei⸗ ner Gewandtheit, in dialogiſcher Form den Gegenſtand zu denken und darzu⸗ ſtellen, von ſeiner geiſtigen Klarheit und von ſeiner Lebendigkeit waͤhrend des Unterrichts, ſowie auch von ſeiner Gabe ſich in die Seele des Kindes zu verſetzen, wird das Gelingen des ſchwierigen Ziels entwickelnd und fra⸗ gend zu unterrichten, die Verſtandeskraͤfte zu erhoͤhen und das Material zum Bewußtſein zu bringen, alſo ebenfalls in hohem Grade abhaͤngig blei⸗ ben. Hoffmeiſter I, XIV.:»Daß der Sprachunterricht nicht mit einem Ballaſte vager unhaltbarer(ſogenannter) philoſophiſcher Beſtimmungen uͤber⸗ laden, andererſeits aber auch nicht rein empiriſch geſtaltet— daß er wahr⸗ haft bildend ſei, haͤngt groͤßtentheils von des Lehrers klarem Urtheile uͤber die Sprachgrundſaͤtze ab. Man halte doch ja nicht Alles fuͤr muͤßige, un⸗ nuͤtze Speculationen, was ſich nicht unmittelbar in unſerer Schulpraxis an⸗ wenden läßt. Nur der ſteht feſt, welcher, was er im Beſonderen urtheilt oder lehrt, allgemein zu begruͤnden verſteht. Jede Wiſſenſchaft kann nur aus ihren oberſten Gruͤnden wiſſenſchaftlich verſtanden werden und nur der wiſ⸗ ſenſchaftlich gebildete wird an Gelehrtenſchulen der gute Lehrer ſein koͤnnen.⸗
Diesterweg, Wegweiſer 1834, 18. Heft:»Nur derjenige Lehrer, welcher das innere Leben den Schuͤlern zum klaren Bewußtſein erheben, ihren Geiſt an rationellen Dingen zu entwickeln, zu ſtaͤhlen verſteht, iſt ein Jugendbild⸗ ner im eigentlichen Sinne des Wortes«
Anmerk. 3. Wurſt II, XXII.:»Der Schuͤler kann ſeine Antworten faſt mit mathematiſcher Gewißheit geben, und die Wahrheit der Sätze ſteht ebenſo wie bei der Zahlen⸗ und Raumlehre uͤber dem Lehrer und dem Lehrbuch.“«
Aumerk. 4. Vergl. Schwarz, Lehrbuch II, p. 68. 584, p. 67 u. 83.—
11


