Aufsatz 
Über den höchsten Zweck des grammatischen Unterrichts in der deutschen Sprache / vom Conrektor Schmidtborn
Entstehung
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Der hohe Werth eines ſolchen Lehrſtoffs in Abſicht auf intellec⸗ tuelle Bildung nimmt indeſſen noch durch die Sin ausſic einel Einfluſ⸗ ſes auf die Wahl der erforderlichen Lehrform, die hier anzudeuten iſt, in nicht geringem Maße zu. Die von dieſem Lehrſtoff aber mit Noth⸗ wendigkeit verlangte Lehrform ſelbſt hebt endlich jedes Bedenken über den wirklichen Ertrag, der aus dieſem grammatiſchen Unterricht für Ver⸗ ſtandesbildung hervorgehen muß*).

Iſt alſo der Stoff ein aus der unveränderlichen Geiſtesnatur her⸗ ſtammender, ſie offenbarender, in ihr befindlicher und kein von Außen herruhrender, ſo beſeitigt er durch ſeine Beſchaffenheit nicht allein jedes Schwanken über die Wahl der Lehrform, ſondern ſchreibt geradezu die Anwendung der entwickelnd⸗erzeugenden(erotematiſchen, katechiſirenden, ſokratiſchen) als die allein hierzu geeignete vor und weiſt die vortragende, gebende(akroamatiſche) als eine dem Weſen des Lehrobjekts durchaus widerſtreitende und rein unnatürliche mit Gewalt ab. Beide Lehrfor⸗

Reinbeck pag. 33:»Da alle Materialien zu dieſer Wiſſenſchaft im Geiſte ſelbſt liegen und nur ins Bewußtſein duͤrfen erhoben werden, ſo gibt es wohl kein trefflicheres und wirkſameres Mittel, ein geregeltes Denken anzuregen und zu dieſem zu bilden, als dieſe Entwicklung der Sprache, und ſie muß dies noch in einem weit hoͤheren Grade leiſten, als die bisher dazu vorzuͤglich beſtimmte Mathematik, deren Geſetze doch dem jugendlichen Geiſt nicht ſo zugaͤnglich ſind, und die durch ihre abſtracte Anſchauung Ideen anregend, nun ganz und gar nicht iſt.«,

Graßmann:»Was der Schuͤler ſchon fruͤher, indem er richtig ſprach, bewußtlos gethan hat, daß lernt er jetzt mit Bewußtſein thun und das iſt eben, was als Mittel dient, um in ſein Denken Ordnung und Klarheit zu bringen.«

*) Anmerk. Der Stoff bedingt die Methode, dieſe jedoch nicht minder das vom Stoff zu erwartende Ergebniß in Beziehung auf ſeruiate Bildung, denn leider hat man noch heut zu Tag Gelegenheit zu ſehen, daß die gei⸗ ſtigſten Lehrgegenſtaͤnde(insbeſondere die deutſche Grammatik) auch in einer nicht bloß nicht bildenden, vielmehr in einer geiſtertoͤdtenden Weiſe behandelt werden koͤnnen!? Um einem moͤglichen Mißverſtaͤndniſſe zu begegnen, werde noch bemerkt, daß hiermit durchaus nicht in Abrede geſtellt werden ſoll, die Methode in jedem Lehrfache muͤſſe aus dem Entwicklungsgang des menſchlichen Geiſtes ebenſo gut wie aus dem Lehrſtoff und aus dem Ver⸗ hältniß beider zu einander ihre leitende Grundſaͤtze entnehmen..